Felicitas Macketanz



Jeden Tag ein Abenteuer

Schießen muss gelernt sein!

Immer wieder haben Fotografen mit Menschen zu kämpfen, die sich ins Bild drängen.

Jeder Fotograf kennt sie. Jeder Redakteur fürchtet sie. Jeder Volontär hofft, sie niemals zu treffen. Doch eines Tages kommt der Moment, den jeder Volontär einmal mitmachen muss und dann muss er stark sein …

Jeder Fotograf kennt sie. Jeder Redakteur fürchtet sie. Jeder Volontär hofft, sie niemals zu treffen. Doch eines Tages kommt der Moment, den jeder Volontär einmal mitmachen muss und dann muss er stark sein …

… Sie stehen da, erst ganz sympathisch. Sie lächeln, grüßen, stellen sich vor. Ein gutes Gespräch, ein gelungener Termin. „So, und jetzt bräuchte ich noch ein Foto nur von Ihrem Mitarbeiter bitte“, sagt der Volontär.

Es ist der Schreckmoment für jeden Geschäftsmann, jeden Politiker, jeden Vorsitzenden. Ein Bild ohne sie, dafür aber NUR mit dem Mitarbeiter? Das geht schließlich gar nicht.

Der Kampf beginnt.

Zunächst zücken die Verstoßenen ihre Waffen: Ah ja, da ist es wieder, dieses auf den ersten Blick freundliche Lächeln vom Beginn. Aber diesmal ist es fieser, es schreit nach „Lass mich auf das Foto!“. Die Truppe setzt sich in Bewegung, stellt sich auf. „Wir wären dann soweit“. Der Mitarbeiter, umzäunt von seinen Chefs, die sich links und rechts auf das vermeintlich druckfähige Foto zwängen.

Hilft dieser offensive Angriff der Verstoßenen nicht weiter, folgt der nächste Versuch der Anzugträger, den Kampf gegen den fotografierenden Volontär zu gewinnen: nettes Zureden und Argumente. Schwere Kommunikationsgeschütze werden aufgefahren.

Der Volontär kann sich entweder im Graben der Verunsicherung verstecken und vor den auf ihn einprasselnden Wortschwallen in Deckung gehen, oder er schlägt zurück – natürlich mit den Waffen der Verstoßenen: mit Argumenten.

Die Foto-Fanatiker wirken geschwächt. Jetzt ist die Chance des Volontärs gekommen. Schnell zückt er das Gerät, um dessen Gunst alle Versammelten kämpfen – eine Spiegelreflexkamera. Er bittet erneut um Positionierung des Mitarbeiters – jetzt, da die Verstoßenen noch nach neuen Kampfmethoden suchen.

„Zack“ – das erste Bild ist im Kasten. „Ha!“, freut sich der Volontär. Das war ein Sieg! Schnell versucht er vom Gefechtsort zu fliehen, um nicht erneut Opfer eines Angriffs zu werden. In der Redaktion überprüft er seine Trophäe. Das Foto ist gelungen: Der Mitarbeiter strahlt. Aber Moment mal, hat sich da nicht die Sekretärin ins Bild geschlichen?

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Alles, was uns bewegt

Bello muss draußen bleiben

Das ist ein Text, um den Voloblog der Augsburger Allgemeinen zu testen. Foto: xy

Im Journalismus lernt man nie aus. Wir Volontäre befinden uns bekanntermaßen in der Ausbildungsphase. Da ist es besonders wichtig, ganz genau hinzuschauen, Wörter auszutauschen, umzuformulieren, neu zu finden. Manchmal geht der Griff auch voll daneben. Umso wichtiger ist es dann, wenn ein erfahrener Redakteur den Nachwuchsjournalisten aus seinem sprachlichen Dilemma befreit und auf den Boden der korrekten Sprache zurückholt. Vor allem bei Floskeln

Im Journalismus lernt man nie aus. Wir Volontäre befinden uns bekanntermaßen in der Ausbildungsphase. Da ist es besonders wichtig, ganz genau hinzuschauen, Wörter auszutauschen, umzuformulieren, neu zu finden. Manchmal geht der Griff auch voll daneben. Umso wichtiger ist es dann, wenn ein erfahrener Redakteur den Nachwuchsjournalisten aus seinem sprachlichen Dilemma befreit und auf den Boden der korrekten Sprache zurückholt. Vor allem bei Floskeln …

 

Lange sitzt die Volontärin über ihrer fertig gebauten Mensch & Tier-Seite. Die Seite befasst sich diesmal vor allem mit Hunden. „Wie Tiere unser Immunsystem beeinflussen“ – lautet das Thema. Nun fehlt noch eine passende Überschrift. Tja, gar nicht so einfach, wenn die Volontärin stundenlang vor ein und demselben Text verbringt und nun eine besonders knackige Überschrift finden soll.

Das Schwierige: Wortwiederholungen vermeiden! Die fetten Buchstaben sollen im Kopf bleiben, den Leser einfangen, ihn in den Text ziehen … Sie überlegt, grübelt und zack. Da ist sie. Die perfekte Überschrift. Wahrscheinlich hat jeder Volontär so eine Situation schon erlebt, diesen Moment, in dem sich der Nachwuchsjournalist denkt: „Ja, diese Wörter passen perfekt.“

Stolz liest die Volontärin die Mensch & Tier-Seite noch einmal durch, schaut auf jedes Detail und gibt sie schließlich bei ihrer Ausbildungsleiterin ab. Freudestrahlend wegen des genialen Einfalls natürlich.

„Bello?“, fragt die Ausbildungsleiterin entsetzt. „Bello geht gar nicht. Kennen Sie einen Hund, der Bello heißt?“, krittelt sie weiterhin gnadenlos an der Zeile in Fettbuchstaben über dem großen Foto herum. „Nein“, denkt sich die Volontärin. Tatsächlich kennt sie keinen Hund, der so heißt. Und irgendwie muss sie jetzt selbst über diesen Namen lachen. Und über die „geniale Überschrift“.

Nach ein paar Minuten ist sie erleichtert. „Wenn Bello dort gestanden hätte…“, sie mag sich das Szenario gar nicht ausmalen. Die Blicke der anderen, die sich lustig machen über diese absurde Idee, Getuschel in der Kantine, Finger, die auf sie zeigen …

 

Es sind solche Momente, die einem Volontär in seiner Ausbildung weiterhelfen, ihn weiterbilden und sensibilisieren. Augenblicke, die zeigen, dass diese Idee, eben doch nicht so gut passt, zumal es sich um eine Floskel handelt! Momente, in denen man anfangs noch gar nicht realisiert, dass Bello wirklich draußen bleiben muss.

 

 

(Foto: Bernhard Weizenegger)

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Nach Redaktionsschluss

(K)eine ruhige Kugel schieben

Jetzt ist der Volo offiziell alt.
Ja genau, wir (der Jahrgang 2015/2016) – im Dezember noch stolze Jungvolos – sind jetzt noch stolzere Altvolos. Also der Jahrgang, der das erste Ausbildungsjahr bereits hinter sich hat.

Das Gefühl ist schon komisch: Da hat man sich gerade so richtig eingelebt in seiner Lokalredaktion am anderen Ende von Schwaben und schwups – beginnt das knappe Jahr in der Augsburger Zentrale. Die Nachwuchsjournalisten werden herausgerissen aus der örtlichen Gemeinderatsroutine und hineingesteckt in das graue Hochhaus in Lechhausen. Hier fängt ein neuer Ausbildungsabschnitt an, hier werden – die nur vom Hörensagen bekannten Begriffe wie Newsdesk, CvD und Tischtippkicker (den gibt es wirklich!) – Realität. Und jeder Monat, jedes Ressort bringt neue Abenteuer mit sich.
Ziemlich aufregend also.
Mit diesem Abschnitt ändert sich jedoch noch mehr:

 

Jetzt ist der Volo offiziell alt.
Ja genau, wir (der Jahrgang 2015/2016) – im Dezember noch stolze Jungvolos – sind jetzt noch stolzere Altvolos. Also der Jahrgang, der das erste Ausbildungsjahr bereits hinter sich hat. Heißt konkret: Heuer werden zwölf neue Jungvolontäre auf Oberbürgermeister und Stadtpfarrer in den Lokalredaktionen losgelassen. Sie treten, so seltsam das auch klingt, irgendwie in unsere Fußstapfen.
Damit der Start für die Neuen besser gelingt, haben sich die „Alten“ entschlossen, mit den „Jungen“ eine – oder besser gesagt keine – ruhige Kugel zu schieben: Wir waren bowlen. Im Vordergrund stand natürlich der Spaß und die Geselligkeit. Wer letztlich gewonnen hat, ist deshalb nicht weiter wichtig. Auch wenn uns ein Neuling verschwiegen hat, dass er zuvor vermutlich ein professionelles Bowling-Training hinter sich hatte. Die Gruppe mit dem jungen Mann im Team war also schon im Vorteil.
Trotz dieser eindeutigen sportlichen Überlegenheit gab es weder Pöbeleien, noch Handgreiflichkeiten. Die Nachwuchsjournalisten unterhielten sich über das spannende Lokaljahr, tranken das ein oder andere Bierchen zusammen und tauschten Kontaktdaten aus. Ein schöner Abend für beide Seiten mit reichlich Infos für die Neuen. Einige Volontäre kannten sich sogar schon aus der Studiums- oder Schulzeit.
Doch auch die Neuen werden in einem Jahr vor dem Hochhaus stehen und dieses Gefühl haben. Genau wie wir, werden sie wieder aufgeregt und nervös sein, vor dem, was da in diesem großen, grauen Block auf sie wartet. Und dann sind sie die „Alten“.

 

 

 

 

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