Tom Trilges

Tom Trilges, Jahrgang 1994, ist in Mönchengladbach am linken Niederrhein aufgewachsen. Studiert hat der Borussia-Fan – für ihn gibt es selbstverständlich nur eine davon – in der Stadt des größten fußballerischen Rivalen: Köln. Neben dem Studiengang Sportmanagement und Sportkommunikation verfolgte er bereits seinen Kindheitstraum, als Redakteur zu arbeiten. Er sammelte erste journalistische Erfahrungen bei der Rheinischen Post, dem Mönchengladbacher Lokalradio 90,1 und dem Playboy. Das Klischee der rheinischen Frohnatur kann er kaum von sich weisen: Er ist Mitglied eines Karnevalsvereins und eines Kegelclubs. Nach einem spannenden und lehrreichen Jahr bei der Friedberger Allgemeinen durchläuft er 2020 verschiedene Ressorts in der Zentrale der Augsburger Allgemeinen.

Jeden Tag ein Abenteuer

Ein Reich nur für den Volo

Bei der Augsburger Allgemeinen muss man nicht erst Redaktionsleiter werden, um ein geräumiges Büro für sich allein zu haben. Zumindest für einen Monat kommt man in diesen Genuss schon als Volontär – und darf sich in aller Ruhe mit Geschichten rund um Mensch und Tier beschäftigen. Tom Trilges schreibt über vier Arbeitswochen, die nur einen kleinen Makel hatten.

Was macht eigentlich ein Projektvolontär? Zugegeben, der Name ist in etwa so nichtssagend wie „Volontär für besondere Aufgaben“ oder „Volontär im Spezialeinsatz“. Tatsächlich sind die Aufgaben, die hinter dem Titel stehen, deutlich konkreter zugeschnitten. Der Projektvolontär betreut im Wesentlichen drei Bereiche: die Mensch-und-Tier-Seite, die Schule-Seite und den Voloblog. Außerdem wird er tatsächlich projektbezogen eingesetzt, wenn beispielsweise das medienpädagogische Projekt der Augsburger Allgemeinen „Zeitung in der Schule“ (kurz ZiSCH) es erfordert – oder wenn Ausbildungsmessen, Berufsfindungstage an Schulen, Schülermedientage oder Ähnliches anstehen. Einen Monat lang darf jeder Volontär der Augsburger Allgemeinen während seiner Ausbildung den Posten besetzen.

Das ist mit einem einmaligen Vorzug verbunden: Um sich ohne Störungen diesen wichtigen Dingen anzunehmen, pachtet der Projektvolontär ein geräumiges Büro ganz für sich allein. Die Arbeitszeiten bestimmt er weitgehend selbst, nur die Leistung muss am Ende stimmen. Das heißt: Zu bestimmten Terminen müssen entweder Text- oder Bilderseiten zu Mensch-und-Tier-Themen oder Schule-Seiten fertig sein. Abgenommen werden sie von der Ausbildungsleiterin Stefanie Sayle.

Zu Beginn des Monats darf der Projektvolontär seine Ideen für Artikel vorstellen und diese nach Absprache mit Stefanie Sayle in weitgehender Eigenverantwortung angehen. In einem Schrank schräg gegenüber des Arbeitsplatzes befindet sich Material für spezielle Zeitungsseiten: Neben den klassischen Textseiten gehören auch solche mit Tierbuch-Rezensionen zu den Arbeitsaufträgen. Stundenlang kann sich der Projektvolontär also mit Pferdeerziehung, Vogelführern oder Anleitungen zur Hundehaltung beschäftigen.

Projektmonat Volontäre

Die Beschäftigung mit Tierbüchern ist eine der vielen spannenden Aufgaben des Projektvolontärs.

Während es in den beschriebenen Bereichen darauf ankommt, selbstständig seine Themen voranzutreiben, ist der Projektvolontär im dritten Aufgabenfeld, dem Voloblog, ganz gewaltig von seinen lieben Volontärskollegen abhängig. In schöner Regelmäßigkeit kündigen die tolle Geschichten an, die sie für den Blog schreiben wollen – nur damit ihnen wenig später auffällt, dass sie es neben dem stressigen Redaktionsalltag gerade zeitlich nicht schaffen. Die wichtigste Eigenschaft des Projekvolontärs lautet also: Beharrlichkeit.

Klingt die bisherige Jobbeschreibung überwiegend positiv, sei auch auf einen kleinen Makel des Projektmonats ehrlich hingewiesen. Erwischt es einen in den Sommermonaten, muss man recht hitzeunempfindlich sein. An sehr warmen Tagen gleicht das Büro ab mittags eher einer Sauna. In diesen Stunden fragt sich der Projektvolontär, zumindest war es bei mir so, ob es nicht doch angenehmer ist, mit den Kollegen das Klimaanlange-gekühlte Großraumbüro in der Zentrale der Augsburger Allgemeinen zu teilen, obwohl das mitunter mit einem höheren Geräuschpegel und dem unfreiwilligen Mitlauschen teils verstörender Gespräche verbunden ist. Wer also ein Büro alleine UND gekühlt haben will, der muss wohl oder übel Karriere machen und in die Führungsriege der Zeitung aufsteigen – so ein Pech aber auch.

Alles, was uns bewegt

Wie viel Nähe verträgt guter Journalismus?

Volontär Tom Trilges (links) und Friedbergs Pressesprecher Frank Büschel sägen beim Friedberger Altstadtfest an einem Baumstamm. Foto: Henrike Winkens

In meinem Beruf pflege ich mit manchen Ansprechpartnern regelmäßige und enge Kontakte. Aber verrate ich meinen Leser schon, wenn ich einen Gesprächspartner lieber mag als einen anderen und wo ist die Grenze zum Klüngel? Über komplizierte Fragen und eine ernüchternde Antwort.

Es ist Mitte Juli, ein heißer Sommertag. Friedbergs Pressesprecher Frank Büschel und ich arbeiten – in diesem Fall bedeutet „arbeiten“ allerdings, zur Unterhaltung der Leser der Friedberger Allgemeinen an einem Baumstamm herumzusägen. Und wenn man ehrlich ist: Wir machen das auch zu unserer eigenen Unterhaltung. Es ist Altstadtfest und ich habe zu diesem Anlass ein Videoformat ins Leben gerufen, in dem ich Akteure von ihren Aufgaben und Erfahrungen berichten lasse – manchmal ist das Ganze aber auch mehr Gaudi als Informationsvermittlung. Zwei Stunden später schaue ich in unsere Online-Zahlen und den Facebook-Kanal: Die Leute schauen sich das Video von Büschel und mir an, die Kommentare sind durchweg positiv. Das hat also gesessen.

Doch der Grat ist schmal. Was kann, was darf und was möchte man eigentlich im journalistischen Alltag machen und zulassen, um seriös und distanziert genug zu bleiben? Ist es auch noch okay, wenn der gleiche Pressesprecher, während ich auf die Toilette gehe, meinen Kaffee bezahlt? Wenn mir ein anderer beruflicher Ansprechpartner das „Du“ nicht nur anbietet, sondern mehr oder weniger aufzwingt. Wie gehe ich damit um?

Darf sich der Volontär einen Kaffee ausgeben lassen?

Über diese Frage habe ich gerade in meinem Lokaljahr, in dem so manche Kontakte binnen weniger Monate sehr eng werden können, häufig nachgedacht und auch mit Leuten diskutiert, die in ganz anderen Branchen tätig sind. Was mir klar geworden ist: Egal, was man arbeitet, man muss zunächst immer fragen, für wen man das in erster Linie tut. Die Frage kann ich noch einfach beantworten: für meine Leser. Wenn ich also als guter Journalist „Der Anwalt der Leser“ sein will, an welcher Stelle komme ich dann eventuell von diesem Pfad ab?

Beispiel Holz sägen: Den Lesern hat es gefallen, ich habe nichts von Frank Büschel angenommen und Spaß bei der Arbeit ist nicht verboten. Ich halte diese Aktion also für unbedenklich, sogar ziemlich gelungen. Aber verliere ich meinen Status als Anwalt der Leser, nur weil ich mir einen Kaffee ausgeben lasse? Sicher nicht automatisch. Dennoch sehe ich es aus zweierlei Blickwinkeln kritisch: Erstens reicht der Anschein, ich würde mich von meinen Ansprechpartnern „kaufen“ lassen und dafür schreiben, was ihnen passt. Zweitens überschätzen wir uns gerne selbst. Bin ich wirklich so unabhängig und lasse mich von nichts und niemandem beeinflussen? Nein. Ich finde die Geste nett und wenn ich das nächste Mal Grund habe, auf die Stadt ordentlich „draufzuhauen“, werde ich das so drastisch tun, wenn es doch der nette Pressesprecher Frank Büschel ist? Ich weiß es nicht.Volontär Tom Trilges (links) und Friedbergs Pressesprecher Frank Büschel beim Altstadtfest. Foto: Henrike Winkens

Ein Volontär sollte das eigene journalistische Handeln immer wieder hinterfragen

Das Gemeine am journalistischen Alltag ist, dass keine Gefälligkeiten oder Geld fließen müssen, damit die Gefahr besteht, Zerrbilder zu zeichnen. Denn auch ohne eine Einladung auf einen Kaffee oder ein Essen mag ich Frank Büschel. Und andere Gesprächspartner nicht. Bin ich immer neutral? Das ist wahnsinnig schwer zu sagen und ich behaupte nicht, dass Sympathien keinerlei Rolle in meinen Texten spielen. Trotzdem: Am Ende muss ich mich immer fragen. Bin ich noch der Anwalt meiner Leser? Bin ich ein guter? Bin ich auch bei Frank Büschel ein echter Wadenbeißer, wenn ich das Gefühl habe, im Sinne des Lesers ist das notwendig? Ich denke ja. Womit wir allerdings zu einem anderen komplizierten Punkt kommen.

Bei meinem Abschied in Friedberg Ende Januar haben mir viele enge Kontakte bestätigt, ich habe tolle Arbeit gemacht, sei immer kritisch gewesen, das habe ihnen gefallen. Moment mal: Warum loben mich diejenigen, deren Handeln ich doch an vielen Stellen ganz gezielt in Frage stellen wollte? Soll ich das als etwas Positives auffassen? Die kurze und ernüchternde Antwort lautet: Es ist und es bleibt kompliziert. Es führt kein Weg daran vorbei, das eigene journalistische Handeln immer wieder zu hinterfragen.  

Wichtig ist mir allerdings, dass meine Arbeit keine spaßfreie Zone ist. Ich werde weiterhin mit beruflichen Ansprechpartnern an einem Baumstamm sägen, wenn mein Leser so einen Eindruck von einem Ereignis bekommt, bei dem er gerade nicht zugegen ist. Ich werde mir nicht verbieten, einen Gesprächspartner zu mögen. Und ich werde mich weiter loben lassen, ohne gleich ein schlechtes Gewissen zu haben. Journalisten sind Menschen und genau als solche möchte der Leser sie meiner Meinung nach auch erleben. Aber er erwartet auch, dass wir erkennen, wann unser Handeln zum Klüngel verkommt und er der Dumme ist, der darunter zu leiden hat. Ich kann nur davon abraten, sich mit jedem, dem man drei Mal die Hand geschüttelt hat, zu duzen und sich von ihm einladen zu lassen. Wir überschätzen unser Urteilsvermögen gerne und wir müssen den „Verrat“ am Leser nicht unnötig herausfordern. Ich glaube jedem Journalisten, dass er ein guter Anwalt seines Lesers sein will. Manchmal ist das aber verdammt schwer – das sage ich aus eigener Erfahrung.

Nach Redaktionsschluss

Volontär findet zweite Heimat: 570 Kilometer von einer Familie zur anderen

Mit seinen Volontärskollegen Tanja Ferrari und Christoph Lotter verbrachte Tom Trilges Ende Juli einen schönen Tag auf der Insel Mainau am Bodensee. Foto: Tanja Ferrari

Volontär Tom Trilges hat Ende vergangenen Jahres schweren Herzens den Niederrhein verlassen und ist nach Augsburg gezogen. Dadurch hat er nichts verloren, sondern eine zweite Heimat dazugewonnen.

Volontär Tom Trilges hat Ende vergangenen Jahres schweren Herzens den Niederrhein verlassen und ist nach Augsburg gezogen. Dadurch hat er nichts verloren, sondern eine zweite Heimat dazugewonnen.

Es war ein großer Schritt für ein verwöhntes Einzelkind, im Dezember 2018: Nach 24 Jahren, in denen ich mein Elternhaus in Mönchengladbach nie für längere Zeit verlassen hatte, endete die Wohlfühl-Oase: Bayern sollte es sein – ich hatte mich für ein Volontariat bei der Augsburger Allgemeinen entschieden.

570 Kilometer fuhr ich am zweiten Weihnachtstag hinunter und landete in einer mir völlig fremden Stadt. Die ersten Tage vor dem Beginn meiner Ausbildung verbrachte ich noch mit der Familie, doch ab Neujahr war ich nach einem schwierigen Abschied endgültig auf mich gestellt.

Bayern ist schön, aber die Menschen machen es aus

Achteinhalb Monate ist das jetzt her – und ich bin immer noch in Augsburg. Doch mehr als das: Stadt und Umland sind für mich bereits so etwas wie eine zweite Heimat geworden. Das liegt unter anderem an den wunderbaren Ausblicken im Wittelsbacher Land, den Alpen in der Nähe – in denen ich im Sommer regelmäßig Berge besteige und im Winter von den Gipfeln auf Skiern hinunterdüse – und dem vorzüglichen Schinken meines Stamm-Metzgers auf dem Augsburger Stadtmarkt.

Der Hauptgrund dafür, dass ich meinen Freunden am Niederrhein leider sagen muss, dass ich so schnell wohl nicht zurückkehre, sind aber die Menschen, die ich in den vergangenen Monaten kennenlernen durfte.

Aus neuen Kollegen werden im Volontariat Freunde

Zum einen sind da die elf Kollegen, mit denen gemeinsam ich am 2. Januar mein Volontariat bei der Augsburger Allgemeinen begonnen habe. Heute darf ich über manche von ihnen sagen: Sie sind echte Freunde geworden. Schon jetzt blicke ich zurück auf einzigartige Erinnerungen.

Aus Kollegen werden Freunde: Die Volontäre Tanja Ferrrari, Christoph Lotter (Mitte) und Tom Trilges verbringen gerne ihre Zeit zusammen - auch nach Feierabend. Foto: Tanja Ferrari

Besonders gern denke ich an einen Tag am Bodensee mit den Volontären Tanja Ferrari und Christoph Lotter. Tanja hat uns im Juli zu ihrer Familie nach Hause eingeladen und nach einem herzlichen Empfang sowie einem Frühstück auf der Terrasse die Insel Mainau gezeigt. Bei strahlendem Sonnenschein staunten wir über die bunte Blumenpracht und tranken ein kaltes Bier in der Sonne.

Christophs Augen leuchteten, als er in das Alpaka-Gehege ging und die (für ihn) niedlichsten Tiere der Welt streicheln durfte – ich war dagegen völlig in meiner Welt, als im Schmetterlingshaus mehrere der kleineren und größeren Falter kurz hintereinander auf meinen Fingern Halt machten und ich sie aus nächster Nähe bewundern konnte. Kurzum: Es waren faszinierende Stunden mit lieben Menschen an meiner Seite.

Von pinken Zahnbürsten und rosa Yogadecken

Um Tanja nicht in ein schlechtes Licht zu rücken, habe ich ihr übrigens versprochen nicht zu erwähnen, dass sie mir am Bodensee eine pinke Kinderzahnbürste gekauft hat, um mich einmal mehr zu blamieren. Schockiert war ich allerdings nicht mehr, hatte sie mir doch in Augsburg wenige Wochen zuvor eine rosa Yogadecke geschenkt, die ich seither jeden Sonntag in unserem gemeinsamen Kurs an der VHS benutzen muss. Aber ich schweife ab …

Wer steckt da unter einer Decke? Ein Volontär? Foto: Tom Trilges

Um nicht zu ausschweifend zu werden, erwähne ich die Skitour ins Zillertal, die teils feucht-fröhlichen Abende in unserem Augsburger Stammlokal und die zwei Wochen Seminar im fränkischen Kulmbach mit drei ebenfalls sehr geschätzten Kollegen nur am Rande.

Diese Episoden und noch viele mehr bringen mich jedoch dazu festzuhalten: Unsere Ausbildungsleiterin Stefanie Sayle hat in diesem Jahr kompetente Jungjournalisten für die Augsburger Allgemeine gewonnen – vor allem aber tolle Persönlichkeiten.

Große Wertschätzung in der Friedberger Lokalredaktion

Nicht nur mit den Mitarbeitern in meinem Alter verbinde ich schöne Momente. Den Weg in die Friedberger Lokalredaktion, in der ich noch bis Ende Januar mein Tagwerk vollbringe, bestreite ich täglich mit prächtiger Laune. Neben der Tatsache, dass ich dort dem besten Beruf auf der Welt nachgehen kann, freue ich mich immer wieder auf meine so unterschiedlichen, aber alle gleichermaßen angenehmen Kollegen.

Von der ersten Minute an haben sie mir als Person und Journalist ihre uneingeschränkte Wertschätzung entgegengebracht. In der Zwischenzeit verbindet mich mit ihnen weit mehr als ein konstruktives Arbeitsverhältnis.

Altstadtfest Friedberg: Intensive Tage, unvergessene Abende

Nicht missen möchte ich beispielsweise die Golfrunden mit Sportredakteur Peter Kleist. Wenn wir mal zur selben Zeit frei haben, was leider nicht allzu oft der Fall ist, genießen wir die Idylle auf dem rund 80 Hektar großen Areal und nehmen „ein Vollbad in der Natur“, wie wir es gerne nennen. Peter wird mir nicht böse sein, wenn ich gestehe: Wir gehören bestimmt nicht zu den versiertesten Golfspielern im Club, aber ganz sicher zu denen, die bei ihrem Hobby am meisten lachen.

Auch berufliche Erlebnisse können zusammenschweißen. Mit der stellvertretenden Redaktionsleiterin Ute Krogull begleitete ich im Juli zehn Tage lang das bedeutendste aller Friedberger Ereignisse – das Altstadtfest, das nur alle drei Jahre stattfindet.

Volontär Tom Trilges war als Reporter auf dem Friedberger Altstadtfest unterwegs. Foto: Tom Trilges

Für uns beide bedeutete das eineinhalb Wochen, die fast wie WG-Leben anmuteten. Der Umfang der Berichterstattung über die Veranstaltung ist schlicht enorm und für zwei Reporter eine echte Herausforderung. Nach getaner Arbeit gegen 23 Uhr kehrten wir meist im Hafnergarten ein, in dem Familie Losinger ihre Schänke betrieb. Bei deftigem Essen und einem kühlen Getränk redeten wir über die Arbeit, über Friedberg, manchmal aber auch einfach über Gott und die Welt – unbezahlbar.

Die Friedberger machen es einem Volontär leicht

Im Trubel des Altstadtfestes wurde mir auch die Willkommenskultur der Friedberger so richtig bewusst. Selten schaffte ich es, länger als eine halbe Minute mit meinem Block durch die Straßen zu ziehen, ohne dass mich jemand ansprach. Mit Bürgermeister Roland Eichmann, Stadtpfarrer Steffen Brühl, den Geschäftsleuten, bei denen ich regelmäßig meine Einkäufe erledige, und so vielen mehr führte ich nette Gespräche.

Für mein Video-Interviewformat „Ratsch am Marienplatz“, bei dem ich mich täglich mit einem beim Fest Aktiven austauschen wollte, fragte ich zehn Gäste an – und erhielt zehn Zusagen. „Ich freue mich drauf“ oder „Toll, dass Sie das machen“ waren die häufigsten Reaktionen. Alles in allem für mich eine beeindruckende Erfahrung, hatte ich doch zuvor erst rund fünf Monate in Friedberg verbracht.

Traditionsgemäß kostümiert und den Maßkrug in der Hand: Tom Trilges hat sich schnell in die Friedberger Stadtkultur eingelebt. Foto: AZ

Der Abschied aus Schwaben fällt inzwischen schwer

Selbst Volontäre nehmen sich ab und zu eine Auszeit und machen Urlaub. Mit guten Wünschen verabschiedeten mich die Kollegen in Friedberg Ende August für neun Tage. Ute Krogull umarmte mich noch und sagte: „Genieß die Zeit, Du hast es Dir verdient.“ Am nächsten Tag brach ich auf in Richtung Mönchengladbach – und fühlte mich beinahe, als würde ich meine Heimat verlassen in eine 570 Kilometer entfernte, fremde Stadt.

Ganz so schlimm war es schließlich nicht, denn nach rund fünf Stunden Fahrt warteten meine Eltern schon gebannt auf mich, hatten mein Zimmer hergerichtet und einen Tisch bei meinem Lieblingsitaliener reserviert. In den Folgetagen traf ich alte Freunde und war beruhigt: Alles fühle sich an wie früher. Wie Zuhause.

Nach rund 100 Stunden im Rheinland hob ich mit vier Jungs aus unserem Kegelverein von Düsseldorf ab nach Valencia und genoss dort mit ihnen Paella in rauen Mengen, das Bad in einem kühlen Bergsee und stundenlange Beachvolleyball-Matches.

Den Kontakt zu alten Freunden in seiner ersten Heimat Mönchengladbach pflegt Tom Trilges (Dritter von links) immer noch. Foto: Trilges

Zuhause in Mönchengladbach und AugSCHburg

Vor meiner Abfahrt nach Bayern sagte einer der Kegelfreunde zu mir: „Viel Spaß bei Deinen AugSCHburger Jungs.“ Ich machte mich auf den Rückweg. Mit Wehmut, Familie und Freunde aus Nordrhein-Westfalen wieder für Wochen oder Monate nicht zu sehen. Und mit Vorfreude auf das, was mich in Augsburg erwarten würde – eine Art zweiter Familie. Was kann es Schöneres geben?