Andreas Dengler

Andreas Dengler, Jahrgang 1992, kommt aus dem kleinen Dorf Baar im Wittelsbacher Land (Landkreis Aichach-Friedberg). Für das Studium der Amerikanistik, Religions- und Kulturwissenschaft wechselte er in die Landeshauptstadt München. Kurz vor Studiumsende legte er noch ein Praktikum bei einer deutschsprachigen Wochenzeitung in Athen ein. Trotz Studium und Auslandsaufenthalt bleibt er seiner Heimatgemeinde verbunden und bevorzugt vor allem die lokalen Geschichten. Im Lauf des Studiums beginnt er für den Landboten und die Aichacher Nachrichten zu schreiben. Sein Lokaljahr verbringt er bei der Neuburger Rundschau. In der Freizeit zieht es Andreas zu Fuß oder mit dem Rad in die Natur – ein richtiges Dorfkind eben.

Jeden Tag ein Abenteuer

Wenn die Tarnmaske dich auffliegen lässt: Meine ersten Termine mit Mundschutz

Die Maske ist meine neue Begleiterin auf Terminen. Foto: Heidrun Budke

Nach sechs Wochen im Homeoffice, die ich der Corona-Pandemie zu verdanken habe, darf ich wieder raus. Spannende Menschen treffen, sie interviewen und das Geschehen live miterleben. Als Volontär der Lokalredaktion in Neuburg heißt das, ausgestattet mit Stift, Block und Kamera auszurücken. Neu in meiner Grundausrüstung ist jetzt eine khakifarbene Communitymaske, die perfekte Tarnung für jeden Lokaljournalisten. Wie die ersten Termine mit Mundschutz abgelaufen sind.

Endlich ist es soweit. Nach sechs Wochen im Homeoffice, die ich der Corona-Pandemie zu verdanken habe, darf ich wieder raus. Spannende Menschen treffen, sie interviewen und das Geschehen live miterleben. Das ist eine mehr als willkommene Abwechslung nach etlichen Telefoninterviews und schriftlichen Presseanfragen in den vergangenen Wochen. Gleich zwei Außentermine hintereinander erwarten mich. Als Volontär der Lokalredaktion in Neuburg heißt das, ausgestattet mit Stift, Block und Kamera auszurücken. Neu in meiner Grundausrüstung ist jetzt eine khakifarbene Communitymaske, die perfekte Tarnung für jeden Lokaljournalisten im Hintergrund. Aber am Ende ist sie es, die mich auffallen lässt.

Mein erster Abendtermin nach dem Corona-Lockdown führt mich nach Ehekirchen. Dort wird unter Beachtung strenger Hygienemaßnahmen die konstituierende Sitzung des neu gewählten Gemeinderats abgehalten. Zwar kenne ich bereits den groben Ablauf solcher Versammlungen aus meiner Zeit als freier Mitarbeiter, dennoch ist der erste Besuch eines neuen Gemeinderats für mich immer ein spannender Termin. Generell können Gemeinderatssitzungen, egal wie groß der Ort sein mag, Überraschungen bereithalten. Die zuvor veröffentlichten Tagesordnungspunkte erscheinen manchmal auf den ersten Blick lapidar, aber in der Diskussion haben sie es dann in sich. Gerade deshalb lohnt sich der Besuch einer Sitzung.

Erschwerte Vorbereitungen in Corona-Zeiten

Wenn ich zum ersten Mal über eine Gemeinde berichte, bereite ich mich vor der Sitzung gründlich vor. Zum Prozedere gehört nicht nur, dass ich alte Artikel im Archiv lese und Kollegen nach deren Einschätzung frage, sondern auch, dass ich mir die Namen der Ratsmitglieder einpräge. Vor allem die Gesichter versuche ich mir zu merken. Die Rätin mit der großen Brille, der Lokalpolitiker mit dem Vollbart oder das jüngste Mitglied – meistens hat jeder Mandatsträger ein Alleinstellungsmerkmal, das ihn von dem Rest abhebt. Das mag jetzt für Außenstehende oberflächlich klingen, aber so bleibt mir die Blamage erspart, die Räte ohne Namen ansprechen zu müssen. Außerdem schafft eine persönliche Begrüßung gleich eine gute Gesprächsbasis. Hier zahlen sich also Wissen und Vorarbeit aus, aber das gilt eigentlich für jeden Außentermin.

Genau diese Vorbereitung bereitet mir in Zeiten der Maskenpflicht Kopfzerbrechen. Wie um Himmelswillen soll ich die vielen unbekannten Gesichter zuordnen, wenn sie alle hinter einem Mundschutz versteckt sind. Dennoch recherchiere ich im Archiv die verschiedenen Räte. Beim ersten Termin nach Corona sollte man nicht von bewährten Mustern abweichen.

Das erste Mal mit Maske

In fünf Minuten bin ich da. Mein Handynavi lotst mich an mein Ziel. Und das lautet für diesen Abend:  Turnhalle Ehekirchen. Um die Abstandsregeln einzuhalten, verlegt die Gemeinde die Sitzung vom Rathaus in die benachbarte Halle. Noch 15 Minuten bis zum Beginn, Parkplatz vor der Tür, es läuft. Der Moment der Momente ist gekommen: Ich setze erstmals meine Maske für einen Arbeitstermin auf. Überhaupt sind das kleine Stoffteil und ich noch in der Kennenlernphase. Vorsichtig hochziehen, hier noch etwas nachschieben, passt ­– jetzt ist alles gut verdeckt. Na gut, ein bisschen zieht es schon hinter den Ohren, aber da muss ich durch. Bis ich aus dem Auto gestiegen bin, ist meine Brille natürlich schon beschlagen. Kurzerhand entscheide ich, die Brille heute Abend nur bei Bedarf aufzusetzen.

Die Gemeinderäte in Ehekirchen halten Abstand. Foto: Andreas Dengler

 
Der Weg findet sich leicht. Am Eingang der Halle sind Desinfektionsmittel und Masken ausgelegt. Kollegen haben mir berichtet, dass ihnen viele der jüngsten Sitzungen wie bunte Maskenbälle vorgekommen sind. Egal ob der Oberbürgermeister, der frisch ernannte Jugendreferent oder die neu gewählten Ratsmitglieder, alle haben die schützenden Modeaccessoires getragen. Eben eine solche Parade habe ich auf meinem ersten Abendtermin erwartet. Aber statt in Maskengesichter schaue ich in verdutzte Mienen. Der Blick durch die Reihen verrät, der Grund für das Staunen bin ich mit meinem khakifarbenen Mundschutz.

Mitläufer oder Einzelträger?

Kurz überlege ich, die Maske schnell abzunehmen und zu lächeln. Nur nicht auffallen und schön im Hintergrund bleiben. Aber so leichtfertig will ich den Mund-Nasen-Schutz nicht aufgeben. Tapfer behalte ich ihn die ganze Sitzung über auf. Beim Fotografieren, während der kurzen Gespräche in der Sitzungspause bis zum Auto. Vor allem das Sprechen fällt mit Mundschutz schwer. Noch schwieriger wird es aber, wenn der Gesprächspartner gegenüber keinen trägt.

Endlich im Auto. Geschafft. Vermutlich denken die Räte der Neue von der Zeitung hat einen an der Klatsche. Aber das ist mir egal. Ich habe das Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Mit roten Backen und ohne Maske geht es heim.

Termin mit Mundschutz – Klappe die Zweite

In nur ein paar Stunden steht schon der nächste Termin an. Natürlich ist meine neue Begleiterin wieder mit dabei. Streng genommen eine meiner neuen Begleiterinnen. Nach drei Stunden Dauereinsatz kam meine Tarnmaske erstmal in die Wäsche. Aber keine Sorge, auch mein Ersatz ist farblich doch eher zurückhaltend: eine schwarze Maske mit roten Gummibändern. Eigentlich ganz schick, zumindest für einen Mundschutz.

Diesmal geht es zur evangelischen Christuskirche in Neuburg. Die Pfarrgemeinde hat gemeinsam mit der evangelischen Apostelgemeinde zum Pressegespräch geladen. Thema ist das Hygienekonzept in den bevorstehenden Gottesdiensten, die nach dem Verbot jetzt wieder geplant sind. Bereits vor der Kirche treffe ich einen der drei Pfarrer. Ich frage ihn, ob wir eine Maske tragen sollen. Er ruft kurz seinen Kollegen zu und wir entscheiden uns, auf die Masken zu verzichten. Zu fünft sind wir in dem großen Pfarrsaal. Den Mindestabstand von zwei Metern erfüllen wir locker.

Bitte lächeln – Fotos mit Maske

Für das Foto setzen die drei Pfarrer aber ihren Mund-Nasen-Schutz auf. Sie wollen wohl als gutes Vorbild vorangehen. Und mir als Fotografen erleichtern sie die Arbeit, denn mit Maske dürfen sie sich kurz näher zusammenstellen. Die neuen Abstandsregeln machen das Fotografieren auf Terminen nicht unbedingt leichter.

Die Pfarrer aus Neuburg ziehen für das Foto ihren Mundschutz an. Foto: Andreas Dengler

Zufrieden kehre ich der Christuskirche den Rücken zu und mache mich wieder auf den Weg ins Homeoffice. Schnell noch den Aufmacher für die morgige Ausgabe schreiben. Für künftige Termine mit Maske habe ich gelernt, dass ich einfach meine Interviewpartner frage und wir dann gemeinsam eine individuelle Vereinbarung treffen. Und solange tarnen sich meine Masken frisch gewaschen und jederzeit einsatzbereit in meiner Schreibtischschublade. 

 

Den Artikel über meine erste Gemeinderatssitzung mit Mundschutz findet ihr hier. Über meinen zweiten Termin habe ich folgenden Text geschrieben.