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Jeden Tag ein Abenteuer

Ein untrainiertes Stimmchen in Bombenstimmung

Als gebürtige Augsburgerin verbinde ich mit dem Sender Hitradio RT1 das frühe Aufstehen zu Schulzeiten. Wenn der Wecker frühmorgens klingelte, war einer meiner ersten Griffe jener zum Einschaltknopf des Küchenradios: „Hallo hier ist Daniel Lutz und das Morgenteam“ schallte es dann aus dem Gerät. Das Morgenteam hat sich seitdem verändert, das Vertraute beim Lauschen ist geblieben.  

So früh wie die Moderatoren der Morgenshow musste ich in meinem Radiomonat zum Glück nicht mit der Arbeit beginnen. Aus der Dillinger Lokalredaktion der Donau Zeitung beziehungsweise aus dem Corona bedingten Homeoffice ging es von nun an täglich in das Bürogebäude des Radiosenders mit dem quietschorangenen Logo. Auch ohne Vorerfahrungen machten sich gleich Unterschiede im Vergleich zur Arbeit bei einer Zeitung bemerkbar. Verschlafene Schüler, Menschen, die gerade den Hausputz erledigen, sowie auch gestresste Autofahrer müssen die Nachrichten ohne Probleme verstehen können. Weit ausholen kann man in 30 Sekunden nicht. Aus fünf Telefonaten mit Brauereien aus der Region werden beispielsweise zwei Sätze zusammengefasst. Eine wertvolle Erfahrung, um sich als Journalistin auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Crossmediales Volontariat: Mein Monat bei Hitradio RT1 

Die Nachrichtenredakteurin Laura Tendel spricht eine Meldung ein.

Ein weiterer Unterschied: Die Arbeit der Nachrichtenredakteure ist mit dem Recherchieren, Anleiern und Verfassen von Meldungen nicht getan. Rechtzeitig vor den Nachrichtenblöcken muss das Geschriebene eingesprochen werden. Fast schon ehrfürchtig hörte ich wie aus Kollegin Laura die professionelle Nachrichtensprecherin Laura Tendel wurde, sobald das rote Lämpchen im Aufnahmestudio zu leuchten begann. Ich durfte mich – natürlich nur zu reinen Übungszwecken – ebenfalls an das Mikro wagen, um im Anschluss festzustellen, dass es gar nicht so leicht ist, professionell anstatt eingebildet sowie deutlich ohne roboterhaft zu klingen.

Das Schneiden von Interviews und O-Tönen ging dagegen leichter von der Hand. Unzählige „Ähms“ und „Mhms“ fielen dem unbarmherzigen Schnittprogramm zum Opfer. Nicht nur die Redakteure, sondern auch die Interviewpartner müssen sich beim Radio schließlich kurzfassen!

Fast eine Nachmittagsshow-lang begleitete ich Radiomoderator Felix Straube bei seiner Arbeit. Hier bekam ich noch einmal bestätigt: Das Moderatoren-Dasein besteht aus mehr als nur dem Abspielen von Hits. Jede Sendung hat ein Thema und wird vorrecherchiert, Interviewpartner werden aufgenommen und geschnitten, die aktuellen Wetterdaten für mehrere Gebiete eingesprochen und Anrufe von Zuhörern zu kontroversen Themen oder nur die neuesten Blitzer entgegengenommen. Kein Wunder, dass die Arbeit wie im Fluge vergeht.

Felix Straube ist Moderator bei Hitradio RT1.

Außerdem durfte ich erleben, wie viele Anläufe ein Profi-Sprecher wie Patrick Linke, auch bekannt als der Ansager der RTL-Sendung „Let’s Dance“, zum Einsagen eines Werbetextes braucht: genau einen Versuch.  

Augsburger Volontärin in Bombenstimmung

Ein wenig aufgeregt war ich dann doch, als es plötzlich hieß „Vanessa, fahr bitte schnell nach Langweid. Im Gewerbegebiet wurde eine Fliegerbombe gefunden. Ach ja, und schick uns von dort einen Reporter per Sprachnachricht.“ Reporter heißt, dass man vom Ort des Geschehens live schildert, wie die Lage ist. Unverhofft kommt oft. Und so durfte ich mein untrainiertes Stimmchen doch noch kurz im Radio hören. Die Bombenentschärfung ging übrigens recht zügig, ohne Komplikationen und bei bestem Sonnenschein vonstatten, und ich – im schwarz-orangenen Mini Cooper sitzend – flitzte mit einem Grinsen und einer Erfahrung mehr zurück ins Studio.

Diese 50 Kilo schwere Fliegerbombe wurde in Langweid entschärft.