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Fliegendes Klassenzimmer

Arbeit mit und für „die jungen Leute“

Zwei Jugendseiten der Aichacher Nachrichten.

Vor meinem Volontariat an der Günter-Holland-Journalistenschule habe ich schon verschiedene Praktika gemacht und als freie Mitarbeiterin gearbeitet. Ich habe Themen selbst vorgeschlagen oder aufgetragen bekommen und dann recherchiert und geschrieben. Natürlich lernen Volontäre in den Lokalausgaben der Augsburger Allgemeinen auch viel darüber, wie man besser Texte schreibt.

Etwas ganz Neues im Volontariat ist aber die Arbeit als Redakteur. Ein Redakteur muss schließlich einiges machen, außer „nur“ zu schreiben. Er oder sie muss es schaffen, dass jeden Tag die Zeitung voll wird. Muss Themen im Blick behalten, ein Netzwerk von freien Mitarbeitern pflegen. Am Ende redigiert er deren Texte dann und baut Zeitungsseiten.

Seitenbauen im Einführungskurs der Günter-Holland-Journalistenschule

All das konnte ich im Lokaljahr meines Volontariats im Kleinformat ausprobieren. Jede zweite Woche war ich für die Jugendseite (Klartext-Seite genannt) der Aichacher Nachrichten verantwortlich.

Dafür musste ich Themen finden, freie Mitarbeiter schulen und ihre Texte redigieren. Am Ende kam das Seitenbauen. Am Anfang erschien mir diese Aufgabe fast überfordernd. Wie sollte ich in einer Gegend, aus der ich nicht ursprünglich bin, Jugend-Themen auftreiben? Was wollen junge Leute überhaupt lesen? Der Pool an jungen Mitarbeitern war nicht sehr groß. Würden sie reichen, um genügend Texte zu bekommen? Und Seiten hatte ich außerhalb des Einführungskurses an der Günter-Holland-Journalistenschule auch noch nie gebaut.

Junge Mitarbeiterinnen lernen schnell und gerne

Allerdings merkte ich schnell, dass alles halb so schlimm war. Meine Mitarbeiterinnen (es waren tatsächlich nur Mädels) kamen im Gespräch manchmal selbst auf Ideen, was sie in ihrem Freundeskreis gerade beschäftigte. Ansonsten hatte ich immer Themenvorschläge parat.

Die Arbeit mit den sogenannten Klartexterinnen im Alter von 14 bis 25 Jahren machte mir sehr viel Spaß. Vor allem den Jüngeren erklärte ich die Themen am Telefon sehr genau, schickte einige Texte auch wieder zurück, damit sie sie mit meinen Korrekturen überarbeiten konnten. Im Laufe der Zeit musste ich das aber immer seltener tun, denn sie lernten schnell und gerne. Die Begeisterung, die diese jungen Frauen für das Schreiben aufbrachten, war mit das Schönste an der Arbeit.

Nachwuchs für die Regionalzeitung Augsburger Allgemeine

Auch am Seitenbauen habe ich Gefallen gefunden. Häufig sind die Seiten eher klassisch gebaut, manchmal aber auch mal mit ausgefalleneren Layouts. Die Freiheit, mit verschiedenen Entwürfen zu experimentieren, werde ich so schnell nicht wieder haben.

Letztendlich ist die Jugendseite aus verschiedenen Gründen eine Bereicherung. Zum einen lernt der Volontär was es heißt, ein Redakteur zu sein. Zum anderen lernen die jungen Mitarbeiter viel und werden später vielleicht selbst zu Volontären. Eine Regionalzeitung wie die Augsburger Allgemeine braucht Nachwuchs aus der Region und die Klartext-Seite hilft dabei, diesen Nachwuchs zu generieren.

Junge Themen und junge Menschen in der  Zeitung

Was allerdings auch ein wichtiger Punkt der Jugendseiten ist: Sie bringen junge Themen und junge Menschen ins Blatt. Durch Texte über regionale Meme-Seiten auf Instagram merken junge Leser, dass die Zeitung nah an ihrer Lebensrealität ist. Leser der älteren Generation können mit solchen Texten vielleicht auch etwas über Soziale Medien dazulernen.

Texte zum Beispiel über Schwabens beste Konditorei-Auszubildende sind eine schöne Abwechslung zu dem Rest der Zeitung. Schließlich wird immer noch viel häufiger über ältere Männer als über jüngere Frauen geschrieben. Viele der Texte liefen auch Online sehr gut. Wie beispielsweise der Text über den Alltag einer Justizvollzugsbeamtin im Aichacher Frauengefängnis.

Nur mit Wehmut übergebe ich nach einem Jahr bald meine Jugendseite und auch „meine“ Klartexterinnen an die nächste Volontärin in Aichach. Ich bin gespannt, ob ich einige meiner jungen Mitarbeiterinnen in ein paar Jahren wieder bei der Augsburger Allgemeinen begegne.