Lisa Gilz

Lisa Gilz, Jahrgang 1994, ist in der Eifel geboren und damit, wie man so sagt, eine Zugezogene. Seit fünf Jahren tut sie in Augsburg ihr Bestes, um sich in Schwaben zu integrieren. Mittlerweile spielt sie gern, wenn auch mehr schlecht als recht, Schafkopf und sagt Blaukraut statt Rotkraut. Wenn sie nicht grade versucht die schwäbische Mentalität zu verinnerlichen, widmet sie sich ihrem Skizzenbuch. Nach einem abgeschlossenen Literaturstudium und eineinhalb Jahren Erfahrung in der Augsburger Stadtredaktion als Freie Mitarbeiterin, verbringt sie ihr Lokaljahr nun in der Nördlinger Redaktion der Rieser Nachrichten.

Alles, was uns bewegt

Zero Waste: Weniger Plastikmüll im Volontariat

Volontärin Lisa Gilz möchte auch während des Volontariats an der Günter Holland Journalistenschule möglichst auf Plastikmüll verzichten.

Als Studentin plastikfrei leben, um dann im Volontariat wieder in alte Muster zu verfallen? Das kann es doch nicht sein, dachte sich Volontärin Lisa Gilz und fasste einen Plan.

So, für das Thema muss ich erstmal zwei Jahre ausholen. Damals war ich noch Studentin und habe bei der Augsburger Allgemeinen als freie Mitarbeiterin gearbeitet. Angeregt durch verschiedene Umstände startete ich einen siebentägigen Selbstversuch: Ziel war es, möglichst Plastikfrei zu leben und unnötigen Müll zu vermeiden. Da mir das Ganze am Herzen lag, hatte ich mit meiner Redaktion vorab gesprochen und es als Thema vorgeschlagen. Rückblickend auf den Artikel und die sieben Videos, die ich für den Online-Auftritt der Augsburger Allgemeinen gemacht habe, bin ich enttäuscht von mir selbst, dass von dieser Motivation so wenig übrig geblieben ist. Nicht nur die Pandemie, auch der Start in den Arbeitsalltag als Volontärin, haben sich negativ darauf
ausgewirkt, wie konsequent ich meine eigene Umweltpolitik umsetze.

Beim Pendeln im Volontariat in die Plastikfalle getappt

In den letzten Monaten musste ich neu lernen, wie ich möglichst Zero Waste durch den Alltag komme. Dazu gehörte unter anderem, den inneren Schweinehund erneut zu überwinden. Die Entscheidung, jeden Tag mit dem Zug von Augsburg nach Nördlingen, wo meine Lokalredaktion liegt, zu pendeln, machte das zunächst nicht einfach. Statt morgens etwas von zuhause einzupacken, nahm ich mir lieber Frühstück beim Bäcker mit. Die Menge des Mülls, den ich allein durch Bäckertüten anhäufte, machte sich im Eimer unter meinem Arbeitsschreibtisch schnell bemerkbar. Dazu kamen die Artikel, die ich zur Korrektur ausdruckte und die Verpackung meines Mittagessens, das ich mir irgendwo zu Mitnehmen organisierte. Von den gebrauchten Masken, Notizzetteln, oder anderem kleinerem Müll mal abgesehen.

Ziel: Auch als Journalistin weniger Plastikmüll erzeugen

Zeit für Selbstreflektion: Meine Handhabung mit Müll musste sich unbedingt wieder ändern, der meiste Abfall war schließlich das Produkt meiner eigenen Faulheit. Die Rieser Nachrichten,
meine Lokalausgabe, und ihre Mitarbeiter machten mir den Anfang ein bisschen einfacher. Meine Kollegen versuchen ebenfalls, wenig Müll zu produzieren und halten in einer Schublade mehrere
Dosen und Becher bereit, um damit beim Bäcker, im Restaurant oder Café auf Einwegverpackungen verzichten zu können. Nördlingen hat zudem einen Unverpackt Laden, der an zwei Tagen warmen Mittagstisch anbietet. Das Mitbringen einer Dose wird hier erwartet, während in anderen Restaurants Mehrwegprodukte aus dem Privatgebrauch nicht angenommen werden, weil
Einwegverpackungen in der Pandemie hygienischer sind.

Gemüseschalen wandern in den Gefrierschrank, um Müll zu vermeiden.                   Foto: Lisa Gilz

Zuhause habe ich wieder angefangen, Jutebeutel, Brotdose und Thermobecher in meinen Rucksack zu packen. Ich werde immer besser darin, beim Wocheneinkauf Verpackung zu vermeiden. Die meisten Gemüseschalen und Abschnitte wandern in eine Sammeltüte im Gefrierschrank. Daraus kann man prima eine Brühe kochen. Abends koche ich die doppelte Menge, damit ich am nächsten Tag mein Mittagessen bereits dabei habe. Das spart nämlich nicht nur Müll, sondern auch Geld.

Die Augsburger Allgemeine Zeitung wiederverwenden

Als Journalist, der mit Stift und Papier durch die Welt läuft, gibt es einzelne Punkte, die ich noch nicht ganz dem Zero-Waste Lifestyle unterziehen konnte. Da sind zum Beispiel meine Blöcke, die ich nutze um Gespräche festzuhalten und die vielen Kugelschreiber, die sich fast wie von selbst leer schreiben. Ganz abgesehen mal davon, dass die gedruckte Tageszeitung selbst ein Einwegprodukt ist. Doch muss sie nicht gleich weggeschmissen werden. Am Erscheinungstag informiert sie mich und später lässt sich eine Biomülltüte daraus falten, Gläser können damit sicher verstaut und Geschenke verpackt werden. Die Liste Zeitung zu upcyceln ist lang.

Fazit: Das Vorhaben, unnötigen Müll zu vermeiden, erschien mir am Anfang des Volontariats an der Günter Holland Journalistenschule wie etwas Unüberwindbares, für das ich weder die Zeit noch die Motivation aufbringen könnte. Aber wie vor zwei Jahren, musste ich wieder einmal feststellen, dass es einfach Gewohnheitssache ist. Ist man einmal in dem Rhythmus drin, fällt es einem auch nicht mehr so schwer. Zurzeit arbeite ich aus dem Homeoffice, das macht sich positiv in der Müllstatistik bemerkbar. Wer das Haus nicht verlässt, schleppt auch keinen fremden Müll ins eigene Heim. Wenn ich wieder nach Nördlingen pendle, nehme ich mir fest vor, weiter die Augen nach unnötigem Müll offenzuhalten und alternative, müllfreie Lösungen zu finden.

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Ohne großes Händeschütteln: der Start ins Volontariat

Volontärin Lisa Gilz in der Redaktion der Rieser Nachrichten in Nördlingen. Bild: Lisa Gilz

Ihren Einführungskurs an der Günter Holland Journalistenschule hat Neu-Volontärin Lisa Gilz hauptsächlich digital erlebt. Wie es ihr dabei ergangen ist und auf was sie sich nun am meisten freut, lest ihr hier.

Als ich letztes Jahr die Zusage für einen Volontariatsplatz an der Günter Holland Journalistenschule der Augsburger Allgemeinen bekommen habe, war ich ziemlich aus dem Häuschen. Natürlich, die Pandemie war noch im vollen Gange, aber im Herbst habe ich gedacht, dass mit Abstand alles funktionieren werde. Leider kam dann die zweite Welle, mit mehr Infizierten als in der ersten und Bayern ging wieder in den Lockdown.

Neuanfänge sind etwas, das ich liebe, man wird ganz kribbelig und freut sich auf die vielen Sachen, die man lernen und die unbekannten Menschen, die man treffen wird. Besonders auf meine elf Mit-Volontäre hatte ich mich gefreut. Schließlich sind wir ein Team und bestreiten mehr oder weniger die kommenden zwei Jahre zusammen. Nach mehreren Updates war dann Anfang des Jahres klar, dass wir uns erstmal nur über Videoanrufe sehen würden. Anstatt sieben Wochen gemeinsam in einem Raum die Grundlagen des Journalismus zu lernen, lief alles virtuell ab, ohne großes Händeschütteln.

Die meiste Zeit des Volo-Einführungskurses nahmen Online-Meetings in Anspruch

Anstatt dass wir in den Seminarräumen der Augsburger Allgemeinen saßen, wurden wir schon in unsere Lokalredaktionen geschickt. Ein Vorteil, den die Volontäre vor uns noch nicht hatten. Hier konnten wir uns an das Redaktionsgeschehen herantasten, wenn wir Luft nach den Online-Seminaren hatten. Ich konnte dadurch auch meinen Vorgänger noch treffen, mich an die neue Umgebung in Nördlingen gewöhnen und in den Rhythmus der Rieser Nachrichten kommen. Die meiste Zeit nahmen aber die Online-Meetings in Anspruch. Technische Probleme wurden meist schnell beseitigt und uns wurde das Wichtigste an die Hand gegeben, um im Redaktionsalltag zurecht zu kommen.

Während unsere Seminarleiterinnen und -leiter versuchten, das Wissen best möglich zu vermitteln, gaben wir unser Bestes zueinander Anschluss zu finden. Wir haben Glück, in einer Zeit zu leben, in der das Internet eine Vielzahl an Plattformen bietet, um zusammen zu kommen. Auch wenn man sich vielleicht nur als eins von zwölf Bildchen bei einem Video-Call kennt, wurden Fragen von Anfang an in einer Chatgruppe geklärt und nach der ersten Woche ohne Video-Meetings haben wir es auch geschafft, uns virtuell zu treffen und unsere ersten Eindrücke zu teilen.

Ich sehne schon die Zeit nach der Pandemie herbei, wenn wir die praktischen Seminarteile nachholen und Exkursionen im Rahmen des Volontariats machen. Mit dem Gedanken so viele Menschen in Realität zu treffen steigt die Vorfreude auf das kommende Jahr und das kribbelige Gefühl macht sich wieder bemerkbar.