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Jeden Tag ein Abenteuer

Nervenkitzel bei Loopings und Rollen: Volontär berichtet aus dem Cockpit

Pilot Thomas Brenner steht auf dem Flugplatz Mindelheim-Mattsies. Neben ihm ein weiß-oranger Flieger – die Grob G 120TP. Brenner macht die Maschine startklar. Bevor wir losfliegen, muss ich noch einen Fallschirm anlegen. Brenner erklärt mir, wie ich im Falle eines Notfalls das Verdeck nach hinten schieben, auf die Tragfläche steigen und beim Absprung Abstand zum […]

Pilot Thomas Brenner steht auf dem Flugplatz Mindelheim-Mattsies. Neben ihm ein weiß-oranger Flieger – die Grob G 120TP. Brenner macht die Maschine startklar. Bevor wir losfliegen, muss ich noch einen Fallschirm anlegen. Brenner erklärt mir, wie ich im Falle eines Notfalls das Verdeck nach hinten schieben, auf die Tragfläche steigen und beim Absprung Abstand zum Propeller gewinnen soll. Nach ein paar Sekunden soll ich dann einen Metallbügel ziehen, damit sich der Fallschirm öffnet. „Moment, könnte dieser Flug gefährlich werden?“, schießt es mir in den Kopf. Darüber hatte ich mir zuvor gar keine Gedanken gemacht. Ein paar Minuten später sitze ich stramm festgegurtet neben Thomas Brenner – und wir fliegen mit voller Geschwindigkeit in einen Looping.

Doch die Geschichte fängt einige Wochen zuvor an. Jede Volontärin und jeder Volontär der Augsburger Allgemeinen kennt diese Situation: In der Redaktion kommt ein Thema auf, das irgendwie spannend klingt. Welchen Dreh das Thema bekommen soll, ist noch nicht so richtig klar. Klar ist dafür aber schon, wer es machen könnte: Das wäre doch was für den Volontär. „Mach‘ dort doch mal eine Reportage“, ist ein Spruch, den so manche Volontärinnen und Volontäre der Günter Holland Journalistenschule schon häufiger gehört haben dürften. So findet man sich regelmäßig in Situationen wieder, die man im normalen Leben so wohl nicht erlebt hätte.

Reportage aus dem Cockpit: Wie fühlt sich ein Looping an?

Für die Lokalredaktion der Mindelheimer Zeitung durfte ich beispielsweise im Impfzentrum über die Menschen hinter den Kulissen berichten. Mit Wärmebildkamera stand ich in verrauchten Räumen und habe die Atemschutz-Ausbildung der Feuerwehr begleitet. Zuletzt durfte ich eine eintägige Kneipp-Kur am eigenen Körper erfahren. Und an diesem Tag flog ich in einem Ausbildungsflieger der Firma Grob Aircraft mit. Mit den Flugzeugen werden normalerweise Luftwaffenpiloten ausgebildet. Sie lernen darin Flugmanöver zu fliegen, die sie später in ihren Kampfjets brauchen werden. 

Der Dreh in der Geschichte war inzwischen auch klar. Ich würde in einer Reportage der Frage nachgehen: Welche Manöver werden mit den Flugzeugen aus Mattsies geflogen – und wie fühlt sich das im Cockpit an? Wenige Wochen nachdem ich mich mit der Firma in Verbindung gesetzt habe, sitze ich also im Cockpit hinter Knöpfen, Schaltern, Displays und einem Steuerknüppel. Thomas Brenner fliegt mit der Maschine eine enge Rechtskurve. Wie in einer Achterbahn werde ich in den Sitz gedrückt. Das ist auch für Ungeübte wie mich noch gut auszuhalten. Doch dann kommt der Moment der Wahrheit. Brenner zieht den Steuerknüppel zu sich. Das Flugzeug fliegt in einem steilen Bogen fast senkrecht nach oben. Sofort werde ich mit voller Wucht in den Sitz gepresst. So fühlt es sich also an, wenn das Fünffache des Körpergewichts auf den eigenen Körper wirkt.

Das Privileg, ungewöhnliche Einblicke zu bekommen

Der Boden verschwindet aus dem Sichtfeld. Beine und Arme werden so schwer, dass man sie nicht mehr anheben kann. Das Gesicht wird nach unten gezogen. Auf einmal wird alles wieder ganz leicht. Dort wo eben noch der Himmel war, ist nun aus dem Cockpit die Landschaft zu sehen. Wir fliegen kopfüber. Doch noch bevor ich den Ausblick genießen kann, fliegt das Flugzeug in einem Bogen auch schon wieder abwärts. Erneut versinke ich im Sitz – bis der Looping fertig gedreht ist. Brenner zeigt mir danach noch ein paar andere Manöver. Sie live im Flugzeug mitzuerleben, fühlt sich fast ein wenig unwirklich an.

In diesen Situationen wird einem besonders klar, was es für ein Privileg sein kann, Journalistin oder Journalist zu sein. Gemeinderatssitzungen, Gerichtstermine, Vereinsjubiläen – wir berichten bei vielen verschiedenen Veranstaltungen von vor Ort. Die Menschen sprechen mit uns und erzählen uns ihre Geschichten. Und immer wieder bekommen wir auch Einblicke in Bereiche, in die man sonst eben nicht mal so schnell hineinschauen kann. Das ist ein besonders spannender Teil unseres Jobs. Für die Leserinnen und Leser der Augsburger Allgemeinen sind wir mittendrin, wenn etwas passiert. Versuchen Blickwinkel zu zeigen, die die Menschen nicht kennen und ordnen ein, was andere Menschen leisten. Dafür lohnt es sich auch mal in einen Flieger zu steigen – und am Ende des Fluges zu merken, dass sich im Kopf dann doch etwas mehr dreht als sonst.

Nach Redaktionsschluss

Über Volos und die Welt

Kleine Stärkung nach der Diskussion. Elisa Glöckner, Mareike König und Jonas Voss. Foto: Leonie Küthmann

Es gibt viel zu tun für die Altvolos: In der Zentrale der Augsburger Allgemeinen lernen wir die Mantelressorts kennen – und brauchen den ein oder anderen Abend, um uns darüber auszutauschen. Das geht bei Podiumsdiskussionen ebenso gut wie beim Burgeressen.

Themen recherchieren, Porträts schreiben, Online-Artikel aufbereiten – ja, wir Altvolos der Günter Holland Journalistenschule  sind schon im ersten Monat in der Zentrale voll im Einsatz. Jeder will sich in einem anderen Ressort beweisen, jeder weiß aber auch, dass die nächste Station höchstens vier Wochen entfernt ist. Sich von dem jeweiligen Vorgänger-Volo Tipps zu holen ist nötig, um das Überleben zu sichern. Zumindest fühlt man sich manchmal so.  Sich im Haus ausführlich auszutauschen, ist aber quasi unmöglich – weil jeder irgendwo anders ist, andere Termine und Tagesabläufe hat. Der nach Austausch lechzende Volo schreibt also in einschlägige Whatsapp-Gruppen mit dem raffinierten Namen – „Volos“ – und lädt zur gemeinsamen Unternehmung.

Gemeinsamer Volo-Abendtermin: eine Podiumsdiskussion mit Kurt Gribl, Axel Piper und Sina Trinkwalder

Einer unserer gemeinsamen Abendtermine fand vor kurzem in Augsburgs Zentrum statt: eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Über Gott und die Welt“. Augsburgs Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl, der Neu-Augsburger und Regionalbischof Axel Piper sowie die Augsburger Unternehmerin Sina Trinkwalder beschäftigten sich mit allen möglichen Themen rund um Politik und Gesellschaft, vor allem aber rund um Augsburg.Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl, Unternehmerin Sina Trinkwalder und Regionalbischof Axel Piper (v.l.) diskutieren. Foto: Leonie Küthmann

Zu Beginn der Podiumsdiskussion sprach Axel Piper ein Thema an, das auch die Augsburger Allgemeine in den vergangenen Monaten viel beschäftigt hat: der Brief eines Lesers der Süddeutschen Zeitung. Inhalt in Kurzform: „Die Augsburger sind die unfreundlichsten Menschen, die ich je kennengelernt habe.“ Piper, der seit wenigen Wochen in Augsburg wohnt, sagt dazu nur recht trocken: „Wer die Augsburger nicht nett findet, soll mal einen grantigen Oberbayern kennenlernen.“

Aber irgendwie kommt Augsburg nicht immer so gut weg wie bei Piper: „Augsburg wurde in allen Punkten schlechtgeredet“, sagt Oberbürgermeister Kurt Gribl auf die Frage, weshalb er damals in die Politik gegangen sei. Dass Augsburg immer negativ gesehen wurde, habe ihn „angekäst“. Und auch Sina Trinkwalder schimpft: „Alle dreschen immer auf die Fuggerstadt ein.“ Ihr Unternehmen manomama produziert umweltfreundlich in der Region und beschäftigt dabei Menschen, die auf dem gängigen Arbeitsmarkt kaum Chancen hätten. Sina Trinkwalder hat über ihr Unternehmen und ihre Philosophie mehrere Bücher geschrieben und gilt als jemand, der kein Blatt vor den Mund nimmt.

Als Volo der Günter Holland Journalistenschule freut man sich über jedes autorisierte – und nicht veränderte – Interview

Ich persönlich durfte das schon in meinem Lokaljahr bei der Mindelheimer Zeitung erleben: Sina Trinkwalder sollte einen Vortrag in Mindelheim halten und ich sie vorab interviewen. Problem: Sie war damals sehr, sehr erkältet – das Interview am Telefon fand trotzdem statt. Viele markige Sprüche, Thesen, die sicher nicht jedem gefallen – so sah das Interview am Ende aus und ich hatte etwas Angst, dass Sina Trinkwalder das so nicht autorisieren würde. Aber im Gegensatz zu vielen Politikern und Amtsträgern, die gerne mal so verfahren, kam von Sina Trinkwalder nur eine Mail: „Alles wunderbar! Lg Sina Trinkwalder“. Ein entspannter Tag im Leben eines Jungvolo.

Aktuelles Top-Thema bei den Altvolos: der Einsatz in der Zentrale der Augsburger Allgemeinen

Auch bei der Podiumsdiskussion wurde viel debattiert – zumindest unter den drei Gästen. Der Rest des Publikums hielt sich der Fragerunde sehr zurück. Zugegebenermaßen waren wir Volos auch nicht so diskussionsfreudig, wie man uns sonst kennt. Das haben wir eine Woche später beim gemeinsamen Burgeressen nachgeholt – und tatsächlich ging es auch bei uns um „Gott und die Welt“: Sollte man Weihnachten feiern, wenn man aus der Kirche ausgetreten ist? Was spricht für eine Pille für Männer? „Rettet die Bienen“ – sinnvolles Volksbegehren zum Artenschutz oder vollkommen falsch aufgezogen? Und natürlich haben wir uns auch ausgetauscht: über Geschichten, die wir gerade für die Augsburger Allgemeine  recherchieren, kleine Fettnäpfe, die man vermeiden sollte, und vor allem über die Frage: „Was erwartet mich im nächsten Monat in Ressort XY?“ Wir werden sicher ausführlich auf Heimatfieber darüber berichten.Wer viel arbeitet, muss auch ordentlich essen. Burger zum Beispiel. Foto: Leonie Küthmann