Tag Archives: Kaffee

Alles, was uns bewegt

Kaffee, Klatsch und Schnittlauchbrezen

Mittags, halb eins in Neuburg. Dirk nimmt ihn mit Süßstoff, Doro in klein und Orla mit sehr viel Milch. Kaffee. Wie Volontärin Elisa Glöckner in Neuburg die Mittagspause mit ihren Kollegen verbringt.

Mittags, halb eins in Neuburg. Dirk nimmt ihn mit Süßstoff, Doro in klein und Orla mit sehr viel Milch. Kaffee. Jeden Tag macht sich die Redaktion der Neuburger Rundschau – oder zumindest ein Teil davon – auf in die Bäckerei Kaltenstadler, um dort gemeinsam die Pause zu verbringen. Die Redakteure der Lokalausgabe der Augsburger Allgemeinen gehen zu Fuß. Von der Redaktion zur Bäckerei sind es genau 68 Meter. Die Autorin hat nachgezählt.

Natürlich gibt es zum Kaffee nicht nur Milch, Zucker, wahlweise Süßstoff. Es gibt Schnittlauchbrezen. Was das Besondere daran ist? Tatsächlich nicht nur der Schnittlauch. Denn, wie Orla bemerkt, ist die Breze mit Frischkäse – und nicht wie üblich mit Butter – beschmiert. Nachteil der Schnittlauchbreze: Einmal verzehrt, bleibt das Gewächs oft sehr hartnäckig zwischen den Zähnen zurück. Unentdeckt kann der Schnittlauch dann zu peinlichen Situationen führen, zumal der Journalist auf den direkten Kontakt zu Menschen angewiesen ist. Und dennoch: Auf die Breze verzichten würde Orla nie.
Egal. Es gibt da nämlich noch etwas und das scheint am Ende interessanter als Kaffee und Kaltenstadlers Schnittlauchbrezen: der Klatsch.

68 Meter zum Kaffeeklatsch und zurück

Nein, keine Sorge, dabei handelt es sich nicht um Tratsch nach dem Vorbild einschlägiger Boulevardblätter. Eher eine Plauderei, eine Unterhaltung über die Ikonen des Lokaljournalismus, über Sport, Bekannte, die Familie, Sport, Geburtstagsfeiern, Sport, Kinder, die Gesundheit. Und außerdem: Sport.
Eine halbe Stunde verbringen die Redakteure der Neuburger Rundschau und die Volontärin der Günter Holland Journalistenschule im Kaltenstadler. Oft wird es länger. Danach geht es zurück in die Redaktion, zurück an die Arbeit. Es sind genau 68 Meter, die Autorin hat nachgezählt.

Jeden Tag ein Abenteuer

Lost in Brandenburg

Mit solchen Blechschildern wird in Brandenburg vor Wölfen gewarnt. Foto: Sandra Liermann

Mit Beginn des zweiten Ausbildungsjahres denken die Volontäre ja gerne, dass sie den Lokaljournalismus jetzt erstmal hinter sich gelassen haben. Doch auch im Korrespondentenmonat in Berlin kann es passieren, dass sie sich plötzlich auf matschigen Feldwegen im tiefsten Brandenburg wiederfinden. Von den Problemen einer Recherche.

Berlin, die große, weite Welt, denke ich, als ich mich Ende Februar aufmache in Richtung Hauptstadt. Endlich mitmischen im großen Politikbetrieb, all die Menschen persönlich treffen, die man sonst nur in der Tagesschau sieht. Und nach Feierabend durch die zahlreichen Berliner Museen schlendern, sich an der Vielzahl der Sprachen freuen, die man auf jeder S-Bahn-Fahrt hört und sich endlich mal nicht als Tourist, sondern als echter Berliner fühlen dürfen. So ungefähr hatte ich mir meinen Monat in Berlin vorgestellt.

Stattdessen stehe ich jetzt an einer einsamen Bushaltestelle in einem 500-Einwohner-Dorf im westlichen Brandenburg. Für eine Seite-Drei-Geschichte über die brandenburgischen Wölfe bin ich am frühen Morgen in Berlin aufgebrochen und nach anderthalb Stunden Bus- und Zugfahrt hier gelandet, um einen Interview-Partner zu treffen: einen Jäger, der vor umherstreifenden Wölfen warnt, weil er Angst hat, dass diese bald schon Menschen angreifen könnten.

Die einzige Möglichkeit, von hier zurück in die nächstgrößere Stadt zu gelangen, von der ein Zug nach Berlin fährt, ist der nächste Bus. Der fährt in genau drei Stunden und 49 Minuten. Als ich den Busfahrer, der mich hergebracht hat, frage, ob es noch eine andere Möglichkeit gibt, von hier wegzukommen, mustert der mich von oben bis unten und sagt trocken: „Sie haben doch zwei gesunde Beine.“ Ähm… Nun gut, sind ja nur zwölf Kilometer über die Landstraße, ohne Bordstein wohlgemerkt. Aber darüber mache ich mir dann später Gedanken. Jetzt versuche ich erstmal, meinen Gesprächspartner zu erreichen, nennen wir ihn hier mal „Herr Müller“.

Beim Metzger gibt es Hackepeter und Kaffee zum Mitnehmen

Mit Herrn Müller habe ich vorgestern telefoniert und vereinbart, dass ich heute vorbeikomme. „Rufen Sie mich einfach an, wenn Sie da sind. Ich bin sowieso immer vor Ort“, hat er mir gesagt. Ich rufe Herrn Müller also an, so wie wir das vereinbart hatten. Sein Handy ist aus. Ärgerlich. Ich warte einige Minuten, probiere es noch mal. Das Handy ist immer noch aus. Mit meinem Smartphone versuche ich nachzuschauen, ob ich eine Festnetznummer finden kann. Das Blöde: Der Empfang hier ist gleich Null. Obwohl ich immer wieder auf den „Aktualisieren“-Button drücke, zeigt mir mein Handy jedes Mal aufs Neue an, dass es leider gerade keine Verbindung zum Internet herstellen kann.

Nun gut, das Dorf besteht nur aus zwei Straßen. Ich weiß, dass Herr Müller hier irgendwo ein Geschäft betreibt, das kann bei zwei Straßen nicht so schwer zu finden sein. Und tatsächlich, nach einigen Minuten Fußweg stehe ich davor. Doch auch da ist Herr Müller nicht. „Der war heute noch nicht hier. Probieren Sie es mal beim Metzger, da ist er um diese Uhrzeit oft“, sagt mir ein Mitarbeiter. Den Metzger habe ich auf den Hinweg schon gesehen, das ist der kleine Laden in der Hauptstraße, vor dem zwei Traktoren geparkt waren. Als ich durch die menschenleere Straße zurücklaufe, vorbei an gepflegten Vorgärten und Hecken, in denen schon pastellfarbene Plastik-Ostereier hängen, denke ich kurz an Berlin: meine WG in Friedrichshain, zwischen einem Späti, einer rund um die Uhr belebten S-Bahn-Station, einem großen Techno-Club und einem veganen Supermarkt gelegen. Beim Metzger gibt es Hackepeter und Kaffee zum Mitnehmen. Doch auch da: Fehlanzeige, Herr Müller war heute noch nicht da. Die Verkäuferin sagt mir aber, dass er ganz in der Nähe (natürlich, sind ja nur zwei Straßen) ein Haus renoviert, vielleicht sei er dort.

Bevor ich hinlaufe, probiere ich es noch mal telefonisch. Keine Chance, das Handy ist immer noch aus. Ich überquere die Straße und treffe beim besagten Haus tatsächlich auf einen Mann. Das ist aber nicht Herr Müller, sondern einer seiner Mitarbeiter, der gerade einen Fenstersims mauert. „Nee, der Herr Müller, der ist heute gar nicht hier im Ort“, sagt er. Ärgerlich, wir hatten doch den heutigen Tag für ein Treffen vereinbart. Auch Herrn Müllers Mitarbeiter fällt erstmal nichts anderes ein, als zu versuchen, ihn auf seinem Handy zu erreichen. Das ist natürlich immer noch ausgeschaltet, was er mit den Worten „Ach, der ist mal wieder im Funkloch, das ist hier ständig so“, kommentiert. Letztlich kommt ihm doch noch eine Idee: „Mein Onkel wohnt hier nebenan, der kann Sie vielleicht hinfahren“, schlägt er vor. Gemeinsam gehen wir zum Nachbarhaus. Der Onkel, ein rüstiger Rentner, scheint überhaupt nicht erstaunt zu sein, dass sein Neffe plötzlich mit einer Wildfremden vor der Tür steht und ihn um einen Fahrdienst bittet. Ärgerlicherweise hat der Onkel keine Zeit, „ein wichtiger Arzttermin“, sagt er und zuckt mit den Schultern. Und nun?

Herr Müller kann nicht, er sitzt auf dem Bagger

Just in dem Moment klingelt das Handy von Herrn Müllers Mitarbeiter. Herr Müller ist dran, hat über Umwege erfahren, dass diese Journalistin, mit der er ja eigentlich verabredet war, da ist. „Mach´ den Sims morgen fertig und fahr´ die zu mir“, sagt er seinem Mitarbeiter. Wir verabschieden uns vom Onkel, vor dessen Haustüre wir immer noch stehen, und machen uns auf den Weg zum Haus von Herrn Müllers Mitarbeiter, wo sein großer, weißer Transporter steht. Ich denke kurz zurück, wie ich mir diesen Tag ursprünglich ausgemalt hatte: Hinfahren, Interview führen, ein nettes kleines Restaurant finden, in dem ich zu Mittagessen kann, und anschließend mit dem ersten Bus am Nachmittag wieder zurück. (Der Plan wäre so oder so am Restaurant-Besuch gescheitert: Das einzige Lokal im Dorf hat nur am Freitag- und am Samstagabend geöffnet.)

Über ruckelige, matschige Feldwege kutschiert mich Herr Müllers Mitarbeiter mit seinem Transporter ins nächste Dorf. Eine gute Viertelstunde lang fahren wir mitten durchs brandenburgische Nichts, links und rechts nur Wiese und Wald. Dann sind wir endlich da, wo auch Herr Müller ist: eine alte Fabrik, die abgerissen wird. Mehr als drei Stunden bin ich zu diesem Zeitpunkt schon unterwegs. „Herr Müller? Den finden Sie da hinten“, sagt mir ein Mann und deutet in Richtung Wald. Entschlossen stapfe ich über die schlammige Wiese in Richtung der Bäume, von wo lautes Getöse herüberschallt. Kurz vor meinem Ziel kommt mir ein weiterer Mann entgegen, nennen wir ihn hier einfach Herr Baumeister. „Sie wollen zu Herrn Müller? Der kann jetzt nicht, der sitzt gerade auf dem Bagger“. Ich frage mich, wie viel an diesem Tag eigentlich noch schiefgehen kann und schaue wohl leicht verzweifelt, als Herr Baumeister lächelt und sagt: „Aber ich weiß, worum es geht. Kommen Sie mit, ich kann all Ihre Fragen beantworten.“ Später kommt tatsächlich noch Herr Müller dazu, schüttelt mir kurz die Hand, sagt: „‘tschuldigung, das hab ich ganz verbrummt“ und verabschiedet sich direkt wieder, um zum Mittagessen zu fahren.

Zurücklaufen muss ich anschließend übrigens nicht: Herr Müllers Mitarbeiter hat die ganze Zeit über auf mich gewartet und bietet mir dann noch an, mich zum Bahnhof zu fahren, obwohl das ein ziemlicher Umweg für ihn ist. „Mach ich doch gern“, sagt er, als ich frage, ob das wirklich, wirklich okay für ihn wäre. Als ich am Abend wieder in Berlin ankomme, mich zwischen den Menschenmassen durchkämpfe, die schon in die S-Bahn einsteigen wollen, während ich noch nicht draußen bin, denke ich kurz zurück an die brandenburgische Einsamkeit. Auf dem Weg zu meiner WG komme ich an einem Straßenmusiker vorbei, der, nur bekleidet mit einer Pferdemaske und einem pinken Slip, eine ziemlich schiefe Version von „Ring of Fire“ singt. Eine völlig alltägliche Szene hier, nur ein paar Mädchen (augenscheinlich Touristinnen) bleiben kichernd stehen und filmen ihn mit ihren Smartphones. Schön ist es hier, in der Großstadt.

Welcher Text am Ende der Recherche entstanden ist, steht hier.

Alles, was uns bewegt

Ein Volontär auf Kaffee

Kaffee: Er ist Genussmoment, Wachmacher, Motivator, Lebenselixier. Er sorgt dafür, dass sich auch der müdeste Volo von seinem Schreibtischstuhl erhebt und sich ein wenig die Beine vertritt. An der Kaffeemaschine trifft er dann gerne auch mal die Kollegen zum Plausch. Die Büros der Welt werden mit Koffein betrieben. Da ist auch die Augsburger Allgemeine keine Ausnahme.

Kaffee: Er ist Genussmoment, Wachmacher, Motivator, Lebenselixier. Er sorgt dafür, dass sich auch der müdeste Volo von seinem Schreibtischstuhl erhebt und sich ein wenig die Beine vertritt. An der Kaffeemaschine trifft er dann gerne auch mal die Kollegen zum Plausch. Die Büros der Welt werden mit Koffein betrieben. Da ist auch die Augsburger Allgemeine keine Ausnahme.

Schon am ersten Tag des Volontariats spielt Kaffee eine wichtige Rolle. Denn wenn sich die neuen Volontäre versammeln, um in ihren sechswöchigen Einführungskurs zu starten, steht das Getränk schon bereit. Jeden Tag versorgt Frau Dirschl, Sekretärin und gute Seele der Medienakademie, die lernwütigen Volos mit Kaffee. Die blauen Kannen sind Hotspot Nummer 1 in jeder Pause. Schließlich führt nach mehreren Stunden auch der interessanteste Vortrag zur einen oder anderen Ermüdungserscheinung.

Kaffee-Krampf in der Lokalredaktion

In der Lokalredaktion ist es schlagartig vorbei mit dem Luxus. Keine Frau Dirschl mehr, die einem den frisch aufgebrühten Kaffee in der Thermoskanne serviert. Stattdessen muss der Volo selbst ran, braut sich in einer altersschwachen Maschine muffigen Filterkaffee oder friemelt seine Lidl-Kaffee-Pads in verkalkte Geräte. Das ist mehr Krampf als Genuss. Aber es geht halt nicht ohne. Vielleicht wird es ja im zweiten Jahr besser.

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Der Weg zum guten Kaffee ist noch weit. Foto: sial

Hoffnungsfroh tritt der nach Kaffee dürstende Volo im Februar seinen Dienst am Regiodesk in der Stadtredaktion in der Maxstraße an. Die Küche: ein fensterloses Loch im Keller. Die Kaffeemaschine: Sagen wir so, noch am Abend besorgte sich der Volo bei Lidl wieder Pads. Ein weiterer Monat dünne Brühe.

Auf der Spur des braunen Goldes quer durch’s Haus

Danach ging es aber endlich in die Zentrale, die Welt der großen Stories, der Titelseiten. Am Newsdesk, wo Redakteure und Volos aus vier Ressorts gemeinsam die Zeitung machen, muss es doch guten Kaffee geben. Wer am Puls der Zeit sein will, muss auch seinen eigenen Puls hochhalten.

Tatsächlich steht in der geräumigen Kaffeeküche ein Vollautomat! Dem Himmel sei Dank! Bei näherem Hinsehen sieht man ihm aber an, dass er eben tagtäglich um die 100 Kaffeetassen müder Redakteure befüllt. Macht nix, erklärt ein erfahrener Kollege. Die Maschine sei nur geleast. Heißt im Klartext: Wenn sie den Geist aufgibt, kommt eben eine neue. Immerhin sind die mitunter klammen Volos vom Beitrag zur Kaffeekasse befreit.

In der Online-Redaktion ist schon etwas weniger los an der Kaffeemaschine. Gut schmecken tut er auch. Wäre da nicht der hartnäckige Schimmel, der unter den Überresten der frisch gemahlenen Bohnen weiß hervorblitzt und an den sich scheinbar keiner herantraut.

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Endlich fließt das braune Gold! Foto: sial

Kaffeekunst in der Kultur

Die Krone des Kaffee-Genusses wartete schließlich ein Stockwerk tiefer. In der Kulturredaktion geht es nicht nur ruhiger zu als am hektischen Newsdesk, dort wissen sie auch, den Kaffee zu würdigen. Blitzblank geputzt steht da der Automat, die Bohnen schmecken wie frisch vom Feld, immer steht frische Milch bereit. Dazu ein Tresen, auf dem regelmäßig Kuchen, Schokolade oder Obst herumstehen. Der Büroalltag ist gerettet!

Die Glückseligkeit hält aber nicht lange. Nach einem Monat heißt es schon wieder Abschiednehmen von der neu gefundenen Kaffeeoase. Soll die Suche nach dem brauen Gold weitergehen? Schließlich stehen noch weitere Stationen an. Vielleicht kann a.tv noch besseren Kaffee. Oder die Sportredaktion?

Abwarten und Kaffee trinken. Während der Zeit als Projektvolo hat die Kaffeeoase Kulturredaktion jedenfalls wieder geöffnet. Sie ist schließlich nur wenige Schritte den Gang hinunter und ein paar nette Worte mit den Kollegen entfernt.

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