Kategorie: Fliegendes Klassenzimmer

Fliegendes Klassenzimmer

Abp-Seminar statt Corona-Alltag

Der Corona-Blues traf im Frühjahr auch die Jung-Volontäre der Augsburger Allgemeine. Das Seminar „Zeitungsjournalismus I“ an der Akademie der Bayerischen Presse war eine willkommene Abwechslung für uns.

Das Coronavirus hatte in den vergangenen Monaten auch die Günter Holland Journalistenschule der Augsburger Allgemeinen im Griff. Der siebenwöchige Einführungskurs blieb noch verschont, danach folgte Absage um Absage. Die heiß ersehnte Berlinfahrt fiel aus, der Besuch auf dem Bauernhof ebenso. Anstatt auf Ortsterminen neue Menschen und ihre Geschichten kennenzulernen, hieß es im Homeoffice sozialen Abstand nehmen. Der Alltag war plötzlich recht unspektakulär und monoton. Mit der Rückkehr in die Redaktionen verbesserte sich die Laune.

Jung-Volos der Augsburger Allgemeine im Corona-Blues

Die Volo-Tage und damit den Kontakt zu den Kollegen vermissten wir aber weiterhin schmerzlich. Im Gruppenchat diskutierten wir, ob nun auch das Seminar „Zeitungsjournalismus I“ an der Akademie der Bayerischen Presse (abp) in München ausfiele. Und ja, die erste Gruppe der Augsburger Allgemeinen, die im Mai in die bayerische Landeshauptstadt hätte fahren sollen, wurde auf den Herbst vertröstet. Immerhin. Nun folgte der zweite Termin an der abp, vom 6. bis 17. Juli, mit den Jung-Volos Piet Bosse, David Holzapfel, Sören Becker und mir. Die Freude war groß, als das Go kam. Zwei Wochen lang volles Lernprogramm, neue Leute kennenlernen und Hotelleben. Kurzum: Wir hatten Bock.

Im Hotel herrscht Maskenpflicht – außer für diesen Roboter in Lederhosen am Empfang. Fotos: Vanessa Polednia

Mit Gepäck beladen und dem obligatorischen Mundschutz ging es vom Augsburger Hauptbahnhof mit dem Regionalzug nach München. In der Akademie der Bayerischen Presse im Stadtteil Schwabing angekommen, gab es zunächst einmal eine Vorstellungsrunde und den Ablauf von Seminarleiter Claus Lochbihler erklärt. Zehn unterschiedliche, aber harmonierende Individuen von bayerischen und hessischen Verlagshäusern trafen hier aufeinander. Allein für den Austausch unter angehenden Redakteuren lohnte sich der Aufenthalt an der Akademie.

Vier Volontäre der Augsburger Allgemeine an der abp

Aber auch inhaltlich hatte der Kurs es in sich: Am Montag diskutierten wir mit Autor und Journalismustrainer Detlef Dreßlein über die journalistische Sprache in Print und Online. An zweieinhalb Tagen stand das Thema Reportage auf dem Programm. Hierfür begeisterte uns Chris Bleher, ebenfalls freier Autor und Journalismustrainer, mit seinem Wissen und Ideenreichtum. Dessen Leidenschaft für spannende und einfühlsame Texte steckte uns bei der Recherche und dem Schreiben der eigenen Übungsreportage an. 

Mit Peter Gaide zeigte uns ein erfahrener Interviewer, wie man aus einem mittelmäßigen Gespräch ein lesenswertes Interview macht. Dabei durften wir auch selbst ran. Drei Gäste aus verschiedenen Fachgebieten standen zur Verfügung: aus dem Sport, dem Tourismus und dem Münchner Immobilienmarkt. Das aufgenommene Videomaterial wurde im Anschluss gezeigt. Für einen Zeitungsjournalisten eine eher ungewöhnliche Situation. Doch das Feedback der Gruppe und des Kursleiters ließ aufatmen: Alle Interviews waren besser als erwartet.
Ebenso lehrreich waren die Kurstage mit Kassian Stroh, Redakteur der Süddeutschen Zeitung. Er zeigte uns, worauf es beim Redigieren ankommt und wie eine perfekte Nachricht aussehen muss. Reporterin Andrea Mertes lehrte uns die Kunst kreativer Kleintexte.

In den Pausen wurde auch Sport gemacht. Hier die Volos Piet Bosse (links) und David Holzapfel. 

Wie digitaler Journalismus im Jahre 2020 funktioniert – und was man dafür können muss, zeigte Sascha Borowski. Der „Chief Digital Editor“ der Allgäuer Zeitung, die ebenfalls zur Hälfte zur Augsburger Mediengruppe Pressedruck gehört, gestaltete einen abwechslungsreichen Kurstag. In zwei Lokalredaktionen aufgeteilt, übten wir unter anderem die mediale Aufbereitung einer Großveranstaltung und eines Unwetters in den Sozialen Medien. Und auch hier zeigte sich: Theorie ist gut, Übung ist besser. Theorie und Praxis kombiniert ist am besten.

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Berlin, Berlin, wir fahren nicht nach Berlin

Das Olympiastadion in Berlin stand nicht auf dem Programm. Vielleicht wäre für die Volontäre Zeit für einen kurzen Abstecher gewesen, doch die Bildungsfahrt findet nicht statt. Foto: Treumann (Archiv)

Ende März hätte die Bildungsfahrt der Volontäre nach Berlin stattfinden sollen. Besuche bei der Deutschen Presse-Agentur, der Bundespressekonferenz und den Berliner Korrespondeten standen auf dem Programm. Doch dann kam Corona.

Vor einigen Wochen saß eine Gruppe von Altvolontären, also die im zweiten Ausbildungsjahr, zusammen und sprach über die für Ende März geplante Bildungsfahrt nach Berlin. Wir warteten auf das Programm und überlegten, wann es wohl losgehen würde. „Ziemlich früh“ meinte einer, „hoffentlich nicht zu früh“, ein anderer. Als wir das Programm einige Tage später bekamen, war klar: Um sieben Uhr geht es los. Verglichen mit der Online-Frühschicht, die um 7 Uhr beginnt, doch gar kein Problem… Was die nur alle haben.

Es waren ganz andere Sorgen, die vor einigen Wochen noch im Land herrschten. Als wir Anfang März die Details zur Berlinfahrt erhielten, gab es nach Angaben des Robert-Koch Instituts 639 Fälle von Infizierten mit Covid-19 in ganz Deutschland. Es gab noch keine Ausgangsbeschränkungen, und Toilettenpapier war noch kein gehamstertes Gut.

Das Coronavirus beeinflusst die Ausbildung an der Günter Holland Journalistenschule

Doch in den darauffolgenden zwei Wochen entwickelte sich hinsichtlich der Ausbreitung des Coronavirus eine unglaubliche Dynamik – zum Vergleich: Am 28. März verzeichnete allein das Bundesland Brandenburg 645 Fälle an Infizierten. Die Weltgesundheitsorganisation hat Covid-19 zur Pandemie erklärt. Betriebe haben geschlossen, Menschenansammlungen sind untersagt, der große Teil unseres Alltags steht unter dem Einfluss des Coronavirus. Und so auch unsere Ausbildung an der Günter Holland Journalistenschule.In der Corona-Zeit berichtet unsere Zeitung über den Redaktionsalltag und den Einfluss von Corona auf die Arbeit. Foto: Treumann

Noch bevor die Ausgangsbeschränkungen in Bayern und Deutschland erlassen wurden, erreichte uns die Nachricht, dass unsere Reise nach Berlin nicht stattfinden wird: Das Kanzleramt, der Bundestag und die Deutsche Presse-Agentur hatten uns zu diesem Zeitpunkt bereits ausgeladen.

Ach Berlin.

Es war ein interessantes Programm, dass unsere Ausbildungsleiterin für uns zusammengestellt hatte:
Eben der Besuch von Deutscher Presse-Agentur, Bundespressekonferenz, Bundeskanzleramt, wir hätten die Korrespondenten unserer Zeitung besucht und und und. Alt- und Jungvolontäre hätten sich noch besser kennenlernen können. Kollegen, die die Fahrt vor einigen Jahren absolviert haben, schwärmten von der Reise. Es wäre sicher eine spannende Fahrt geworden. Wäre, wäre Fahrradkette, wie mancher Fußball-TV-Experte sagen würde.

Redaktionsalltag: Homeoffice, keine Außentermine, Videokonferenzen

Das Coronavirus hat aber auch abgesehen von der ausgefallenen Bildungsfahrt Einfluss auf unsere Ausbildung an der Günter Holland Journalistenschule. Mittlerweile arbeitet der Großteil der Redaktionskollegen im Homeoffice, und der übliche Ressortwechsel ist für die meisten Altvolontäre im April ausgesetzt. Denn vom Homeoffice aus ist ein Wechsel samt Einarbeitung in einen neuen Bereich nicht umsetzbar.

Auch sonst beeinflusst das Coronavirus unsere Arbeit: Außentermine sind kaum mehr möglich, Gesprächspartner sind teilweise nicht mehr zu erreichen. Statt uns mit den Kollegen im Büro zusammenzusetzen, konferieren wir per Video oder Telefon. Da kommt es auch schon mal vor, dass einige Sekunden Stille in der Leitung herrscht, weil keiner den andern unterbrechen will. Situationen, die früher ein Blick gelöst hätte.

All das war vor einigen Wochen noch nicht absehbar, als wir über die Abfahrtszeit nach Berlin diskutierten. Ein Volontariat in der Zeit von Corona – das ist eine Ausbildung unter besonderen Bedingungen.

Im Logbuch der Redaktion berichten die Kollegen von ihren Erfahrungen mit der Corona-Krise und deren Auswirkungen auf den Alltag

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Volontärinnen sprechen auf dem schwäbischen Lehrermedientag

Zwei Volontärinnen erklärten Lehrern beim schwäbischen Lehrermedientag, was Fake News sind und wie sie Schülern im Unterricht helfen können, Fake News zu entlarven. Sie stellten Programme vor, die dabei helfen können, und erzählten von ihrem Alltag als Volontäre der Günter Holland Journalistenschule.

Was sind eigentlich Fake News? Wie unterscheiden sie sich von seriösen Inhalten? Wie kann ich sie entlarven? Und welche Werkzeuge können dabei helfen? Über all diese Fragen habe ich mit meiner Volo-Kollegin Leonie auf dem schwäbischen Lehrermedientag gesprochen. Wir haben dort zusammen einen 90-minütigen Workshop für Lehrer veranstaltet und darin über die Definition, die Gefahren und die Ziele von Fake News gesprochen.

Wir beide hatten schon auf unterschiedliche Art und Weise mit Fake News zu tun. Unter anderem waren wir für die Augsburger Allgemeine beide auf dem TechCamp an der Akademie für politische Bildung in Tutzing, einem dreitägigen Seminar rund um das Thema Fake News und Faktenchecking. Für ein Projekt, das wir dort entwickelt haben, haben wir sogar einen Preis bekommen.  

Volontärinnen erklären, was Fake News sind 

Der Lehrermedientag findet einmal im Jahr statt. 2019 nahmen mehr als 370 Pädagogen aller Schularten aus ganz Schwaben teil. Das Thema der Veranstaltung: Wie digital kann Schule sein und welche Werte gelten in einer digitalen Gesellschaft? In diesem Jahr war der Lehrermedientag erstmals Teil einer dreitägigen Bildungsmesse, EDUswabia 2019, die in Zusammenarbeit mit der Augsburger Allgemeinen ausgerichtet wurde. Lehrer aller Schularten hatten am Berufsschulzentrum Neusäß die Gelegenheit, sich in 50 Workshops mit den neuesten Entwicklungen in der digitalen Welt auseinanderzusetzen.

In unserem Workshop über Fake-News wollten wir den Lehrern zuallererst erklären, was Fake News eigentlich sind. Denn international gibt es verschiedene Definitionen des Begriffs. Wir beziehen uns auf eine Erklärung der Europäischen Kommission: Fake News sind „nachweislich falsche oder irreführende Informationen, die mit dem Ziel des wirtschaftlichen Gewinns oder der vorsätzlichen Täuschung der Öffentlichkeit vorgelegt und verbreitet werden und öffentlichen Schaden anrichten können“.

Wie arbeiten eigentlich Redakteure und Volontäre?

Damit die Lehrer den Unterschied zwischen Fake News und seriös recherchierten Fakten noch besser verstehen, haben wir ihnen deshalb erklärt, wie professionelle Volontäre und Redakteure arbeiten und an welche Qualitätskriterien sie sich halten. Wichtig ist zum Beispiel, dass eine Information immer von mindestens zwei Quellen bestätigt sein sollte. Zudem gilt: Wahrheit ist wichtiger als Aktualität.

Leonie Küthmann (links) und Maria Heinrich auf dem Lehrermedientag. Bild: Ulrich Wagner

Darüber hinaus ging es in dem Fake-News-Workshop auch darum, wie Schüler heutzutage eigentlich Nachrichten konsumieren. Hier konnte Leonie ihr Wissen vom Schülermedientag einbringen, der ebenfalls von der Augsburger Allgemeinen veranstaltet wird und der im Mai stattfand. Sie erklärte den Lehrern, dass Jugendliche sich heutzutage fast ausschließlich in sozialen Netzwerken wie Instagram, Facebook, Snapchat oder WhatsApp bewegen. Sie kommen dort auf unterschiedliche Art und Weise mit Fake News in Berührung. Eine der beliebtesten Apps unter Teenagern ist TikTok, eine Plattform, auf der sie kurze Videoschnipsel posten. Viele Schüler berichteten außerdem, dass sie kaum noch Zeitung lesen und dass sie fast alle Nachrichten aus sozialen Netzwerken beziehen.

Im Gegensatz zu ihren Schüler waren dagegen viele Lehrer in unserem Workshop nur vereinzelt bis gar nicht Mitglieder in sozialen Netzwerken. Doch sie waren neugierig und wollten lernen, wie zum Beispiel Instagram funktioniert und wie sich auf Facebook und Youtube Fake News verbreiten können.

Programme helfen, Fake News im Internet aufzudecken

Besonders groß war bei den Teilnehmer die Nachfrage nach Hilfsmitteln und Tools, die beim Erkennen von Fake News helfen können. Im Internet gibt es zum Beispiel viele hilfreiche Werkezeuge. Eines davon ist die Bilder-Rückwärtssuche. Mithilfe dieser Funktion kann man herausfinden, wo ein Foto bereits überall hochgeladen wurde und wer das Foto ursprünglich verbreitet hat. Eine ähnliche Funktion gibt es auch für Videos.

Wir haben aber auch Programme vorgestellt, die anzeigen, ob und wie ein Foto manipuliert und bearbeitet wurde. Interessant fanden die Teilnehmer außerdem die Webseiten, auf denen alte Internetseiten archiviert werden und die den Webseitenbetreiber ausfindig machen. Solche Programme und Tools lassen sich leicht in den Unterricht einbauen, wenn die sie Schüler selbst ausprobieren und damit Fakten und Fake News überprüfen können.

Die Referentenpässe für den Lehrermedientag. Bild: Maria Heinrich