Vanessa Polednia

Vanessa Polednia („Paula, Otto, Ludwig, Emil, Dora, Nordpol, Ida, Anton“) ist Jahrgang 1994, kommt aus Augsburg und studierte an der Uni Augsburg den Bachelor Sozialwissenschaften, sprich: Soziologie und Politikwissenschaften. Sie fährt nicht gerne Auto, deshalb kam die obligatorische Berufswahl der Taxifahrerin nicht in Frage. Die Alternative: über Gott und die Welt berichten. Und mit Welt ist, – bis auf kurze Gastspiele in Athen und Budapest – der Mikrokosmos Bayerisch Schwaben gemeint. Ihr Lokaljahr verbringt sie im schönen Dillingen.

Jeden Tag ein Abenteuer

Ein untrainiertes Stimmchen in Bombenstimmung

Bei Hitradio RT1 darf sich Volontärin Vanessa Polednia im ersten Monat ihres zweiten Ausbildungsjahres an der Günter Holland Journalistenschule austoben. Was das mit „Let’s Dance“ und einer Fliegerbombe zu tun hat …

Als gebürtige Augsburgerin verbinde ich mit dem Sender Hitradio RT1 das frühe Aufstehen zu Schulzeiten. Wenn der Wecker frühmorgens klingelte, war einer meiner ersten Griffe jener zum Einschaltknopf des Küchenradios: „Hallo hier ist Daniel Lutz und das Morgenteam“ schallte es dann aus dem Gerät. Das Morgenteam hat sich seitdem verändert, das Vertraute beim Lauschen ist geblieben.  

So früh wie die Moderatoren der Morgenshow musste ich in meinem Radiomonat zum Glück nicht mit der Arbeit beginnen. Aus der Dillinger Lokalredaktion der Donau Zeitung beziehungsweise aus dem Corona bedingten Homeoffice ging es von nun an täglich in das Bürogebäude des Radiosenders mit dem quietschorangenen Logo. Auch ohne Vorerfahrungen machten sich gleich Unterschiede im Vergleich zur Arbeit bei einer Zeitung bemerkbar. Verschlafene Schüler, Menschen, die gerade den Hausputz erledigen, sowie auch gestresste Autofahrer müssen die Nachrichten ohne Probleme verstehen können. Weit ausholen kann man in 30 Sekunden nicht. Aus fünf Telefonaten mit Brauereien aus der Region werden beispielsweise zwei Sätze zusammengefasst. Eine wertvolle Erfahrung, um sich als Journalistin auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Crossmediales Volontariat: Mein Monat bei Hitradio RT1 

Die Nachrichtenredakteurin Laura Tendel spricht eine Meldung ein.

Ein weiterer Unterschied: Die Arbeit der Nachrichtenredakteure ist mit dem Recherchieren, Anleiern und Verfassen von Meldungen nicht getan. Rechtzeitig vor den Nachrichtenblöcken muss das Geschriebene eingesprochen werden. Fast schon ehrfürchtig hörte ich wie aus Kollegin Laura die professionelle Nachrichtensprecherin Laura Tendel wurde, sobald das rote Lämpchen im Aufnahmestudio zu leuchten begann. Ich durfte mich – natürlich nur zu reinen Übungszwecken – ebenfalls an das Mikro wagen, um im Anschluss festzustellen, dass es gar nicht so leicht ist, professionell anstatt eingebildet sowie deutlich ohne roboterhaft zu klingen.

Das Schneiden von Interviews und O-Tönen ging dagegen leichter von der Hand. Unzählige „Ähms“ und „Mhms“ fielen dem unbarmherzigen Schnittprogramm zum Opfer. Nicht nur die Redakteure, sondern auch die Interviewpartner müssen sich beim Radio schließlich kurzfassen!

Fast eine Nachmittagsshow-lang begleitete ich Radiomoderator Felix Straube bei seiner Arbeit. Hier bekam ich noch einmal bestätigt: Das Moderatoren-Dasein besteht aus mehr als nur dem Abspielen von Hits. Jede Sendung hat ein Thema und wird vorrecherchiert, Interviewpartner werden aufgenommen und geschnitten, die aktuellen Wetterdaten für mehrere Gebiete eingesprochen und Anrufe von Zuhörern zu kontroversen Themen oder nur die neuesten Blitzer entgegengenommen. Kein Wunder, dass die Arbeit wie im Fluge vergeht.

Felix Straube ist Moderator bei Hitradio RT1.

Außerdem durfte ich erleben, wie viele Anläufe ein Profi-Sprecher wie Patrick Linke, auch bekannt als der Ansager der RTL-Sendung „Let’s Dance“, zum Einsagen eines Werbetextes braucht: genau einen Versuch.  

Augsburger Volontärin in Bombenstimmung

Ein wenig aufgeregt war ich dann doch, als es plötzlich hieß „Vanessa, fahr bitte schnell nach Langweid. Im Gewerbegebiet wurde eine Fliegerbombe gefunden. Ach ja, und schick uns von dort einen Reporter per Sprachnachricht.“ Reporter heißt, dass man vom Ort des Geschehens live schildert, wie die Lage ist. Unverhofft kommt oft. Und so durfte ich mein untrainiertes Stimmchen doch noch kurz im Radio hören. Die Bombenentschärfung ging übrigens recht zügig, ohne Komplikationen und bei bestem Sonnenschein vonstatten, und ich – im schwarz-orangenen Mini Cooper sitzend – flitzte mit einem Grinsen und einer Erfahrung mehr zurück ins Studio.

Diese 50 Kilo schwere Fliegerbombe wurde in Langweid entschärft.

Fliegendes Klassenzimmer

Abp-Seminar statt Corona-Alltag

Der Corona-Blues traf im Frühjahr auch die Jung-Volontäre der Augsburger Allgemeine. Das Seminar „Zeitungsjournalismus I“ an der Akademie der Bayerischen Presse war eine willkommene Abwechslung für uns.

Das Coronavirus hatte in den vergangenen Monaten auch die Günter Holland Journalistenschule der Augsburger Allgemeinen im Griff. Der siebenwöchige Einführungskurs blieb noch verschont, danach folgte Absage um Absage. Die heiß ersehnte Berlinfahrt fiel aus, der Besuch auf dem Bauernhof ebenso. Anstatt auf Ortsterminen neue Menschen und ihre Geschichten kennenzulernen, hieß es im Homeoffice sozialen Abstand nehmen. Der Alltag war plötzlich recht unspektakulär und monoton. Mit der Rückkehr in die Redaktionen verbesserte sich die Laune.

Jung-Volos der Augsburger Allgemeine im Corona-Blues

Die Volo-Tage und damit den Kontakt zu den Kollegen vermissten wir aber weiterhin schmerzlich. Im Gruppenchat diskutierten wir, ob nun auch das Seminar „Zeitungsjournalismus I“ an der Akademie der Bayerischen Presse (abp) in München ausfiele. Und ja, die erste Gruppe der Augsburger Allgemeinen, die im Mai in die bayerische Landeshauptstadt hätte fahren sollen, wurde auf den Herbst vertröstet. Immerhin. Nun folgte der zweite Termin an der abp, vom 6. bis 17. Juli, mit den Jung-Volos Piet Bosse, David Holzapfel, Sören Becker und mir. Die Freude war groß, als das Go kam. Zwei Wochen lang volles Lernprogramm, neue Leute kennenlernen und Hotelleben. Kurzum: Wir hatten Bock.

Im Hotel herrscht Maskenpflicht – außer für diesen Roboter in Lederhosen am Empfang. Fotos: Vanessa Polednia

Mit Gepäck beladen und dem obligatorischen Mundschutz ging es vom Augsburger Hauptbahnhof mit dem Regionalzug nach München. In der Akademie der Bayerischen Presse im Stadtteil Schwabing angekommen, gab es zunächst einmal eine Vorstellungsrunde und den Ablauf von Seminarleiter Claus Lochbihler erklärt. Zehn unterschiedliche, aber harmonierende Individuen von bayerischen und hessischen Verlagshäusern trafen hier aufeinander. Allein für den Austausch unter angehenden Redakteuren lohnte sich der Aufenthalt an der Akademie.

Vier Volontäre der Augsburger Allgemeine an der abp

Aber auch inhaltlich hatte der Kurs es in sich: Am Montag diskutierten wir mit Autor und Journalismustrainer Detlef Dreßlein über die journalistische Sprache in Print und Online. An zweieinhalb Tagen stand das Thema Reportage auf dem Programm. Hierfür begeisterte uns Chris Bleher, ebenfalls freier Autor und Journalismustrainer, mit seinem Wissen und Ideenreichtum. Dessen Leidenschaft für spannende und einfühlsame Texte steckte uns bei der Recherche und dem Schreiben der eigenen Übungsreportage an. 

Mit Peter Gaide zeigte uns ein erfahrener Interviewer, wie man aus einem mittelmäßigen Gespräch ein lesenswertes Interview macht. Dabei durften wir auch selbst ran. Drei Gäste aus verschiedenen Fachgebieten standen zur Verfügung: aus dem Sport, dem Tourismus und dem Münchner Immobilienmarkt. Das aufgenommene Videomaterial wurde im Anschluss gezeigt. Für einen Zeitungsjournalisten eine eher ungewöhnliche Situation. Doch das Feedback der Gruppe und des Kursleiters ließ aufatmen: Alle Interviews waren besser als erwartet.
Ebenso lehrreich waren die Kurstage mit Kassian Stroh, Redakteur der Süddeutschen Zeitung. Er zeigte uns, worauf es beim Redigieren ankommt und wie eine perfekte Nachricht aussehen muss. Reporterin Andrea Mertes lehrte uns die Kunst kreativer Kleintexte.

In den Pausen wurde auch Sport gemacht. Hier die Volos Piet Bosse (links) und David Holzapfel. 

Wie digitaler Journalismus im Jahre 2020 funktioniert – und was man dafür können muss, zeigte Sascha Borowski. Der „Chief Digital Editor“ der Allgäuer Zeitung, die ebenfalls zur Hälfte zur Augsburger Mediengruppe Pressedruck gehört, gestaltete einen abwechslungsreichen Kurstag. In zwei Lokalredaktionen aufgeteilt, übten wir unter anderem die mediale Aufbereitung einer Großveranstaltung und eines Unwetters in den Sozialen Medien. Und auch hier zeigte sich: Theorie ist gut, Übung ist besser. Theorie und Praxis kombiniert ist am besten.