Lara Schmidler

Lara Schmidler, 1994 in Weißenburg geboren, wächst in einem kleinen fränkischen Städtchen auf. Bereits an ihrem ersten Schultag glänzt sie mit der Aussage: „Ich kann eigentlich schon alles“. Entsprechendes Selbstbewusstsein legt sie bei der Frage nach ihrem Traumberuf in sämtlichen Freundschaftsalben an den Tag: Bestsellerautorin oder Sängerin. Letzteres schließt sie nach acht Jahren am musischen Gymnasium aber doch lieber aus. Nach einer turbulenten Studienkarriere verschlägt es die Mittelfränkin schließlich ins feindliche Schwabenland, wo sie ihre Leidenschaft, das Schreiben, in der Lokalredaktion Günzburg ausleben darf.

Nach Redaktionsschluss

Endgegner Maske: Corona-Maßnahmen auf Italienisch

Volontärin Lara Schmidler von der Günter Holland Journalistenschule hat sich seit Jahresbeginn auf ihren Sommerurlaub in Italien gefreut. Zwischenzeitlich standen die Zeichen coronabedingt aber eher auf Absage. Letztlich konnte sie doch verreisen und tolle Erfahrungen sammeln. Sie berichtet auch darüber, wie die Italiener mit der Krise umgehen, die sie bisher so schwer gebeutelt hat.

Sonne, Meer und Gelato – so hatte ich mir meinen Sommerurlaub noch im Januar vorgestellt. Dann kam Corona, die Grenzen waren dicht und an Ferien im Süden war erst mal nicht zu denken. Nicht im Traum hätte ich geahnt, dass ich nur wenige Wochen später mit einem geliehenen Roller durch die Küstenorte von Ischia knattern, Pompeji besichtigen oder den Vesuv besteigen würde. Doch tatsächlich war ich zwei Wochen in Kampanien unterwegs und habe wirklich viele Erfahrungen gesammelt. Nicht zuletzt darüber, wie die Italiener mit der Pandemie umgehen.

Die erste Auffälligkeit in Bezug auf die Hygieneregeln ergab sich dann allerdings nicht in Italien, sondern in Deutschland, und zwar auf dem Weg zum Flughafen. Um die Kosten für einen Parkplatz in Stuttgart zu sparen, nahmen wir nämlich den Flixbus – und mussten uns sehr wundern. Abstand? Fehlanzeige. Nicht nur jede Reihe war besetzt, teilweise mussten Fremde Arm an Arm nebeneinander sitzen, und die Masken nahmen viele ab, sobald der Bus losgefahren war. Anders lief es dann im Flugzeug ab. Zwar waren auch hier fast alle Plätze besetzt, doch die Stewardessen achteten penibel auf die Einhaltung der Maskenpflicht.

Dass das mit dem Maskentragen in Italien allerdings gar nicht so einfach werden würde, wie wir gedacht hatten, bemerkten wir erst, als wir das Flughafengebäude in Neapel verließen. Denn es war heiß. Wirklich sehr, sehr heiß. Und es wurde auch nicht besser, als wir in den Bus einstiegen, der uns zum Hafen bringen sollte.

Für alle, die noch nie bei 35 Grad, stehender Luft und gefühlten 120 Prozent Luftfeuchtigkeit eine Maske getragen haben: Es fühlt sich an, als würde man sich tief über einen Topf heißer Suppe beugen. Spaßigerweise gibt es in den öffentlichen Verkehrsmitteln auch keine Klimaanlage – oder zumindest wird sie nicht genutzt. Denn ein Neapolitaner, der etwas auf sich hält, verabscheut Klimaanlagen und kurbelt stattdessen das Fenster herunter. Für den schönen, warmen Fahrtwind, der genau einer Person nutzt: dem Busfahrer. Und natürlich, um die anderen Verkehrsteilnehmer lauthals zu beschimpfen.

Wir blieben tapfer – und sahen tatsächlich die ganzen zwei Wochen nur eine Handvoll Leute, die in den öffentlichen Verkehrsmitteln keine Maske trugen. In den Geschäften war es kein einziger. Und ein kleines Plus: Von den berüchtigten neapolitanischen Taschendieben war weit und breit nichts zu sehen.

 

Wunderschöne, verlassene Buchten findet man in Zeiten von Corona häufig in Italien.

Bislang gibt es in Kampanien rund 5200 bestätigte Corona-Fälle, in Bayern sind es über 50000. Einerseits liegt das daran, dass Bayern mehr als fünfmal größer ist als Kampanien, zum anderen spielt sich in Italien ein Großteil des Lebens im Freien ab. Es wird draußen gegessen, Jugendliche treffen sich auf einer Piazza statt in einer Bar und dank der Siesta zwischen 12.30 und 16 Uhr sind die Geschäfte sowieso lange geschlossen. Und die Hitze tut ihr übriges, um es dem Virus schwer zu machen – und den Touristen.

Kaufte man sich ein Eis, musste man in rasendem Tempo bezahlen, aus dem Laden rennen und sich die Maske vom Gesicht reißen. Wenn man Glück hatte, lief das Zitronensorbet bis dahin noch nicht über die Hände. Make-up war in dieser Zeit völlig überflüssig, denn nach den ersten zehn Minuten mit Maske in der U-Bahn war davon nichts mehr im Gesicht. Es empfiehlt sich außerdem, ein paar mehr Masken mitzunehmen, als man hier in Deutschland brauchen würde. Etwa doppelt so viele.

Grundsätzlich war ich aber von der Konsequenz, mit der die Italiener die Hygieneregeln einhielten, mehr als überrascht. Wer in Restaurants essen wollte, musste sich nicht nur bis zum Tisch Mund und Nase bedecken und die Hände desinfizieren, in vielen Lokalen wurde zusätzlich am Eingang Fieber gemessen. Wer über 37 Grad hatte, musste draußen bleiben. Die Tische wurden nach jedem Gast desinfiziert. In den Pensionen waren Fernbedienungen und Zahnputzbecher in Plastikhüllen verpackt, an den Rezeptionen trennten die Angestellten Plexiglasscheiben von den Gästen.

Tatsächlich habe ich mich zu keinem Zeitpunkt in Italien unsicher gefühlt. Als wir wieder in Deutschland waren, haben wir uns aber trotzdem testen lassen. Für die Sicherheit.