Sören Becker



Jeden Tag ein Abenteuer

Zirkus Corona: Wie Corona den Circus Krone lahmlegte

Zirkusdirektor Martin Lacey Junior mit King. Foto: Markus Merk

Mein erster größerer Auftrag als Volontär bei der   Augsburger Allgemeinen war das Gastspiel des Circus Krone in Gersthofen. Er  war das erste Mal zu Besuch in der Stadt, weil man auf dem Plärrergelände im benachbarten Augsburg, wo er sonst immer sein Gastspiel gegeben hatte, Munition aus dem zweiten Weltkrieg gefunden hatte. Der nächstgelegene geeignete Platz war der Festplatz in Gersthofen. Mein Redaktionsleiter Christoph Frey schickte mich zum Interview.

Mein erster größerer Auftrag als Volontär bei der   Augsburger Allgemeinen war das Gastspiel des Circus Krone in Gersthofen. Er  war das erste Mal zu Besuch in der Stadt, weil man auf dem Plärrergelände im benachbarten Augsburg, wo er sonst immer sein Gastspiel gegeben hatte, Munition aus dem zweiten Weltkrieg gefunden hatte. Der nächstgelegene geeignete Platz war der Festplatz in Gersthofen. Mein Redaktionsleiter Christoph Frey schickte mich zum Interview.

Tag 1: Der Aufbau

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Als ich auf dem Festplatz ankam, war der ganze Platz belegt. Die 7000 Quadratmeter wurden voll genutzt. Hunderte  Menschen bauten  an dem Zelt, das 2800 Menschen fassen sollte und mehr als den halben Platz einnahm, obwohl es noch nicht fertig aufgebaut war. Tourmanager Harald Ortlepp ließ mich wissen, dass mehrere Dutzend 40-Tonner das benötigte Material hertransportiert hatten. Und die Tiere waren noch nicht mal dabei.

Die Schwaben freuten sich auf den Zirkus. Täglich bekam ich Anrufe aus allen möglichen Redaktionen durchgestellt, die mich fragten, wann die Vorstellungen seien  und ob es noch Karten gebe. Die Pressesprecherin des Circus Krone, Anke Reuber, sagte mir, der Vorverkauf sei rekordverdächtig. Der Artikel, den ich geschrieben habe,  wurde im Regio-Teil der Zeitung veröffentlicht und schien gut aufgenommen zu werden: „Sie haben eine Menge Abos verkauft. Sagen sie [Onlinechef] Yannick Dillinger beim nächsten Volotag, dass er Ihnen ein Eis ausgeben soll“, sagte Herr Frey zu mir.

Tag 2: Löwen, Zebras und Corona

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So gut konnte es nicht weitergehen. Die ersten Corona-Fälle erreichten den Landkreis Augsburg. Ich war währenddessen noch dabei, den Circus Krone zu betreuen, der gerade auf seine erste Vorstellung hinarbeitete. Bei meinem nächsten Besuch auf dem Festplatz war auch Direktor Martin Lacey Junior anwesend. Als ich ihm, ohne an den Virus zu denken, die Hand hinhielt  lehnte er ab. Stattdessen stupste er mich mit seinem Ellenbogen an: „Sicherheit geht vor“, sagte er. Trotzdem führte er mich durch seine Stallungen, in denen mittlerweile Pferde, Lamas und Zebras waren, zeigte mir seine Löwen (deutlich größer als man meinen würde) und ließ mich Fotos und Videos machen. Irgendwann bekam  er einen Anruf und trat zur Seite. Ab diesem Moment war er deutlich schlechter gelaunt als vorher. Als ich in die Redaktion zurückkam erfuhr ich, worum es ging: Die Stadt Gersthofen hatte gerade Veranstaltungen mit über 1000 Teilnehmern verboten. Lacey Junior würde also einen Großteil des rekordverdächtigen Umsatzes zurückerstatten müssen. Ein Gutteil meines Tages wurde nun davon eingenommen, Lesern und Kollegen zu erklären, wie Sie ihr Geld zurückerstattet bekommen könnten und wer reingelassen werde.

Tag 3: Der erste und letzte Stopp der Deutschlandtour

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Die Premiere lief trotzdem gut. Fast niemand musste weggeschickt werden. Corona hatte den Leuten wohl die Lust auf den Zirkus genommen. Niemand wurde von einem Löwen angefallen, keiner fiel vom Hochseil, das Publikum war begeistert. Lacey Junior hatte seine gute Laune wiedergefunden und diktierte mir wenig überraschende Aussagen über das tolle Publikum und wie prima der Circus in Gersthofen aufgenommen worden sei in den Block. Natürlich ließ er sich den Ellenbogenstupser nicht nehmen.

Tag 4: Die Pleitegeier kreisen

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Am nächsten Tag verkündet  Markus Söder, dass alle öffentlichen Veranstaltungen im Freistaat verboten sind. Ich düse nach der Pressekonferenz sofort runter zum Festplatz. Die Abbauarbeiten sind schon im vollen Gange. Lacey lässt mich in seinen Wohnwagen. Von guter Laune ist jetzt nichts mehr zu spüren. Statt über Löwen und Clowns reden wir  nun über Arbeitsplätze und Versicherungspolicen. Die Deutschlandtour, deren Auftakt Gersthofen sein sollte, ist abgesagt. Es ist Lacey wichtig zu betonen, dass der Circus Krone ein mittelständisches Unternehmen sei. Natürlich wolle er seine Mitarbeiter weiter bezahlen. Solange es gehe, fügt er hinzu. Ihre Arbeitsplätze seien gerade bedroht. Es könne durchaus sein, dass der über 100 Jahre alte Circus Krone pleitegehen würde.

Vielleicht sollte ich meine Karte aufheben. Sie könnte ein Sammlerstück werden.