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Alles, was uns bewegt

Warum zum Volontariat auch Live-Konzerte gehören (sollten)

Bereits vor Beginn meines Volontariats hatte ich mich auf die Kulturberichterstattung gefreut. Im Geiste sah ich mich bei Konzerten in der ersten Reihe, die Kamera immer vor der Nase. Oder in Museen, wo ich mich in die Werke lokaler Künstler vertiefe. Ich hatte noch aus meinen Praktika in Erinnerung, dass es nicht nur Arbeit, sondern auch Vergnügen war, abends auf solche Veranstaltungen zu gehen.

Soweit zur Theorie. Leider wurde 2021 immer noch von Corona beherrscht, und dahin waren meine ganzen Vorstellungen. Wenn ich einen Artikel schreiben konnte, hatte er höchstens zum Thema, welche Veranstaltung dieses Jahr nur begrenzt oder gar nicht stattfinden konnte.

Keine Kulturveranstaltung wegen der Corona-Pandemie

Wie sich herausstellte, war ich aber nicht die einzige Volontärin, die in dieser Lage steckte. Im August hatten wir Volontäre ein Seminar zu eben diesem Thema, Kulturberichterstattung. Als der Dozent uns nach unseren Erfahrungen im ersten Halbjahr unseres Volontariats fragte, war die Antwort fast immer dieselbe: fast keine, coronabedingt hatte Nichts stattgefunden. Das ist vor allem deshalb schade, weil die Kulturberichterstattung, das Feuilleton, ein ganz eigenes Ressort ist.

Deshalb habe ich mich umso mehr gefreut, als ich doch noch völlig unverhofft auf eine Kulturveranstaltung gehen und darüber berichten konnte. Denn auch das P-Seminar Musik des Maria-Ward-Gymnasiums Günzburg stand vor dem Corona-Problem: Zwei Jahre zuvor hatten die Vorgängerinnen bereits einen Musikwettbewerb mit jungen Musikerinnen und Musikern auf die Beine gestellt. Alles live und vor Ort, versteht sich. Der aktuelle Jahrgang wollte ihn auch dieses Jahr durchziehen. Allerdings war im März, als ich für einen Vorbericht über das Seminar zum ersten Mal mit den Schülerinnen und dem Seminarleiter sprach, noch gar nicht klar, ob es ein Live-Konzert werden würde, oder ob sie das Ganze als Online-Wettbewerb und damit coronakonform abhalten sollten.

Volontariat bei der Augsburger Allgemeinen: Kultur gehört dazu

Die erste Runde lief dann nur online über eingereichte Videos ab. Umso größer war meine Freude, dass die Finalrunde dann tatsächlich vor Ort in der Aula des Gymnasiums stattfinden konnte. Ich saß mit anderen Menschen im Publikum, die lachten, Tränen der Rührung in den Augen hatten und klatschten, als gäbe es kein Morgen. Das konnte ich umso besser in meinen Artikel einbinden.

Man merkte, dass alle – Musiker wie Zuschauer – einfach glücklich waren, wieder live spielen und zuhören zu dürfen. Inklusive mir als Berichterstatterin. Wie hätte ich denn die Reaktion des Publikums beschreiben sollen, wenn ich allein vor meinem Bildschirm den Wettbewerb verfolgt hätte? Wie hätte ich die Anspannung der Musiker einfangen sollen, wenn ich nicht direkt unter der Bühne gekniet wäre, um ein Video zu drehen?

Vielleicht bietet die aktuelle ungewöhnliche Situation in unserem Volontariat auch neue Möglichkeiten: dass man neue Formate oder Künstler eher beachtet als früher. Dass man sich generell Gedanken macht, wie Kultur digital zum Publikum kommen kann, und welche Chancen und Probleme diese neue Art der Rezeption mit sich bringt. Trotzdem ist mein ganz persönlicher Eindruck bisher, dass man Kulturberichterstattung am besten am „lebenden Objekt“ lernt – live, vor Ort. Und ich hoffe, dass wir dazu noch einige Chancen in den kommenden Monaten bekommen – trotz Corona.