Michael Postl

Die Integration bestand für den Nürnberger Michael Postl darin, sich dem TSV Friedberg anzuschließen, in Augsburg-Lechhausen wohnhaft zu werden und auf fränkische Schäufele zu verzichten. Die Folge: Klassenerhalt, eine Ein-Zimmer-Wohnung und kulinarische Resignation. Seitdem gilt es für den 27-Jährigen, sich auf die wichtigen Dinge des Lebens zu konzentrieren: das Schreiben und Dinosaurier. In Friedberg kann sich Michael Ersterem widmen, nachdem er bereits für den Kicker, den HC Erlangen, die Nürnberger Zeitung und die Neue Osnabrücker Zeitung geschrieben hat. Doch auch Letzteres bleibt nicht auf der Strecke, ist der Dinosaurierpark im Altmühltal doch nur einen Katzensprung entfernt.

Jeden Tag ein Abenteuer

Ein lehrreicher Ausflug zweier Volontäre in die Allianz Arena

In der Günter-Holland-Journalistenschule geht es nicht nur theoretisch zu. Viele praktische Inhalte sind über den Einführungsmonat verteilt, so auch ein Besuch beim Eishockey. Ein Fußballspiel stand bislang jedoch nicht auf dem Plan, so machten sich zwei Volontäre auf zum DFB-Pokalspiel in München. Dabei hatten sie eine professionelle Begleitung.

Mit Nachnamen heißen die Fußballer des FC Bayern offenbar alle gleich. Zumindest wenn es nach den Fans der TSG Hoffenheim geht. Diese schrien stets denselben Nachnamen, nachdem der Stadionsprecher der Allianz Arena den Vornamen des jeweiligen Bayern-Spielers vorgelesen hatte. Gut, so muss man sich als Außenstehender die vielen Namen immerhin nicht merken. Dass ihre Mütter aber tatsächlich ihre Körper für Geld verkaufen, dürfte der blühenden Fantasie der Hoffenheimer entspringen. Für uns waren die Nachnamen jedoch kein Problem. Denn mein Kollege und ich, beide Volontäre der Günter Holland Journalistenschule, sind Fußballfans durch und durch.

Das war auch der Grund, warum wir uns spontan entschlossen hatten, zum DFB-Pokalspiel des FC Bayern gegen Hoffenheim in die Münchner Allianz Arena zu fahren. Was wir nicht wussten: Es würde das letzte DFB-Pokalspiel in der Arena für lange Zeit sein. Denn knapp eineinhalb Monate später verkündete Markus Söder die Ausgangsbeschränkungen für ganz Bayern. An Fußballspiele mit Gegnerkontakt und Zuschauern war fortan nicht mehr zu denken.

Vom Voloseminar direkt in die Arena

Dafür waren wir an diesem bitterkalten Februarabend umso motivierter – und erinnern uns noch heute umso lieber und intensiver an dieses Erlebnis. Auch, weil wir in der zwar spärlich besetzten, aber dafür umso lauteren Hoffenheimer Kurve standen. Eine Kurve, für die wir relativ leicht Tickets bekommen hatten, weil das Stadion nicht ausverkauft war. Eigentlich ungewöhnlich für ein solches Spiel. Uns war das aber nur recht und so suchten wir schnurstracks Zugverbindungen heraus, die uns nach unserem Voloseminar an der Günter Holland Journalistenschule in Lechhausen nach München bringen würden.

Als wir gerade diskutierten, ob ein Bayernticket der Deutschen Bahn sinnvoll sei, fiel uns siedend heiß ein, dass wir ja bei der Augsburger Allgemeinen und damit in einer der größten bayerischen Zeitungsredaktionen arbeiten. Von dort musste doch irgendjemand das Spiel anschauen. Von Berufswegen. Ein Besuch in der Sportredaktion und schon hatten wir zwei Exklusivplätze auf der Rückbank eines Redaktionsautos. Kostenlos. Hurra. Hatten ja schon knapp 40 Euro für die Tickets gezahlt. Aber eine halbe Stunde später fanden wir uns erst einmal in einem Stau auf der A 8 in Höhe Dasing wieder.

Ein lehrreicher Ausflug zum Fußball

Schlimm war das aber nicht, war doch die Stimmung dank der zahlreichen Anekdoten des Kollegen aus der Sportredaktion bestens. Dies sollte sich während der gesamten zweieinhalbstündigen Fahrt nur kurz ändern, als das Gespräch auf die Lieblingsvereine HSV und 1860 München kam. Interessant waren auch die Einblicke, die unser Kollege geben konnte. Wir erfuhren nicht nur, inwieweit er bereits die Richtung seines Textes für die Augsburger Allgemeine im Kopf hatte, sondern auch, welche Fragen er bei der anschließenden Pressekonferenz zu stellen gedachte.

Und dann waren wir da. Imposant ist die Arena ja schon. Auch wenn man uns beiden Volos nicht unbedingt als Bayernfans bezeichnen kann. Gerade pünktlich zum Anpfiff saßen wir auf unseren Plätzen. Das satte Grün stand im Kontrast zu dem ansonsten bitterkalten und regnerischen Tag. Das Spiel war aber ohnehin interessanter, trafen mit dem FCB und Hoffenheim doch zwei ambitionierte Teams aufeinander. So langweilig die Partie aus unserer Sicht begonnen hatte (Tor für Bayern), so spektakulär hörte sie auf: Hoffenheim macht in der Schlussphase den Anschluss zum 4:3. Das Ergebnis war uns trotz seiner Knappheit dann aber doch nicht so wichtig, denn viel einprägsamer war die Stimmung.

Der AZ-Sportredakteur ließ keine Frage unbeantwortet

Lange Zeit hielt das Hoffenheimer Grüppchen lautstärketechnisch einigermaßen mit, und sogar die Münchner Fans ließen sich zu einem Wechselgesang hinreißen. Was im Februar noch selbst bei einem Sieg unwahrscheinlich war, ist heute in Zeiten von Geisterspielen unvorstellbar. Was sich festhalten lässt, ist, dass sogar ein Spiel der Bayern gegen Hoffenheim von der Stimmung her besser ist als ein Spiel ohne Zuschauer. Ob diese Einschätzung auch etwas mit unserer Begegnung mit Oliver Kahn am Bayernbus zu tun hat? Vielleicht. Aber noch viel interessanter war, dass der Sportredakteur, der seinen Text live während des Spiels verfasst hatte, uns sein Vorgehen bei der Heimfahrt schilderte. Insofern war der Ausflug auch lehrreich. Und wenn die Bayern demnächst ihre Meisterschaft vor einem leeren Marienplatz feiern, könnte sogar Nostalgie mitschwingen. Und das liegt nicht nur daran, dass die Meisterfeiern auch vor Corona schon immer weniger Besucher hatten.