Anika Zidar

...ist Oberbayerin, auch wenn ihr das selbst in der Heimatstadt nicht viele glauben. Von einem breiten Ingolstädter Oberbayerisch ist keine Spur, stattdessen spricht sie ein Hochdeutsch mit den westdeutschen Einflüssen ihrer Großeltern aus dem Ruhrgebiet. 1993 ist sie in Ingolstadt geboren und dort aufgewachsen, in Eichstätt hat sie Journalistik und Lateinamerikastudien studiert. Ein halbes Jahr lang lebte sie während des Studiums in Chile. In ihrer Freizeit ist die Journalistin viel unterwegs und entdeckt gerne neue Orte. An der Günther-Holland-Journalistenschule in Augsburg absolviert Anika Zidar eine zweijährige Ausbildung zur Redakteurin. Bis Januar war sie noch für die Mindelheimer Zeitung im Unterallgäu im Einsatz, seit Februar unterstützt sie die Mantelressorts in Augsburg.

Nach Redaktionsschluss

Ein Sommernachts-Grillen unter Volontären

Kein Sommer ohne Grillpartys – und was wären wir für ein Volontärs-Jahrgang, wenn wir nicht ein kleines Barbecue organisiert bekämen. Zumal wir in unserem zweiten Ausbildungsjahr alle im Raum Augsburg wohnen und arbeiten. Da könnten wir die Sommernacht ohne Gedanken an weite Heimfahrten und den nächsten Arbeitstag bei ein paar Radlern und leckerem Essen genießen. Oder?

Kein Sommer ohne Grillpartys – und was wären wir für ein Volontärs-Jahrgang, wenn wir nicht ein kleines Barbecue organisiert bekämen. Zumal wir in unserem zweiten Ausbildungsjahr alle im Raum Augsburg wohnen und arbeiten. Da könnten wir die Sommernacht ohne Gedanken an weite Heimfahrten und den nächsten Arbeitstag bei ein paar Radlern und leckerem Essen genießen. Oder?

Die Organisation des Grillabends hat es in sich. Wie viel Fleisch muss pro Volo eingekauft werden? Wer macht welchen Salat? Und vor allem: Wie viele von uns zwölf sind überhaupt dabei? Manche Frage bleibt für Gastgeberin Ida auch ein paar Stunden vor dem geplanten Volo-Grillen noch unbeantwortet. Dabei ist die organisationserfahrene Altvolontärin, die bereits die Weihnachtsfeier der Volos geplant hat, zweifelsohne die Bestbesetzung für die Koordination solcher Ereignisse.

Organisiert wird bei Ida immer mit viel Vorlauf, aber genügend Flexibilität und Spontaneität für Last-Minute-Ideen und Engagement ihrer Kollegen. Die meisten von ihnen sind nämlich erst am Vortag auf die Idee gekommen, Ida zu fragen, ob sie etwas mitbringen dürfen. Aber die Gastgeberin bleibt entspannt. Ohne Aufregung nimmt sie zur Kenntnis, dass zwei versprochene Salate erst verspätet auf ihrer Terrasse ankommen und ein anderer gar nicht mehr.

Denn Ida hat vorgesorgt: Mit einem Nudel- und einem Kartoffelsalat, vier verschiedenen Sorten Fleisch und Grillkäse sowie Bier, Radler und Säften empfängt sie ihre Gäste, noch bevor die Insalata Caprese, der Gurken-Feta-Salat, das Couscous oder das Fladenbrot eintreffen.

Nach dem Essen ziehen Gastgeberin und Gäste von den Bierbänken im Hof in den Garten um, wo uns eine gemütliche Sitzecke und ein gar nicht allzu kleiner Swimming Pool erwarten. Zu schade, dass Ida bei der Einladung nichts von Bikini und Badehose erwähnt hat. Nackt traut sich nämlich auch in der Dunkelheit niemand, in den Pool zu springen. Umso besser laufen dafür die Gespräche.

Ob unser Volo-Jahrgang ein so üppiges Sommernachts-Grillen auch ohne Ida auf die Beine gestellt hätte, darüber lässt sich spekulieren. Wahrscheinlich hätte es allein an einem Gastgeber gefehlt, der sein beneidenswertes Zuhause einen Abend lang teilt.

Fliegendes Klassenzimmer

Wenn der Lokalredakteur mit dem Bürgermeister…

Der Mindelheimer Redaktionsleiter Johann Stoll (Mitte) und Günzburgs Oberbürgermeister Gerhard Jauernig (rechts) haben am Volontärstag mit Volontären über Kommunalpolitik diskutiert. Foto: Anika Zidar

Geburt, Kindergarten, Schule, Autozulassung, Hausbau und Geschäftseröffnung – fast alle Ereignisse, die im Leben auf uns zukommen, haben mit (Kommunal-)Politik zu tun. Wer als Lokaljournalist gute Geschichten erzählen will, kommt an Politikern nicht vorbei. Doch wie kommt man mit ihnen am besten zurecht?

Geburt, Kindergarten, Schule, Autozulassung, Hausbau und Geschäftseröffnung – fast alle Ereignisse, die im Leben auf uns zukommen, haben mit (Kommunal-)Politik zu tun. Die Kommune regelt, wie wir zusammenleben. Und das bis über den Tod hinaus, etwa wenn man an Friedhofsordnungen denkt. Wer als Lokaljournalist gute Geschichten über lebensnahe Themen erzählen will, kommt an Politikern nicht vorbei. Doch wie kommt man mit ihnen am besten zurecht?

Das haben wir Volontäre in einem Kommunalpolitik-Seminar mit Johann Stoll, dem Redaktionsleiter der Mindelheimer Zeitung und Gerhard Jauernig, dem Oberbürgermeister von Günzburg, diskutiert. Die fünf Punkte mit dem höchsten Konfliktpotenzial knapp zusammengefasst:

Informationsfluss: Journalisten wünschen sich von Kommunalpolitikern eine gute Erreichbarkeit und Zugang zu möglichst vielen Informationen. Am liebsten möchten sie Unterlagen vor Sitzungsbeginn und freuen sich über einen Rückruf, wenn Gesprächspartner nicht zu erreichen sind. Doch tatsächlich funktioniert es mit einer Anfrage in vielen Fällen nicht direkt beim Politiker, sondern er verweist an seine Pressestelle. „Wir haben gelernt, dass Botschaften kanalisiert werden müssen. Deshalb gehen Pressemitteilungen zentral über eine Stelle an die Medien raus“, erklärt Günzburgs Oberbürgermeister Gerhard Jauernig. Der Mindelheimer Redaktionsleiter Johann Stoll kontert: „Aus Ihrer Sicht verstehe ich das, aus unserer Sicht ist das manchmal wenig praktikabel.“ Als Lokalredakteur möchte er lieber mit Experten und Entscheidungsträgern direkt sprechen, sagt er: „Wenn es um den Haushalt geht, rede ich doch lieber mit dem Kämmerer direkt.“

Themensetzung: Nicht nur Journalisten setzen die Themen der Berichterstattung, auch Kommunalpolitiker kommunizieren von sich aus und beeinflussen damit die Nachrichtenlage. Günzburgs Oberbürgermeister Gerhard Jauernig sagt: „Ich nutze gezielt nachrichtenarme Zeiten, um Themen, die mir am Herzen liegen, in die Berichterstattung einzubringen.“ Einfach nur Themen zu besetzen, um von anderen abzulenken, ist für den Kommunalpolitiker kein Thema, sagt er. Aber: „Bewusst Themen zu spielen, ist wichtig. Gerade bei emotionalen Themen wie in der Flüchtlingsdebatte müssen wir uns nicht nur auf Nachfrage, sondern auch von uns aus äußern.“ Aber auch die Themen, die von der Lokalredaktion selbst aufgegriffen werden, schätzt Günzburgs Oberbürgermeister als Inspiration oder Handlungsanweisung: „Manchmal lese ich Kommentare zu Themen, die ich selbst noch gar nicht so wahrgenommen habe.“

Bildberichterstattung: Ob Richtfest, Spatenstich oder Straßeneröffnung: Bei feierlichen Anlässen stellen sich viele Kommunalpolitiker gern in einer Gruppe zusammen und erwarten, dass ein Foto davon tags darauf in der Lokalzeitung abgebildet ist. Gerhard Jauernig sagt: „Mir ist aufgefallen, dass die Bildberichterstattung sich geändert hat. Früher gab es mehr Gruppenfotos …“ Hin und wieder ärgere er sich, weil er selbst nicht mehr so oft in der Zeitung zu sehen sei, sagt er. „Aber ich verstehe auch, dass die Zeitung sich an den Interessen der Leser ausrichtet, die nicht andauernd Gruppenbilder sehen wollen.“

Krisenmanagement: Wenn Lokalredakteure und Kommunalpolitiker sich missverstehen, kann das schnell zu Konflikten führen. Schließlich sind alle nur Menschen, Fehler können in Rathäusern und Redaktionen einfach passieren. Dann geht es darum, als Journalist professionell über Unangenehmes zu sprechen und sich nicht wegzuducken, findet Jauernig: „Was ich nie gemacht habe, ist, mich bei den Chefs zu beschweren. Wenn ich mich fehlinterpretiert fühle, rufe ich lieber direkt bei den Redakteuren an.“ Wer auch ohne Konflikt Respekt und professionelle Distanz hält, hat es aus der Sicht des Oberbürgermeisters leichter im Umgang mit Lokalpolitikern.

Vertraulichkeit: Wie eng der Austausch zwischen Kommunalpolitikern und Lokaljournalisten ist, hängt meist vom Einzelfall ab. „Zu viel Nähe und Vertraulichkeit kann auch schaden. Denn dann besteht die Gefahr, dass Lokaljournalisten heikle Themen gar nicht mehr aufgreifen“, warnt der Mindelheimer Redaktionsleiter Johann Stoll. Günzburgs Oberbürgermeister Gerhard Jauernig dagegen sagt, zu langjährigen Lokalredakteuren habe er eine Art Vertrauensverhältnis aufgebaut. „Das Problem ist nur: Denen kann ich nichts mehr vormachen.“  Denn erfahrene Lokalredakteure haben ihr ganz eigenes Netz an Informanten aufgebaut. Wer dagegen neu in einer Redaktion ist, geht seiner Einschätzung nach aggressiver und unbefangener mit den Themen um.

Jeden Tag ein Abenteuer

Nicht nur über Sport schreiben…

Als Volontärin der Sportredaktion selbst im Einsatz: Anika Zidar beim Unterwasser-Rugby. Foto: Thorsten Franzisi

Von großen Abenteuern unbehelligt hatte ich gerade drei Tage in der Sportredaktion verbracht, als die Kollegin aus dem Regionalsport mit der ganz großen Überraschung auf mich zukam. „Für dich habe ich eine tolle Geschichte aufgetrieben“, frohlockte sie: „Du darfst in drei Sportarten selbst ran: Unterwasserrugby, Flagfootball und Bahnradfahren!“

Von großen Abenteuern unbehelligt hatte ich gerade drei Tage in der Sportredaktion verbracht, als die Kollegin aus dem Regionalsport mit der ganz großen Überraschung auf mich zukam. „Für dich habe ich eine tolle Geschichte aufgetrieben“, frohlockte sie: „Du darfst in drei Sportarten selbst ran: Unterwasserrugby, Flagfootball und Bahnradfahren!“

Vom Bahnradfahren hatte ich zumindest gehört. Drahtige Sportler auf Rädern mit schmalen Reifen, die rasend schnell und immer im Kreis durch Steilkurven zischen. Eben Sechs-Tage-Rennen und so. Doch von Unterwasserrugby und Flagfootball fehlte mir jegliche Vorstellungskraft.

Etwas skeptisch muss ich wohl dreingeblickt haben, denn eilig schob die Kollegin hinterher: „Du schnupperst einfach mal rein und beschreibst, wie es dir ergangen ist. Traust du dir das zu?“

Was hätte ich in diesem Moment alles sagen können? „Naja, also allzu sportlich bin ich nicht mehr.“ „Oje, also das Wasser ist ja eigentlich nicht mein Lieblings-Bewegungsraum.“ Oder: „Ach weißt du: Selbstversuch-Reportagen sind überhaupt nicht mein Ding.“

Aber ich sagte: „Na klar, probiere ich!“

Zugegeben: Meine aktive Zeit in der Leichtathletik liegt mehr als nur eine Weile zurück. Seit sechs Jahren mache ich hauptsächlich dann Sport, wenn es sich mal spontan ergibt. Für völlig unsportlich halte ich mich aber auch nicht, die grundlegenden Bewegungsabläufe dürften irgendwie noch stimmen.

Und trotzdem habe ich auf dem Weg nach Haunstetten ins Hallenbad einen Heidenrespekt. Mein erster Selbstversuch überhaupt beginnt mit der furchteinflößendsten der drei Disziplinen.

Gegen die Aufregung vor dem Unterwasserrugby können auch die wohlmeinenden Aufmunterungsversuche der Volontärskollegen nichts mehr ausrichten: „Wow, solche Geschichten machst du später als Redakteurin bestimmt nicht mehr! Genieß es und viel Spaß!“

Sie haben gut reden: Während sie sich nach Redaktionsschluss gemütlich auf ein Bier treffen, kämpfe ich mit Schnorchel, Tauchmaske und Flossen im dreidimensionalen Raum gegen die Schwerkraft, meine Gegner und meine Orientierungslosigkeit – und um die Kugel.

Wie es mir im Unterwasserrugby und in den beiden anderen Disziplinen ergangen ist, erzähle ich in diesem Artikel: Auf der Suche nach dem Traumsport