Julia Sewerin



Jeden Tag ein Abenteuer

Vom Versuch, den amerikanischen Präsidenten zu sehen

Markus Söder bläst zur Attacke. Foto: dpa

Als Volontärin im Berliner Korrespondentenbüro zu sein, wenn der scheidende amerikanische Präsident Barack Obama die Hauptstadt besucht – „Jackpot“, dachte ich mir. Zumal ich auf dem Weg ins Büro an dem Hotel am Pariser Platz vorbeilaufe, in dem Barack Obama von Mittwoch bis Freitag vergangener Woche wohnte.

Als Volontärin im Berliner Korrespondentenbüro zu sein, wenn der scheidende amerikanische Präsident Barack Obama die Hauptstadt besucht – „Jackpot“, dachte ich mir. Zumal ich auf dem Weg ins Büro an dem Hotel am Pariser Platz vorbeilaufe, in dem Barack Obama von Mittwoch bis Freitag vergangener Woche wohnte.
Am Dienstag geht der Trubel los: Polizisten verschweißen die Gullideckel. Die Berliner Zeitungen veröffentlichen einen von der Polizei erstellten Plan mit den vorgesehenen Absperrungen.  Fast das gesamte Regierungsviertel ist rot markiert. Das können Passanten auch den Plänen entnehmen, die an sämtlichen Straßenlaternen provisorisch mit Kabelbindern befestigt sind.

 
Am Mittwochmorgen passiere ich als Fußgängerin problemlos die Absperrungen, die meist schwer bewaffneten Polizisten halten nur die Fahrradfahrer auf, Autofahrer müssen die rote Zone ganz meiden. Am besagten Hotel bleibe ich stehen, zücke mein Handy und richte es auf das Gebäude. Sofort spüre ich jemanden hinter mir. Ich drehe mich um, zwei Polizisten lächeln mich an, sagen aber nichts. Ich lächle zurück und gehe weiter Richtung Büro. Ich freue mich auf 18 Uhr. Dann soll der Präsident vorfahren. „Und ich werde da sein!“ – denke ich mir.

Auch mit Presseausweis gibt es kein Durchkommen

Kurz vor 18 Uhr eile ich vorfreudig aus dem Büro Richtung Pariser Platz – vorbei an unzähligen normalen Polizeifahrzeugen und Polizeibussen, deren Frontscheiben teilweise vergittert sind. Als mich nur noch ein Häuserblock vom Hotel trennt, laufe ich gegen einen starken Arm. „Hier geht es nicht weiter“, erklärt mir der freundliche Polizist, dem der starke Arm gehört. Erst jetzt realisiere ich auch seinen Kollegen, der gerade versucht, verärgerten Touristen auf Englisch klarzumachen, dass sie das Brandenburger Tor jetzt nicht sehen können.
„Kann ich mit Presseausweis durch?“, frage ich noch hoffnungsvoll. „Haben Sie denn eine Akkreditierung?“, will der Polizist wissen. Nein. Die habe ich nicht. Als Volontärin konnte ich mich nicht akkreditieren lassen. Die Plätze seien einfach zu begehrt. Ich wechsle die Straßenseite und laufe einen Bogen, um nach Hause zu kommen.

 
Ich bin enttäuscht, habe aber noch eine Chance: Am Donnerstag treffen sich Obama und Angela Merkel im Kanzleramt. Ich hoffe, wenigstens „The Beast“ zu sehen, die berühmte Limousine des amerikanischen Präsidenten. Um 15 Uhr soll er vorfahren. Aus welcher Richtung Barack Obama kommt, ist nicht bekannt. Die Chancen stehen aber gut, dass er am Gebäude der Bundespressekonferenz, dem Sitz unseres Korrespondentenbüros, vorbeifährt.

Polizeihubschrauber kreisen am Himmel

Pünktlich laufe ich aus dem Gebäude, in diesem Moment rast eine Kolonne aus Polizeimotorrädern und –fahrzeugen mit Blaulicht direkt an mit vorbei –  nur in die falsche  Richtung. „The Beast“ ist nicht dabei. Ich bleibe noch eine halbe Stunde an der Brücke stehen, die zum Kanzleramt führt und natürlich auch gesperrt ist. Zwei Polizeihubschrauber ziehen ihre Kreise. Die Warnwesten der Scharfschützen, die auf den Dächern der umliegenden Gebäude bereit stehen, blitzen immer wieder auf.

Die Fahrzeugkolonne von US-Präsident Barack Obama vor dem Bundeskanzleramt in Berlin. (dpa)

Doch es passiert nichts mehr, ich gehe zurück ins Büro. Im kleinen Fernseher, der auf dem Tisch der Sekretärin steht, sehe ich „The Beast“. Es steht vor dem Kanzleramt. Jetzt ist sicher: Ich habe die Ankunft verpasst. Der Präsident reist, die Polizisten ziehen wieder ab. Der Trubel ist vorbei. Das Einzige, was bleibt, sind die verschweißten Gullideckel.

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Jeden Tag ein Abenteuer

Einsatz für die Kartei der Not

Dass sich Menschen an einem Weihnachtsmarkt so lange anstellen, kennen die Markthändler nicht. Unser Geheimnis sind aber nicht unsere hinreißenden Kostüme, die wir extra für den Markt besorgt haben – sondern die Kartei der Not.

Bevor es losgeht, verstecken meine Kollegin und ich uns hinter dem Häuschen, das für die Donau-Zeitung am Weihnachtsmarkt in Dillingen reserviert ist. Wir wollen nicht, dass die Marktbesucher unsere Kostüme zu früh sehen. Punkt  14 Uhr betreten wir die Hütte. Vor uns: etwa 30 Menschen, die teilweise seit einer halben Stunde nur auf uns warten. Warum? Wir verkaufen Plätzchen. Alle Zuckerbäckerinnen, viele Landfrauen, Berufsschüler und ein Bäcker haben auf unseren Wunsch hin Plätzchen und Stollen gebacken – auch Lebkuchenhäuschen haben wir im Angebot.

Etwa 30 Minuten später sind die gut 150 Tüten Plätzchen ausverkauft. Die Franziskanerschwestern, mit denen wir uns den Stand teilen, schauen uns mit großen Augen an. Und auch die Standbetreiber gegenüber sind überrascht: Dass sich Menschen an einem Weihnachtsmarkt so lange anstellen, kennen die Markthändler nicht. Unser Geheimnis sind aber nicht unsere hinreißenden Kostüme, die wir extra für den Markt besorgt haben – sondern die Kartei der Not.

Die Kartei der Not ist das Leserhilfswerk der Augsburger Allgemeinen. Hört sich im ersten Moment nicht so an, als würde es die Volontäre direkt betreffen. Doch viele Unternehmen, Vereine und Leser spenden das ganze Jahr über – und besonders zu Weihnachten – Geld an die Kartei. So verkaufen manche Redaktionen Plätzchen am örtlichen Weihnachtsmarkt. Natürlich alles für den guten Zweck. Die Spenden kommen ganzjährig unverschuldet in Not geratenen Menschen aus der Region zugute.

Und dieser gute Zweck zieht auch die vielen Käufer an. Da die Kartei der Not ein regionales Hilfswerk ist, wissen die Menschen, was mit ihrem Geld passiert und beteiligen sich gerne.

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Kisten stapeln im Auto der Kollegin.

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Die netten Frauen in Rot – im Einsatz für die Kartei der Not. Simone Bronnhuber (meine Volo-Betreuerin) und ich.

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20 Lebkuchenhäuschen haben die Schüler der Berufsschule Höchstädt für uns gebacken.

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Oberbürgermeister Frank Kunz (rechts) und Sohn Lucas ließen es sich nicht nehmen, beim Verkauf zu helfen. Auch Redaktionsleiter Berthold Veh (Mitte) durfte mit in die Hütte.

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