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Jeden Tag ein Abenteuer

Viel Trubel im Lokaljahr

Der Volontär filmt den Auftritt des Ministerpräsidenten. Foto: Jochen Aumann

Im September vergangenen Jahres bekam ich mitgeteilt, dass ich mein Lokaljahr in Nördlingen absolvieren werde. Aus Augsburg, einer Stadt mit rund 300 000 Einwohnern, ging es für mich in eine mit 20 000 – ein kleiner Unterschied. So ganz wusste ich nicht, was mich in Nördlingen erwartet, dort, wo vor 15 Millionen Jahren ein Meteorit einschlug.

Was ist dort los, was passiert in Nördlingen? Kein Jahr später weiß ich: eine ganze Menge. Ein Großereignis war natürlich die Nördlinger Mess‘, noch dazu im Jahr des großes Jubiläums: Vor 800 Jahren wurde die Messe das erste Mal urkundlich erwähnt und das wurde entsprechend gefeiert. Was ich dort alles erlebt und zu tun hatte, kann man hier nachlesen.

Doch die Mess‘ war nicht die einzige Großveranstaltung, die ich in meinem Lokaljahr erlebt habe. Im September stand das Historische Stadtmauerfest an. Alle drei Jahre findet dieses in Nördlingen statt. Dann verwandelt sich der Ort im Ries in eine mittelalterliche Stadt.

Dass etwas Großes ansteht, habe ich in den Wochen vor Beginn des Festes gemerkt, die ersten Buden standen in den Straßen herum, Stahltribünen wurden am Marktplatz aufgebaut und viele Nördlinger ließDer Aufbau für das Stadtmauerfest. Foto: Treumannen sich einen Bart wachsen – so wie es sich vermeintlich für einen mittelalterlichen Menschen gehört – stimmt aber gar nicht, wie mein Kollege herausfand. Ein Glück für mich unbärtigen Volontär.

Auch der Volontär trägt ein historisches Gewand

Ich übernahm den Großteil der Berichterstattung. Das fing in der Vorbereitung an: Warum fand eigentlich zeitgleich auch in Dinkelsbühl ein historisches Fest statt? Wie läuft es mit dem Aufbau? Einen Tag bevor es losging, bin ich durch die Nördlinger Gassen gestreift, wo viele Ehrenamtliche alles für den großen Event vorbereiteten und umherwuselten.

 

An dem Freitag, als das Fest eröffnet wurde, war ich für die Videos zuständig. Wie so viele Besucher trug ich ein historisches Gewand, eine weite grüne Filzhose, ein einfaches Hemd – ohne fühle man sich etwas fehl am Platze, wurde mir in der Redaktion gesagt. Ein kurzes Video für Facebook, ein ausführlicheres für die Homepage, das waren meine Aufgaben für den Abend. Und ich filmte: wie die Knabenkapelle einmarschierte, Auftritte der Gaukler und anderer Gruppen, die Ansprachen des Herolds und des Oberbürgermeisters sowie die Salutschüsse.

Dann habe ich schnell das erste Video zusammengeschnitten, nur um festzustellen, dass der Akku von 100 auf zwei Prozent gesunken war – somit ging es für mich hurtig in die Redaktion zum Akku laden. Und um das zweite Video zu schneiden. Irgendwann am Abend war das auch erledigt. Feierabend.

Der Samstag bedeutete für mich, Material für eine Reportage zu sammeln, Fotos und Videos zu machen und den Facebook-Kanal der Rieser Nachrichten den ganzen Tag über zu bespielen: Das volle Programm eben. Am Morgen gab es eine sogenannte Gautschfeier einer Druckerei zu bestaunen, eine Taufe für all diejenigen Mitarbeiter, die bislang noch keinen Gautschbrief vorweisen konnten. Dabei haben die sogenannten Packer sich ihre Kollegen geschnappt, ihnen einen nassen gelben Schwamm ins Gesicht gedrückt und sie in einer kleinen Wanne untergetaucht. Einmal, zweimal, zehnmal. Es ist ein Brauch der Buchdrucker – oder der Anhänger der „schwarzen Kunst“, wie es dort hieß.

Der Volontär filmt den Auftritt des Ministerpräsidenten. Foto: Jochen AumannDoch das war nur ein Programmpunkt auf meiner Liste. Ich habe auf dem Stadtmauerfest eine echte Hochzeit erlebt – natürlich stilecht in historischen Gewändern -, habe eine Modenschau und einen Gottesdienst besucht. Dazu gab es Musik, der Dudelsack war ein häufiger akustischer Begleiter. Am Sonntag musste all das zusammengeschrieben werden – dazu standen noch ein Festumzug und der Besuch von Ministerpräsident Markus Söder an. Auch dessen Auftritt wurde natürlich gefilmt und verschriftlicht. Ein anstrengendes, aber spannendes Wochenende endete so.

 

Als Volontär durfte ich die Berichterstattung für die Donauries-Ausstellung organisieren

Wenige Wochen später ging es mit dem nächsten Großereignis weiter: der Donauries-Ausstellung. Eine Messe, ähnlich der Afa in Augsburg. 13 Hallen, viele Betriebe aus der Region stellten sich vor und zeigten ihre Produkte. Alle vier Jahre kommt die Messe nach Nördlingen. Meine Aufgabe war es, die gesamte Berichterstattung zu organisieren, jede Halle sollte drankommen.

Die Ausstellung fand in der Woche des Tags der deutschen Einheit statt, das hieß für mich: Weniger Erscheinungstage und weniger Ausgaben, in denen ich die Sonderseiten unterbringen konnte. Zunächst habe ich mir einen Überblick verschafft, wie viele Ausgaben stehen mir für die Berichterstattung zur Verfügung, wie viele Sonderseiten können wir pro Tag unterbringen? Dann teilte ich auf, welche der Hallen wann in der Zeitung erscheinen sollten.

Später ging es an die Einteilung der Redakteure und freien Mitarbeiter: Welche Hallen übernehme ich selbst, wer kann was schreiben? Bei der Einteilung der Mitarbeiter habe ich gemerkt: Genaue Instruktionen sind wichtig. Wie viele Zeilen Text, wie viele Bilder, bis wann muss er oder sie liefern. Dazu habe ich Fotografen eingeteilt, denn für jeden Tag haben wir eine Bildergalerie benötigt.

Sogar ins Stadtmauerfest-Buch hat es der Volontär geschafft

Wenn die Texte eingetroffen waren, musste ich sie redigieren, bei manchem Autor noch einmal einige Zeilen nachliefern lassen, wenn er nicht genügend geschickt hatte. Dazu kam das Bauen der Sonderseiten und – nicht zu vergessen – das Schreiben meiner eigenen Texte. Als all das erledigt war, war die Ausstellung auch schon vorüber, ein Fazit musste noch her.

Der Nördlinger Volontär ist auch im Buch zum Stadtmauerfest vertreten. Foto: Treumann

Viel Arbeit und viel Vorbereitung waren hierfür nötig, doch es hat sich gelohnt: Alles lief glatt, alle Texte kamen an und alle Seiten erschienen wie geplant.

Jetzt ist erstmal Pause, denn irgendwann gehen auch Nördlingen mal die Großereignisse aus. Ach halt, da steht im kommenden Frühjahr ja noch diese Kommunalwahl mit vier OB-Kandidaten an…

PS: Im Dezember wurde das Stadtmauerfest für mich noch einmal zum Thema  – die Vorstellung des offiziellen Buchs zum Fest stand an. Ich saß im Rathaus, schrieb mit und plötzlich sagte der Pressesprecher der Stadt Nördlingen zu mir: „Herr Treumann, Sie sind ja auch drin abgebildet.“ Tatsache, auf einem Bild zur Eröffnung bin ich mit meinem historischen Gewand mitten in der Menge zu sehen, wie ich filme. Auch auf anderen Seiten bin ich manchmal im Hintergrund zu entdecken. Lokaljournalismus heißt eben: Mittendrin statt nur dabei zu sein.