Denis Dworatschek

Denis Dworatschek, Jahrgang 1990, ist in Weißenhorn im Landkreis Neu-Ulm geboren und daher ein Schwabe durch und durch. Nach einer Ausbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik mit Berufsschule in Starnberg, holte er sein Abitur nach. An der Universität Augsburg studierte er Sozial- und Politikwissenschaft und arbeitete neben zu beim Kanal C, dem jungen Radio Augsburgs. Dort moderierte und erstellte er Beiträge für die Live-Sendung. Nach knapp einem Jahr im beschaulichen Nördlingen ist er seit Februar im Haupthaus und durchwandert nun die einzelnen Ressorts.

Jeden Tag ein Abenteuer

Am Wahlabend aus der ersten Reihe berichten

Die drei Volontäre der Augsburger Allgemeinen im bayerischen Landtag: Stephanie Lorenz, Denis Dworatschek und Judith Roderfeld (von links). Foto: Julian Burmann

Drei Volontäre der Augsburger Allgemeinen erleben im bayerischen Landtag hautnah mit, wie eng Glück und Leid zusammen liegen – und wie Journalisten live darüber berichten

Versteinerte Gesichter. Stille. Einige Anhänger der SPD kämpfen sogar mit den Tränen. Gerade eben wurden die ersten Prognosen der bayerischen Landtagswahl auf dem großen Fernseher gezeigt. Magere zehn Prozent erreichen die Genossen. In einem anderen Raum herrscht dagegen grenzenlose Begeisterung. Die Grünen feiern ausgelassen ihr starkes Ergebnis. So eng liegen Glück und Leid zusammen – und mittendrin sind an diesem Wahlabend drei Volontäre der Augsburger Allgemeinen.

Sie filmen, interviewen und fotografieren. Dann schreiben sie noch ein oder zwei Zeilen dazu – und schon steht das Ganze live im Internet. Um sich im Labyrinth des bayerischen Landtages zurecht zu finden, zeigt ihnen vorab Uli Bachmeier alle wichtigen Räumlichkeiten. Der München-Korrespondent schüttelt dabei mal hier und da eine Hand, gibt wertvolle Tipps, worauf die Drei achten sollen und wer für die Bewirtung im Landtag zuständig ist.

Viel Austausch zwischen den Medienvertretern

Zwischen all den Medienvertretern kann es auch mal ruppig werden. Und die drei Volontäre müssen ihre Ellenbogen einsetzen, um sich durch die Mengen zu kämpfen. Dabei kann es manchmal nicht schaden, einfach durch den Landtag zu laufen und sich mal eine kurze Auszeit zu gönnen. Wie durch Zufall laufen einem dann vielleicht der Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl über den Weg oder die SPD-Kandidatin Natascha Kohnen. Im Gespräch mit anderen Medienvertretern erfährt man so manche wichtige Information. Wann kommt wer wo hin.

Im Steinernen Saal im bayerischen Landtag tummeln sich verschiedene Medienvertreter. Alle warten auf die ersten Hochrechnungen. Foto: Denis Dworatschek

Nach gut drei Stunden tickern, lösen sich nach und nach die einzelnen Wahlveranstaltungen der Parteien auf. Die Anhänger gehen entweder enttäuscht nach Hause oder feiern noch bis spät in die Nacht auf den Wahlpartys. Für die Fernsehteams ist dann auch meistens Schluss. Im Foyer, wo ein großes Buffet aufgebaut ist, findet man sie beim Diskutieren, Trinken und Essen. Die Zeitungsjournalisten dagegen hacken wie wild auf ihre Laptops ein, der baldige Andruck sitzt ihnen im Nacken.

Im Erdgeschoss des bayerischen Landtag ist ein großes Buffet aufgebaut. Foto: Denis Dworatschek

Alles, was uns bewegt

Auf in die weite Welt des Lokaljournalismus

Altvolo Denis Dworatschek an einem seiner vielen Arbeitsplätze im Mantelteil der Zeitung. Foto: Michael Kerler

Fliegender Wechsel in den Lokalredaktionen: Kaum sind die Altvolos zurück im Haupthaus, treten ihre Nachfolger den Dienst an. Was draußen alles auf die „Neuen“ zukommt, hat Altvolo Denis zusammengetragen – er schreibt aus Erfahrung.

Die Tage in der Augsburger Zeitungszentrale sind gezählt. Worte wie „Readerscan“ oder „Leserperspektive“ verfolgen die neuen Volontäre, die ihre Ausbildung am 2. Januar angetreten haben, bereits in ihren Träumen. Das Essen in der Kantine können sie nicht mehr sehen. Ja, langsam aber sicher ist es Zeit für einen Tapetenwechsel. Und der kommt im wahrsten Sinne des Wortes. Seit Mitte Februar sind sie draußen in der bunten, weiten Welt des Lokaljournalismus – für zehneinhalb Monate. Dann werden sie viel unterwegs sein. In Gemeinde- oder Stadtratssitzungen einiges über Politik lernen, beim Kaninchenzuchtverein das schönste Tier fotografieren, bei der Installation eines Priesters anwesend sein (ja, das heißt wirklich so), bei Schulklassen vorbeischauen und erklären, wie morgens die Zeitung im Briefkasten landet. Aber die Volontäre müssen sich davor nicht fürchten, in ihren neuen Lokalredaktionen warten schon die Redakteure, um sie tatkräftig mit Rat und Tat zu unterstützen. Schnell werden die Neuen integriert und lernen, wie der Alltag an der „Front“ aussieht. Da kann es manchmal ruppig zugehen, wenn ein Gesprächspartner nicht will oder noch zügig nach einem Termin ein Aufmacher geschrieben werden muss.

Zwischen Gemeinderat, Gerichtstermin und Feierabendbier

Am Ende wird alles gut – und wie eine Redaktionsleiterin aus dem nördlichen Verbreitungsgebiet gerne scherzhaft sagt: „Gott ist ein Lokaljournalist.“ Einige Volontäre sind vielleicht nicht mehr die Jüngsten, dafür können sie in der Lokalredaktion einiges über die heutige Jugend lernen: Die Jugendseite K!ar.text wird die Spielwiese für die angehenden Redakteure sein. Hier können mal ausgeflippte Layouts ausprobiert werden oder über die „Holyge Bimbel“, eine Bibel in Jugendsprache, geschrieben werden. Sie treten in Kontakt mit den lokalen Jugendzentren und -buden. Manchmal entstehen dabei Freundschaften, die länger als ein Jahr halten.

Wie schon erwähnt, werden die Volontäre des Öfteren an Gemeinderatssitzungen teilnehmen. Die können trocken ausfallen, manchmal auch der Höhepunkt eines Tages sein. Meistens dann, wenn die Räte sich schier an die Gurgel gehen. Spannend ist es allemal.

Nicht weniger spannend sind Termine im Gericht. Schon in ihrem Einführungskurs hatten die Volontäre zu Übungszwecken Gelegenheit, an einer Verhandlung teilzunehmen. Selbst auf dem Papier scheinbar langweilige Fälle entpuppen sich vor Ort oft als wahre Krimis. Besser als Barbara Salesch und manchmal noch viel abgedrehter als man es erwartet.

Im Herbst werden die Volontäre dann in den Genuss eines ganz besonderen Tages kommen, der die ganze Redaktion bis spät in die Nacht auf Trab halten wird: Wahlsonntag. Am Tag der Landtagswahl wird es stressig, es wird anstrengend, es wird rau – aber auch sehr spaßig. Wenn nach einem Marathon an Telefonaten mit allen Vertretern der Parteien das Ohr rot glüht und die Seiten endlich fertig belichtet sind, dann schmecken ein Bier und ein Stück Pizza gleich viel besser.

Mit anderen Augen auf die morgendliche Ausgabe blicken

Das alles hört sich im ersten Moment nach sehr viel Arbeit an – und ja, das ist es auch oft. Aber den Volontären wird es dafür nie langweilig in ihrer Redaktion. Nach diesem Jahr werden sie mit anderen Augen auf ihre Zeitung am Frühstückstisch blicken. Sie werden sehen, wie viel Arbeit in einer Ausgabe steckt und welche Mechanismen sich im Hintergrund abspielen. Sie lernen, wie wichtig freie Mitarbeiter sind und die Kollegen aus der Anzeigenabteilung, wenn man schnell mal eine Adresse oder einen Ansprechpartner braucht. Diese Zeit sollten die Volontäre in vollen Zügen genießen, denn ein Jahr ist schnell vorbei. Fragt die Altvolos (die jetzt im zweiten Jahr ihrer Ausbildung stecken und dieses in der Augsburger Zentrale absolvieren), die jetzt aus allen Himmelsrichtungen des Verbreitungsgebiets ins Haupthaus zurückkehren. Sie werden euch dasselbe erzählen.

Abschließend bleibt zu sagen, dass die Volontäre bereit sind für die weite Welt des Lokaljournalismus, auch wenn sich der eine oder andere noch Gedanken über die Zukunft macht. Vielleicht hat er als gebürtiger Ulmer sogar unsere Zeitung gelesen: Albert Einstein jedenfalls sagte einmal: „Ich denke niemals an die Zukunft. Sie kommt früh genug.“

Jeden Tag ein Abenteuer

Der Alltag eines Polizeireporters

Der Polizeireporter bei der Arbeit. Foto: Philipp Wehrmann

Morgens vor der Konferenz, wenn in der Redaktion nur die Kaffeemaschine arbeitet, trudeln die ersten Mails von den umliegenden Polizeiinspektionen ein. Und jeden Morgen sind die Polizeiberichte eine wahre Wundertüte. Manchmal sitzt man kopfschüttelnd vor den Berichten, manchmal lachend. Und dann gibt es Meldungen, da war man selber dabei.

Morgens vor der Konferenz, wenn in der Redaktion nur die Kaffeemaschine arbeitet, trudeln die ersten Mails von den umliegenden Polizeiinspektionen ein. Und jeden Morgen sind die Polizeiberichte eine wahre Wundertüte. Manchmal sitzt man kopfschüttelnd vor den Berichten, manchmal lachend. Und dann gibt es Meldungen, da war man selber dabei.

Vor einigen Wochen war ich auf einem Abendtermin im Nordries. Auf dem Heimweg hatte es zu regnen begonnen. Bei schlechter Sicht fuhr ich auf der mir unbekannten Straße etwas langsamer. Da tauchte plötzlich aus der Dunkelheit ein gelbes Auto auf. Im Schritttempo schlängelte sich der Wagen über die Landstraße. Vorsichtig überholte ich. Kurz danach hatte ich die Begegnung schon wieder vergessen, zumindest bis zum nächsten Morgen, als ich die Polizeimeldungen bearbeitete.

Überraschende Entwicklungen nach dem Abendtermin

Da war die Rede von einem gelben Auto, das durch seine Fahrweise aufgefallen war. So soll der Wagen mehrere Runden in einem Kreisverkehr gedreht haben. Die Polizei hat etwas später in einer nahen Ortschaft das kleine gelbe Auto entdeckt. Darin fanden die Beamten einen schlafenden Mann, der stark nach Alkohol roch. Drei Promille kamen beim Test heraus. Natürlich stellte ich diese Meldung gleich online.

Grundsätzlich sind Polizeimeldungen kurze Berichte über einen Unfall oder eine Straftat, die als Einspalter in der Zeitung erscheinen. Die ursprünglichen Berichte werden von einem Polizisten geschrieben. Manche können das richtig gut, andere bleiben konsequent im Beamtendeutsch. Wenn ich also die Meldungen umschreibe, dann nach einem bestimmten Muster.

So ist eine Polizeimeldung bei der Augsburger Allgemeinen aufgebaut

Nach einer knackigen Überschrift wie „Ehemann auf Motorhaube: Frau fährt einfach weiter“ oder „Dumm gelaufen: 15-Jähriger nimmt Streifenwagen die Vorfahrt“ folgt der erste Satz, der im Groben den gesamten Vorfall zusammenfasst. Beispiel: „Ein unbekannter Autofahrer hat am Mittwochabend die Verkleidung einer Dachstütze an einer Tankstelle an der Augsburger Straße in Nördlingen beschädigt.“ Anschließend wird der Vorfall genauer geschildert.

Weniger interessante Infos kommen zum Schluss. Besonders witzige Meldungen oder solche mit einem hohen Sachschaden werden im Internet mit einem Symbolbild veröffentlicht. Darauf sind meistens Streifenwagen oder uniformierte Beamten ohne Gesichter zu sehen. Beim kleinen gelben Auto wurde es ein Bild von einem Alkoholtest.

Manchmal helfen Journalisten der Polizei bei den Ermittlungen

Ab und zu kann man auch der Polizei unter die Arme greifen. Dann, wenn beispielsweise Trickbetrüger ihr Unwesen treiben. Mit detaillierten Täterbeschreibungen kann die Zeitung der Polizei wichtige Hilfe leisten.

Auch untertags bleibt man hellhörig. Ertönt eine Sirene, wähle ich schnell die Nummer der örtlichen Polizeiinspektion und frage nach, ob gerade ein Einsatz im Gange ist. Aufmerksame Leser benachrichtigen uns ebenfalls bei Unfällen oder fragen nach, warum gerade ein paar Feuerwehrfahrzeuge ausgerückt sind.