Piet Bosse

Piet Bosse, Jahrgang 1995, geboren in Hamburg, ist nun von einer Metropole ins beschaulichere Augsburg gezogen. Der Kindheitstraum, über Profisport zu berichten, brachte ihn nach einem einjährigen Abstecher nach Frankreich zu seinem Irgendwas-mit-Medien-Studium. Anschließend sammelte er als freier Mitarbeiter und ewiger Praktikant Erfahrungen im Sportjournalismus. Nach einem knappen Vierteljahrhundert in der hanseatischen Metropole und anderen Großstädten ging es nun nach Augsburg, wo die Menschen sich plötzlich auf der Straße grüßen und, aus der Sicht eines Nordlichts, außergewöhnlich gesprächig sind. Das Lokaljahr führt Piet in die 13.000-Einwohner Kleinstadt Schwabmünchen, wo er weiteren völkerkundlichen Erfahrungen mit Spannung entgegensieht.

Alles, was uns bewegt

Der Einführungskurs an der Günter Holland Journalistenschule – Sprachbarrieren und neue Perspektiven

Die Volontäre 2020 mit ihren Lokalausgaben vor dem Verlagsgebäude in Lechhausen. Foto: Jochen Aumann

Ob Fotokurs, der Besuch eines Eishockeyspiels der Augsburger Panther, ein Tag im Amtsgericht, oder das Gastspiel in einem streitlustigen Gemeinderat: Die zwölf Volontäre der Günter Holland Journalisten Schule erwartete beim Einführungskurs unbekannte Perspektiven, die die Vielfalt im Journalismus widerspiegeln.

„Hast du Veschper dabei?“ fragte mich der noch ziemlich unbekannte Mitvolontär am ersten Tag des Einführungskurses im Verlagsgebäude der Augsburger Allgemeinen. Vor meinem geistigen Auge taten sich große Fragezeichen auf, ich hatte dieses Wort als Hamburger an meinem ersten Tag in Schwaben noch nie gehört. „Na, Veschper“, wiederholte er und ich war noch immer vollkommen verdattert. „Was soll das sein?“, fragte ich mich – und: „Reden die hier alle so?“ Nein, tun sie zum Glück nicht. Veschper stellte sich nach der freundlichen Aufklärung des Mitvolontärs als fränkischer Begriff für das schwäbische, und sehr viel besser zu verstehende, Wort Brotzeit heraus.

Puh, erste Hürde überstanden, dachte ich mir. Die nächste sprachliche Barriere ließ nicht lange auf sich warten, war aber sehr viel  niedriger. Als mich Stefanie Sayle, Geschäftsführerin der Günter Holland Journalistenschule und somit unsere Volontärs-Ausbilderin, fragte ob ich wisse, was „Zamm“ bedeute.

Es begann mit sprachlichen Barrieren, und auch wenn ich mich als Nordlicht an einige schwäbische Eigenheiten, wie das ständige „Sch“ im Dialekt und die außerordentliche Gesprächsbereitschaft der Menschen, die auch nicht vor der Toilettentüre Halt macht, gewöhnen musste, folgten sieben Wochen voller wirklich spannender Eindrücke und vieler verschiedener Perspektiven.

Multimediale Ausbildung an der Günter Holland Journalistenschule – und Spiele zwischendurch

Ob Fotokurs, der Besuch eines Eishockeyspiels der Augsburger Panther, Überschriftentraining, ein ganzer Tag im Amtsgericht, Kulturberichterstattung, oder das Gastspiel in einem streitlustigen Gemeinderat: Überall erwarteten zwölf stets topmotivierte, wissbegierige und diskussionsfreudige Volos vorher unbekannte Perspektiven, die die Vielfalt im Journalismus widerspiegelten.

Beim Spiel der Augsburger Panther waren die Volontäre sichtlich gut gelaunt bei der Arbeit. Foto: Piet Bosse

Natürlich gab es auch zähere Veranstaltungen, wie das Training mit dem Redaktionssystem Alfa. Und obwohl der ein oder andere in der Lokalredaktion wahrscheinlich immer noch nicht weiß, wie man einen Artikel festsetzt oder die Voreinstellungen der Suchanfrage speichert, war auch der Alfa-Kurs durch – sagen wir mal interessante – Spiele von Abwechslung durchzogen. So mussten wir beispielsweise einen großen Ring zu zwölft auf den Boden legen, ohne ihn loszulassen, oder die Nadel im Heuhaufen finden.

Um andere Perspektiven ging es ebenfalls, als wir uns ganz am Anfang gegenseitig porträtierten und plötzlich die Fragen beantworten sollten, die wir sonst selbst stellen. Perspektivwechsel waren auch der Fotokurs mit Jochen Aumann und Silvio Wyszengrad und das unterhaltsame Videoseminar mit Karl Rauch. Dort haben wir uns in unseren eigenen Videos gegenseitig beigebracht, dass man im Fahrstuhl keinen Rucksack vergessen sollte, dass ohne Kaffee gar nichts geht und, dass sich die Pforten des Verlagsgebäudes nicht mit dem Führerschein öffnen lassen.

Vielfalt steht bei den Volontären im Vordergrund

Natürlich haben uns auch die zahlreichen Redakteure der Augsburger Allgemeinen in verschiedenen Funktionen als Dozenten einiges beigebracht. Vermutlich viel mehr als wir uns gegenseitig hätten beibringen können. Da wäre die Kulturberichterstattung mit Kulturredakteur Richard Mayr, das Überschriftenseminar mit Stefanie Sayle, das journalistische Handwerkszeug und die Nachricht, die uns Michael Pohl nähergebracht hat, die Gerichtsberichterstattung mit Jan Kandzora, das Sportressort mit Milan Sako und, und, und.

Nicht vergessen wollen wir die spannenden Gesprächsrunden mir Chefredakteur Gregor Peter Schmitz, seinem für die digitale Transformation zuständigen Stellvertreter Yannick Dillinger und der stellvertretenden Chefredakteurin Andrea Kümpfbeck. Sie haben uns, genau wie viele weitere Dozenten, neue Perspektiven aufgezeigt.

Mehr als nur eine Schulung bei der Augsburger Allgemeinen

Auch auf dem Eis hatten die Volontäre gemeinsam Spaß. Foto: Piet Bosse

Abseits des idyllisch gelegenen Verlagsgebäudes der Augsburger Allgemeinen zwischen Müllverbrennungsanlage und Autobahn, haben wir uns auch untereinander besser kennengelernt. Ob auf dem Eis beim Schlittschuhlaufen, beim innigen Karaoke-Singen oder nur beim Rauchen in der Mittagspause. Einführungskurs hieß nicht nur viel lernen, neue Eindrücke und schreiben, sondern auch sehr viel Spaß untereinander.

Journalisten wollen schreiben, rausgehen, Fotos machen, mit Menschen reden und Geschichten entwickeln. Wir auch. Umso besser, dass wir uns nun in den Lokalredaktionen der Augsburger Allgemeinen austoben können. Trotzdem denken wir, oder ich zumindest, mit einem Grinsen an die sieben gar nicht mal viel zu langen Wochen zurück. Deshalb freue ich mich auf die in den nächsten zwei Jahren anstehenden Volotage in der Augsburger Zentrale. Dann habe ich mit Sicherheit auch ein „Veschper“ dabei.