Susanne Klöpfer

Susanne Klöpfer, Jahrgang 1996, kommt aus Winnenden. Sie hat in Stuttgart Journalistik studiert und war während ihres Auslandssemesters in London. Nach Praktika bei der Winnender Zeitung, Waiblinger Zeitung, Elle, Südwest Presse und freien Mitarbeiten für die Stadtmagazine Lift und Stadtkind kam sie zur Augsburger Allgemeinen. Ihr Lokaljahr absolviert sie in Donauwörth. In ihrer Freizeit macht sie gerne Yoga, spielt Fußball oder geht joggen.

Jeden Tag ein Abenteuer

Hurra Stadtrat! Volontärin ist begeistert von kommunaler Berichterstattung

Stadtratssitzung in Harburg

Als Volontärin der Günter Holland Journalistenschule berichtet man im Lokaljahr bei der Augsburger Allgemeinen auch über einen Gemeinde- oder Stadtrat. Wie diese Aufgabe einer Volontärin (unverhofft) viel Freude bereitet.

Beschluss, Ausschuss oder Haushalt sind Begriffe, die mir vor ein paar Monaten nicht viel gesagt haben. Doch seit dem Beginn meines Volontariats bei der Augsburger Allgemeinen ist klar: In meinen elf Monate in der Lokalredaktion muss ich mich damit auseinandersetzen. Als Volontärin übernehme ich dort einen Gemeinde- oder Stadtrat. Davon hatte ich zumindest durch Kommunalwahlen mal gehört oder in meiner Heimatzeitung gelesen. Aber in einer mir fremden Gemeinde oder Stadt über die kommunalpolitischen Entscheidungen zu berichten? Davor hatte ich zuerst Respekt und auch Bedenken, wie spannend das sein könnte.

Stadtrat gleich am ersten Tag in der Lokalredaktion

Der Harburger Stadtrat, den ich in meiner Lokalredaktion in Donauwörth betreue, war sogar Teil meines ersten Tages in der Redaktion. Damals sagte ein Kollege: „Abends ist Stadtratssitzung in Harburg, aber ich übernehme das. Eigentlich schade, es ist heute ziemlich spannend.“ Eine spannende Stadtratssitzung? Das weckte mein Interesse. Also nutzte ich meinen ersten Tag dazu, den Kollegen abends in den Stadtrat zu begleiten. Anstatt Feierabend zu machen, fuhr ich mit dem Redaktionsauto zur Sitzung nach Harburg, eine Stadt mit etwa 5500 Einwohnern.

Zu meiner Überraschung saßen knapp 100 Bürger auf Holzstühlen in der Schulaula. Das hatte ich nicht erwartet. Die Idee für einen Dorfladen brachte ungewöhnlich viele Menschen zur Stadtratssitzung. Mehr schlecht als recht verstand ich, um was es ging und wer sich zu was und wie überhaupt äußerte. Gespannt verfolgte ich die Interaktionen und beobachtete Redner sowie Zuschauer. Der Kollege kritzelte hastig alle Details in seinen Notizblock. Mein Gedanke danach: Puh, wie soll ich da durchblicken?

Zweite Sitzung: der gefürchtete Haushalt

In der nächsten Stadtratssitzung stand der von mir etwas gefürchtete Haushalt an. Der Haushaltsplan zeigt, wie die Gemeinde oder Stadt finanziell dasteht, was die wichtigsten Einnahmequellen sind, wie hoch die Steuern sind, ob sie Ersparnisse oder Schulden hat und vor allem für was sie das Geld ausgeben will. Darüber hatte ich im siebenwöchigen Einführungskurs der Günter Holland Journalistenschule in Augsburg am Anfang des Volontariats schon mehr gelernt. Eine Lokalredakteurin hatte uns damals über die Tücken der Haushaltsberichterstattung aufgeklärt.

Also rief ich, wie gelernt, den Bürgermeister und Kämmerer (Leiter der Finanzverwaltung) an, um mit ihnen später im Rathaus die finanziellen Pläne der Stadt durchzugehen. Mein Kollege erklärte mir im Vorfeld einige Themen, ich versuchte mich einzulesen und ging nochmal das Gelernte zum Haushalt durch. Vorbereitet, aber noch etwas unsicher, setze ich mich am abends an den Platz für die Presse in der Schule in Harburg. Seite für Seite füllte ich meinen Notizblock mit jedem kleinsten Detail. Die Aufgabe für den nächsten Tag war es, alle Fakten auf das Wichtigste zu reduzieren und verständlich für den Leser zusammenzufassen. Bis Ende des Tages füllte ich unter Zeitdruck eine Zeitungsseite mit dem Haushalt und den Stimmen der einzelnen Fraktionen.

Mehre Monate später: Volontärin freut sich auf jede Stadtratssitzung

Nach knapp acht Monaten in meiner Lokalredaktion in Donauwörth freue ich mich über jede Einladung zur nächsten Stadtratssitzung. Mittlerweile öffne ich gespannt die Mail aus dem Rathaus mit den anstehenden Themen. „Beschlussfassung über neue Kindergartenplätze“, „Beratung über Stadtfest 2024“ oder „Stellungnahme zum Antrag auf Errichtung von Windenergieanlagen“ lösen in mir den Drang aus, mehr darüber zu erfahren.

Der Bürgermeister hat zwar oft viel zu tun und ist nur schwer zu erreichen, erläutert mir aber jeden Punkt im Vorfeld. Mein Kollege, der unglaublich viel über die Stadt, die Bewohner und jedes Thema dort weiß, versorgt mich mit noch mehr Hintergrundwissen. Im Stadtrat blicke ich durch, welches Ratsmitglied sich zu den Themen äußert und stelle nach der Sitzung Nachfragen zu Details. Am Tag danach versuche ich für die aktuelle Ausgabe so verständlich wie möglich die Artikel zu manchmal komplizierten Beschlüssen zu schreiben.

Berichterstattung über Stadtrat macht unerwartet viel Freude!

Ich muss zugeben, dass die kommunale Berichterstattung in meiner Lokalredaktion mir unerwartet viel Freude bereitet. Meine Erkenntnis: Die Entscheidungen auf kommunalpolitischer Ebene betreffen die Menschen vor Ort direkt und andersherum können die Bürger auch durch Eigeninitiative beeinflussen, dass ihre Probleme, Wünsche oder Ideen vom Stadtrat diskutiert werden.