Lara Schmidler

Lara Schmidler, 1994 in Weißenburg geboren, wächst in einem kleinen fränkischen Städtchen auf. Bereits an ihrem ersten Schultag glänzt sie mit der Aussage: „Ich kann eigentlich schon alles“. Entsprechendes Selbstbewusstsein legt sie bei der Frage nach ihrem Traumberuf in sämtlichen Freundschaftsalben an den Tag: Bestsellerautorin oder Sängerin. Letzteres schließt sie nach acht Jahren am musischen Gymnasium aber doch lieber aus. Nach einer turbulenten Studienkarriere verschlägt es die Mittelfränkin schließlich ins feindliche Schwabenland, wo sie ihre Leidenschaft, das Schreiben, in der Lokalredaktion Günzburg ausleben darf.

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Westlich-dekadent in Berlin: eine Ode an die Hauptstadt

Ein unbestrittenes Highlight des Volontariats bei der Augsburger Allgemeinen ist die im Zweijahrestakt stattfindende Berlinfahrt. Immer zwei Volo-Jahrgänge verbringen normalerweise zusammen eine Woche in der Bundeshauptstadt, besichtigen Museen, besuchen so manchen Politiker und widmen die knapp bemessene Freizeit dem lokalen Spirituosen-Angebot. 2020 hätte es wieder so weit sein sollen. Aber wie bereits im Vorfeld befürchtet, […]

Ein unbestrittenes Highlight des Volontariats bei der Augsburger Allgemeinen ist die im Zweijahrestakt stattfindende Berlinfahrt. Immer zwei Volo-Jahrgänge verbringen normalerweise zusammen eine Woche in der Bundeshauptstadt, besichtigen Museen, besuchen so manchen Politiker und widmen die knapp bemessene Freizeit dem lokalen Spirituosen-Angebot.

2020 hätte es wieder so weit sein sollen. Aber wie bereits im Vorfeld befürchtet, konnte die Fahrt Corona-bedingt nicht stattfinden und wurde auf das kommende Jahr verschoben. Und wie durch ein Wunder hat es dann im August 2021 tatsächlich geklappt. Statt 24 waren wir zwar nur zwölf Volontäre und statt fünf waren wir nur vier Tage in Berlin – aber: Wir waren in Berlin!

Tag 1

Um 9 Uhr morgens finden wir uns alle mehr oder weniger fit am Augsburger Hauptbahnhof ein und spekulieren, ob wir für das durchwachsene Wetter richtig gepackt haben (haben wir nicht), bevor der ICE mit kurzer Verspätung eintrifft.

Die knapp fünfstündige Fahrt verbringen wir mit Spielen wie „Stadt, Land, typisch Michi“ und bespaßen das gesamte Abteil mit unseren lustigen Einfällen. Nach der Ankunft am Berliner Bahnhof übernimmt Mit-Volontär Piet die Führung und leitet uns, wie auch in den darauffolgenden Tagen, sicher durch das verwirrende U- und Straßenbahnnetzwerk zu unserem Hotel, wo wir uns immer zu zweit ein Zimmer teilen.

Unsere erste Station nach dem Bezug der Hotelzimmer ist eine Schifffahrt auf der Spree. Bei eiskaltem Wind und stellenweisem Sprühregen genießen wir einen Aperol Spritz und die Aussicht auf das Regierungsviertel. Anschließend verbringen wir den Abend zusammen mit Berlin-Korrespondent Bernhard Junginger im Brauhaus Lemke und testen die Berliner Küche.

Nach einem kurzen Abstecher in einen Späti, ein Berliner Kiosk, der seinen Ursprung interessanterweise in der DDR hat, machen wir uns dann auf den Rückweg ins Hotel, wo wir uns noch in der einzigen Suite (!) zusammenfinden, die zwei unserer Mit-Volos unter verdächtigen Umständen zugeordnet wurde, um in einen Geburtstag hineinzufeiern.

Mit unpassender Kleidung und Aperol Spritz trotzen wir dem nasskalten Berliner Wetter.

Tag 2

Wir stellen fest, dass die vereinbarte Zeit, zu der wir uns vor dem Hotel einfinden sollen, nicht verhandelbar ist. Punkt 8.15 Uhr machen wir uns auf den Weg zur Straßenbahn. Wer zurückbleibt, wird zurückgelassen und hat sich hoffentlich schon die Berliner Nahverkehrsapp heruntergeladen (hatte der Kollege, der seinen Geldbeutel vergessen hat, glücklicherweise schon getan).

Der erste Tagespunkt ist die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, wo wir den Zeitzeugen Reinhard Fuhrmann so lange mit Fragen löchern, bis wir für die Führung durch die Stätte fast keine Zeit mehr haben. Er berichtet beeindruckend bildlich, wie der Alltag als Insasse im Stasi-Gefängnis ausgesehen hat und spart auch nicht mit kleinen Anekdoten und Geschichten – beispielsweise von seiner Zeit als Student, während der er der Stasi bereits durch sein „westlich-dekadentes Auftreten“ (lange Haare und Jeans) ein Dorn im Auge war. Für diese spannende Erfahrung nehmen wir in Kauf, dass die anschließende Mittagspause eher kurz ausfällt und gerade Zeit für eine Semmel lässt.

 

Das ehemalige Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen ist heute eine Gedenkstätte.

Anschließend besichtigen wir das Mauer-Panorama, eine Installation des Künstlers Yadegar Asisi, die einen Panoramablick aus seiner ehemaligen Wohnung in Westberlin auf die Mauer und den Todesstreifen im Osten zeigt. Eine Kaffeepause später versammeln wir uns vor dem Bundesentwicklungsministerium, wo uns Minister Gerd Müller und der Ministeriumssprecher Olaf Deutschbein Rede und Antwort stehen sollen.

Der Minister hat dann leider wegen der Afghanistan-Krise einen Termin bei der Kanzlerin, nimmt sich aber trotzdem Zeit für eine wortreiche Begrüßung, die sein Team mit besorgten Blicken auf die Uhr und hektischen Handzeichen quittiert. Nach einem ausführlichen Bericht über die Arbeit und Aufgaben des Ministeriums von Olaf Deutschbein geht es weiter ins DDR-Museum. Hier erwartet uns eine interaktive Ausstellung, die das Leben in der DDR anschaulich darstellt. Danach gönnen wir uns das wohlverdiente Abendessen. Inzwischen haben wir uns an den immer wiederkehrenden Nieselregen und den beißenden Wind gewöhnt. Die 10000 Schritte sind längst geknackt.

Tag 3

Um 9 Uhr verstecken sich zehn Volontäre und eine Medienakademieleiterin in einer Hofeinfahrt neben dem Hotel, um zwei zu spät Kommende zu schockieren. Der Plan geht auf. Gemeinsam machen wir uns dann auf den Weg zum Bundestag, wo wir eine ausgiebige Führung mit anschließender Fragerunde von der Grünen-Abgeordneten Ekin Deligöz bekommen. Sie spricht überraschend offen und ehrlich mit uns und gibt Einblicke in das berufliche, aber auch das private Leben als Bundestagsabgeordnete. Ab und zu erhaschen wir den ein oder anderen Blick auf ein weiteres deutschlandweit bekanntes Gesicht.

Um zwei zu spät Kommende zu schocken, verstecken sich alle in einer Hofeinfahrt.

Nach einer – heute etwas längeren – Mittagspause haben wir einen Termin im Gebäude der Bundespressekonferenz, die (wer hätte es gewusst?) nicht von Politikern, sondern Journalisten gegründet wurde. Hier unterhalten wir uns mit allen drei AZ-Hauptstadt-Korrespondenten, neben Bernhard Junginger auch Christian Grimm und Stefan Lange, die von ihrem spannenden Alltag mitten im Hotspot der Bundespolitik berichten.

Weil wir mal wieder etwas überziehen, marschieren wir im Anschluss im Stechschritt zum Brandenburger Tor, wo unser geführter Rundgang entlang der ehemaligen Mauer beginnt.  Zwei Stunden folgen wir den Spuren der Berliner Mauer, erfahren viele spannende Fakten über die Stadt und hätten sogar beinahe Annalena Baerbock auf dem Fahrrad gesehen (wenn sich nicht doch noch herausgestellt hätte, dass die einsame Radlerin der Grünen-Kanzlerkandidatin nur frappierend ähnlich sah).

Nach der Führung endet unser Tag mit schmerzenden Füßen zunächst beim Thailänder und dann in einer Bar, wo wir Gott sei Dank von einer gebürtigen Bayerin bedient werden. Wir stellen fest, dass sich das Berliner Bier durchaus trinken lässt. Auch die Cocktails überzeugen. Der Nachhauseweg gestaltet sich dafür etwas schwieriger als gewohnt, aber nachdem wir sowohl das Team Späti als auch die zurückgefallenen Telefonierenden wieder eingesammelt haben, finden wir doch noch einen Bus, der uns zum Hotel zurückbringt.

 

Die Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz führt uns durch das Bundestagsgebäude.

Tag 4

Die langen Gesichter beim Frühstück sprechen Bände. Nach dem Auschecken aus dem Hotel geht es ins Stasi-Museum, wo unter anderem die beinahe James-Bond-mäßigen Abhörmethoden der ehemaligen Staatssicherheitsbehörde gezeigt werden. Auch hier erwartet uns ein Zeitzeuge, ein Berliner Urgestein, der uns sogar die Unterlagen zeigt, die die Stasi über ihn angelegt hat, nachdem er den Wunsch geäußert hatte, in den Westen gehen zu dürfen.

Trotz der wirklich spannenden Geschichten fällt einigen wenigen hier ab und an ein Auge zu… natürlich nur wegen der vielen Fußmärsche in den vergangenen Tagen. Überraschenderweise überziehen wir die geplante Zeit minimal und sind dann relativ zügig unterwegs, um unsere Koffer noch aus dem Hotel zu holen und zum Hauptbahnhof zu kommen, bevor der Zug Richtung Heimat abfährt.

Wir schaffen es sogar noch, uns Proviant zu besorgen, bevor wir, etwas schweigsamer als auf der Hinfahrt, die Rückreise antreten. Mit kaum nennenswerter Verspätung erreichen wir am Abend dann den Augsburger Hauptbahnhof.

Nach den vielen Eindrücken und strammen Märschen dürften die meisten recht früh ins Bett gegangen sein. Trotzdem: Dass wir nach einem Jahr wie 2020/21 doch noch alle zusammen nach Berlin fahren würden, haben wir eigentlich schon gar nicht mehr erwartet. Und neben den sehr spannenden Terminen war es auch einfach schön, wieder unter Menschen zu sein und etwas Neues zu erleben. Denn das gab es jetzt schon viel zu lange nicht mehr.

Nach Redaktionsschluss

Endgegner Maske: Corona-Maßnahmen auf Italienisch

Volontärin Lara Schmidler von der Günter Holland Journalistenschule hat sich seit Jahresbeginn auf ihren Sommerurlaub in Italien gefreut. Zwischenzeitlich standen die Zeichen coronabedingt aber eher auf Absage. Letztlich konnte sie doch verreisen und tolle Erfahrungen sammeln. Sie berichtet auch darüber, wie die Italiener mit der Krise umgehen, die sie bisher so schwer gebeutelt hat.

Sonne, Meer und Gelato – so hatte ich mir meinen Sommerurlaub noch im Januar vorgestellt. Dann kam Corona, die Grenzen waren dicht und an Ferien im Süden war erst mal nicht zu denken. Nicht im Traum hätte ich geahnt, dass ich nur wenige Wochen später mit einem geliehenen Roller durch die Küstenorte von Ischia knattern, Pompeji besichtigen oder den Vesuv besteigen würde. Doch tatsächlich war ich zwei Wochen in Kampanien unterwegs und habe wirklich viele Erfahrungen gesammelt. Nicht zuletzt darüber, wie die Italiener mit der Pandemie umgehen.

Die erste Auffälligkeit in Bezug auf die Hygieneregeln ergab sich dann allerdings nicht in Italien, sondern in Deutschland, und zwar auf dem Weg zum Flughafen. Um die Kosten für einen Parkplatz in Stuttgart zu sparen, nahmen wir nämlich den Flixbus – und mussten uns sehr wundern. Abstand? Fehlanzeige. Nicht nur jede Reihe war besetzt, teilweise mussten Fremde Arm an Arm nebeneinander sitzen, und die Masken nahmen viele ab, sobald der Bus losgefahren war. Anders lief es dann im Flugzeug ab. Zwar waren auch hier fast alle Plätze besetzt, doch die Stewardessen achteten penibel auf die Einhaltung der Maskenpflicht.

Dass das mit dem Maskentragen in Italien allerdings gar nicht so einfach werden würde, wie wir gedacht hatten, bemerkten wir erst, als wir das Flughafengebäude in Neapel verließen. Denn es war heiß. Wirklich sehr, sehr heiß. Und es wurde auch nicht besser, als wir in den Bus einstiegen, der uns zum Hafen bringen sollte.

Für alle, die noch nie bei 35 Grad, stehender Luft und gefühlten 120 Prozent Luftfeuchtigkeit eine Maske getragen haben: Es fühlt sich an, als würde man sich tief über einen Topf heißer Suppe beugen. Spaßigerweise gibt es in den öffentlichen Verkehrsmitteln auch keine Klimaanlage – oder zumindest wird sie nicht genutzt. Denn ein Neapolitaner, der etwas auf sich hält, verabscheut Klimaanlagen und kurbelt stattdessen das Fenster herunter. Für den schönen, warmen Fahrtwind, der genau einer Person nutzt: dem Busfahrer. Und natürlich, um die anderen Verkehrsteilnehmer lauthals zu beschimpfen.

Wir blieben tapfer – und sahen tatsächlich die ganzen zwei Wochen nur eine Handvoll Leute, die in den öffentlichen Verkehrsmitteln keine Maske trugen. In den Geschäften war es kein einziger. Und ein kleines Plus: Von den berüchtigten neapolitanischen Taschendieben war weit und breit nichts zu sehen.

 

Wunderschöne, verlassene Buchten findet man in Zeiten von Corona häufig in Italien.

Bislang gibt es in Kampanien rund 5200 bestätigte Corona-Fälle, in Bayern sind es über 50000. Einerseits liegt das daran, dass Bayern mehr als fünfmal größer ist als Kampanien, zum anderen spielt sich in Italien ein Großteil des Lebens im Freien ab. Es wird draußen gegessen, Jugendliche treffen sich auf einer Piazza statt in einer Bar und dank der Siesta zwischen 12.30 und 16 Uhr sind die Geschäfte sowieso lange geschlossen. Und die Hitze tut ihr übriges, um es dem Virus schwer zu machen – und den Touristen.

Kaufte man sich ein Eis, musste man in rasendem Tempo bezahlen, aus dem Laden rennen und sich die Maske vom Gesicht reißen. Wenn man Glück hatte, lief das Zitronensorbet bis dahin noch nicht über die Hände. Make-up war in dieser Zeit völlig überflüssig, denn nach den ersten zehn Minuten mit Maske in der U-Bahn war davon nichts mehr im Gesicht. Es empfiehlt sich außerdem, ein paar mehr Masken mitzunehmen, als man hier in Deutschland brauchen würde. Etwa doppelt so viele.

Grundsätzlich war ich aber von der Konsequenz, mit der die Italiener die Hygieneregeln einhielten, mehr als überrascht. Wer in Restaurants essen wollte, musste sich nicht nur bis zum Tisch Mund und Nase bedecken und die Hände desinfizieren, in vielen Lokalen wurde zusätzlich am Eingang Fieber gemessen. Wer über 37 Grad hatte, musste draußen bleiben. Die Tische wurden nach jedem Gast desinfiziert. In den Pensionen waren Fernbedienungen und Zahnputzbecher in Plastikhüllen verpackt, an den Rezeptionen trennten die Angestellten Plexiglasscheiben von den Gästen.

Tatsächlich habe ich mich zu keinem Zeitpunkt in Italien unsicher gefühlt. Als wir wieder in Deutschland waren, haben wir uns aber trotzdem testen lassen. Für die Sicherheit.