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Westlich-dekadent in Berlin: eine Ode an die Hauptstadt

Ein unbestrittenes Highlight des Volontariats bei der Augsburger Allgemeinen ist die im Zweijahrestakt stattfindende Berlinfahrt. Immer zwei Volo-Jahrgänge verbringen normalerweise zusammen eine Woche in der Bundeshauptstadt, besichtigen Museen, besuchen so manchen Politiker und widmen die knapp bemessene Freizeit dem lokalen Spirituosen-Angebot. 2020 hätte es wieder so weit sein sollen. Aber wie bereits im Vorfeld befürchtet, […]

Ein unbestrittenes Highlight des Volontariats bei der Augsburger Allgemeinen ist die im Zweijahrestakt stattfindende Berlinfahrt. Immer zwei Volo-Jahrgänge verbringen normalerweise zusammen eine Woche in der Bundeshauptstadt, besichtigen Museen, besuchen so manchen Politiker und widmen die knapp bemessene Freizeit dem lokalen Spirituosen-Angebot.

2020 hätte es wieder so weit sein sollen. Aber wie bereits im Vorfeld befürchtet, konnte die Fahrt Corona-bedingt nicht stattfinden und wurde auf das kommende Jahr verschoben. Und wie durch ein Wunder hat es dann im August 2021 tatsächlich geklappt. Statt 24 waren wir zwar nur zwölf Volontäre und statt fünf waren wir nur vier Tage in Berlin – aber: Wir waren in Berlin!

Tag 1

Um 9 Uhr morgens finden wir uns alle mehr oder weniger fit am Augsburger Hauptbahnhof ein und spekulieren, ob wir für das durchwachsene Wetter richtig gepackt haben (haben wir nicht), bevor der ICE mit kurzer Verspätung eintrifft.

Die knapp fünfstündige Fahrt verbringen wir mit Spielen wie „Stadt, Land, typisch Michi“ und bespaßen das gesamte Abteil mit unseren lustigen Einfällen. Nach der Ankunft am Berliner Bahnhof übernimmt Mit-Volontär Piet die Führung und leitet uns, wie auch in den darauffolgenden Tagen, sicher durch das verwirrende U- und Straßenbahnnetzwerk zu unserem Hotel, wo wir uns immer zu zweit ein Zimmer teilen.

Unsere erste Station nach dem Bezug der Hotelzimmer ist eine Schifffahrt auf der Spree. Bei eiskaltem Wind und stellenweisem Sprühregen genießen wir einen Aperol Spritz und die Aussicht auf das Regierungsviertel. Anschließend verbringen wir den Abend zusammen mit Berlin-Korrespondent Bernhard Junginger im Brauhaus Lemke und testen die Berliner Küche.

Nach einem kurzen Abstecher in einen Späti, ein Berliner Kiosk, der seinen Ursprung interessanterweise in der DDR hat, machen wir uns dann auf den Rückweg ins Hotel, wo wir uns noch in der einzigen Suite (!) zusammenfinden, die zwei unserer Mit-Volos unter verdächtigen Umständen zugeordnet wurde, um in einen Geburtstag hineinzufeiern.

Mit unpassender Kleidung und Aperol Spritz trotzen wir dem nasskalten Berliner Wetter.

Tag 2

Wir stellen fest, dass die vereinbarte Zeit, zu der wir uns vor dem Hotel einfinden sollen, nicht verhandelbar ist. Punkt 8.15 Uhr machen wir uns auf den Weg zur Straßenbahn. Wer zurückbleibt, wird zurückgelassen und hat sich hoffentlich schon die Berliner Nahverkehrsapp heruntergeladen (hatte der Kollege, der seinen Geldbeutel vergessen hat, glücklicherweise schon getan).

Der erste Tagespunkt ist die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, wo wir den Zeitzeugen Reinhard Fuhrmann so lange mit Fragen löchern, bis wir für die Führung durch die Stätte fast keine Zeit mehr haben. Er berichtet beeindruckend bildlich, wie der Alltag als Insasse im Stasi-Gefängnis ausgesehen hat und spart auch nicht mit kleinen Anekdoten und Geschichten – beispielsweise von seiner Zeit als Student, während der er der Stasi bereits durch sein „westlich-dekadentes Auftreten“ (lange Haare und Jeans) ein Dorn im Auge war. Für diese spannende Erfahrung nehmen wir in Kauf, dass die anschließende Mittagspause eher kurz ausfällt und gerade Zeit für eine Semmel lässt.

 

Das ehemalige Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen ist heute eine Gedenkstätte.

Anschließend besichtigen wir das Mauer-Panorama, eine Installation des Künstlers Yadegar Asisi, die einen Panoramablick aus seiner ehemaligen Wohnung in Westberlin auf die Mauer und den Todesstreifen im Osten zeigt. Eine Kaffeepause später versammeln wir uns vor dem Bundesentwicklungsministerium, wo uns Minister Gerd Müller und der Ministeriumssprecher Olaf Deutschbein Rede und Antwort stehen sollen.

Der Minister hat dann leider wegen der Afghanistan-Krise einen Termin bei der Kanzlerin, nimmt sich aber trotzdem Zeit für eine wortreiche Begrüßung, die sein Team mit besorgten Blicken auf die Uhr und hektischen Handzeichen quittiert. Nach einem ausführlichen Bericht über die Arbeit und Aufgaben des Ministeriums von Olaf Deutschbein geht es weiter ins DDR-Museum. Hier erwartet uns eine interaktive Ausstellung, die das Leben in der DDR anschaulich darstellt. Danach gönnen wir uns das wohlverdiente Abendessen. Inzwischen haben wir uns an den immer wiederkehrenden Nieselregen und den beißenden Wind gewöhnt. Die 10000 Schritte sind längst geknackt.

Tag 3

Um 9 Uhr verstecken sich zehn Volontäre und eine Medienakademieleiterin in einer Hofeinfahrt neben dem Hotel, um zwei zu spät Kommende zu schockieren. Der Plan geht auf. Gemeinsam machen wir uns dann auf den Weg zum Bundestag, wo wir eine ausgiebige Führung mit anschließender Fragerunde von der Grünen-Abgeordneten Ekin Deligöz bekommen. Sie spricht überraschend offen und ehrlich mit uns und gibt Einblicke in das berufliche, aber auch das private Leben als Bundestagsabgeordnete. Ab und zu erhaschen wir den ein oder anderen Blick auf ein weiteres deutschlandweit bekanntes Gesicht.

Um zwei zu spät Kommende zu schocken, verstecken sich alle in einer Hofeinfahrt.

Nach einer – heute etwas längeren – Mittagspause haben wir einen Termin im Gebäude der Bundespressekonferenz, die (wer hätte es gewusst?) nicht von Politikern, sondern Journalisten gegründet wurde. Hier unterhalten wir uns mit allen drei AZ-Hauptstadt-Korrespondenten, neben Bernhard Junginger auch Christian Grimm und Stefan Lange, die von ihrem spannenden Alltag mitten im Hotspot der Bundespolitik berichten.

Weil wir mal wieder etwas überziehen, marschieren wir im Anschluss im Stechschritt zum Brandenburger Tor, wo unser geführter Rundgang entlang der ehemaligen Mauer beginnt.  Zwei Stunden folgen wir den Spuren der Berliner Mauer, erfahren viele spannende Fakten über die Stadt und hätten sogar beinahe Annalena Baerbock auf dem Fahrrad gesehen (wenn sich nicht doch noch herausgestellt hätte, dass die einsame Radlerin der Grünen-Kanzlerkandidatin nur frappierend ähnlich sah).

Nach der Führung endet unser Tag mit schmerzenden Füßen zunächst beim Thailänder und dann in einer Bar, wo wir Gott sei Dank von einer gebürtigen Bayerin bedient werden. Wir stellen fest, dass sich das Berliner Bier durchaus trinken lässt. Auch die Cocktails überzeugen. Der Nachhauseweg gestaltet sich dafür etwas schwieriger als gewohnt, aber nachdem wir sowohl das Team Späti als auch die zurückgefallenen Telefonierenden wieder eingesammelt haben, finden wir doch noch einen Bus, der uns zum Hotel zurückbringt.

 

Die Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz führt uns durch das Bundestagsgebäude.

Tag 4

Die langen Gesichter beim Frühstück sprechen Bände. Nach dem Auschecken aus dem Hotel geht es ins Stasi-Museum, wo unter anderem die beinahe James-Bond-mäßigen Abhörmethoden der ehemaligen Staatssicherheitsbehörde gezeigt werden. Auch hier erwartet uns ein Zeitzeuge, ein Berliner Urgestein, der uns sogar die Unterlagen zeigt, die die Stasi über ihn angelegt hat, nachdem er den Wunsch geäußert hatte, in den Westen gehen zu dürfen.

Trotz der wirklich spannenden Geschichten fällt einigen wenigen hier ab und an ein Auge zu… natürlich nur wegen der vielen Fußmärsche in den vergangenen Tagen. Überraschenderweise überziehen wir die geplante Zeit minimal und sind dann relativ zügig unterwegs, um unsere Koffer noch aus dem Hotel zu holen und zum Hauptbahnhof zu kommen, bevor der Zug Richtung Heimat abfährt.

Wir schaffen es sogar noch, uns Proviant zu besorgen, bevor wir, etwas schweigsamer als auf der Hinfahrt, die Rückreise antreten. Mit kaum nennenswerter Verspätung erreichen wir am Abend dann den Augsburger Hauptbahnhof.

Nach den vielen Eindrücken und strammen Märschen dürften die meisten recht früh ins Bett gegangen sein. Trotzdem: Dass wir nach einem Jahr wie 2020/21 doch noch alle zusammen nach Berlin fahren würden, haben wir eigentlich schon gar nicht mehr erwartet. Und neben den sehr spannenden Terminen war es auch einfach schön, wieder unter Menschen zu sein und etwas Neues zu erleben. Denn das gab es jetzt schon viel zu lange nicht mehr.

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Traum-Termin für tierliebe Volontäre

Ja, wir arbeiten viel. Schreiben, fotografieren, filmen, posten, redigieren, Seiten bauen, Interviews führen, Seminare besuchen. Kein Tag ist wie der nächste und kein Termin gleicht dem anderen. Und wenn man ehrlich ist, gibt es Termine, die schöner sind als andere. Und bei mir persönlich sind das alle Termine, die irgendwie mit Tieren – speziell mit […]

Ja, wir arbeiten viel. Schreiben, fotografieren, filmen, posten, redigieren, Seiten bauen, Interviews führen, Seminare besuchen. Kein Tag ist wie der nächste und kein Termin gleicht dem anderen. Und wenn man ehrlich ist, gibt es Termine, die schöner sind als andere. Und bei mir persönlich sind das alle Termine, die irgendwie mit Tieren – speziell mit Pferden – zu tun haben. In meiner Zeit an der Günter Holland Journalistenschule hatte ich schon Termine auf diversen Bauernhöfen, auf einer Freilandfarm für Hühner und bei einer Rehaklinik für Pferde. Dass ich gerade in letzterem Fall diese Treffen mit den Interviewpartnern immer für Frühjahr geplant habe, ist natürlich reiner Zufall. Es liegt auf keinen Fall daran, dass im Frühjahr Fohlenzeit ist …

Volontäre der Günter Holland Journalistenschule machen auf Terminen oft auch tierische Bekanntschaften

Journalismus macht noch mehr Spaß, wenn Pferde involviert sind. Foto: Ulrich Wagner

Eines der schönsten Erlebnisse für die Volontärin der Augsburger Allgemeinen: das Fohlen Elliot kennenlernen

 

Als Volontärin macht man immer neue Bekanntschaften. Der kleine Elliot war definitiv eine der süßesten! Foto: Johanna Oswald