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Alles, was uns bewegt

Als Fotograf im Flüchtlingsheim

Das Thema Flüchtlinge bestimmt derzeit die Berichterstattung. Immer mehr Asylbewerber kommen nach Deutschland, nach Schätzungen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge sollen es im Jahr 2015 insgesamt etwa 600.000 sein. Auch wir Volontäre der Günter-Holland-Journalistenschule befassen uns mit dem Thema: auf kommunaler Ebene von den Lokalredaktionen aus und auf bayern- und bundesweiter Ebene von der Mantelredaktion aus.

Eine ganz persönliche Erfahrung mit Flüchtlingen habe ich in meinem Foto-Monat in der Lokalredaktion Augsburg-Stadt gemacht. Das Besondere daran: Ich habe drei Asylbewerberunterkünfte in Augsburg besucht und die Eindrücke fotografisch festgehalten. Meine Fotos wurden in drei Beiträgen der Serie „Asyl in Augsburg“ in der Stadtausgabe der Augsburger Allgemeinen veröffentlicht.

Gemeinsam mit Redakteurin Ute Krogull fuhr ich in die Unterkünfte. Sie führte Gespräche mit einigen Bewohnern, fragte nach ihren Geschichten, Träumen und Hoffnungen. Ich lauschte aufmerksam den Erzählungen, machte mir während des Gesprächs aber auch bereits Gedanken, wie und wo ich die Menschen, ihre Wohnungen und das ganze Gebäude am besten ablichten wollte. Ich bewunderte den Mut der Bewohner, sich in ihren einfachen, engen, mit gebrauchten Möbeln und Spinden eingerichteten Zimmern fotografieren zu lassen.

Männer aus Afghanistan und dem Kosovo erzählten, wie sie mit Gartenarbeit gegen die Verweiflung und das Nichtstun ankämpfen, während sie monatelang darauf warten, dass ihre Asylanträge bearbeitet werden. Eine Afrikanerin berichtete, wie sie mit ihrem Kind vor ihrem gewalttätigen Mann habe flüchten müssen. In Deutschland bekam die Frau sogar einen Job angeboten, doch den durfte sie nicht annehmen, weil Deutsche und EU-Ausländer Vorrang haben. Auch sie wartet seit langem auf einen Bescheid. Eine syrische Familie mit sechs Kindern sprach über ihre Flucht aus dem Kriegsgebiet und über die Probleme mit einer schwer behinderten Tochter. Die Familie hofft auf Anerkennung als Asylberechtigte – und versucht, eine Wohnung außerhalb der Gemeinschaftsunterkunft zu finden.

Denn das Miteinander in den Flüchtlingsheimen, auch das erfährt man bei einem Besuch, funktioniert oft alles andere als reibungslos. Auf engstem Raum leben Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen zusammen, teilen sich Küche und Bad. Da kann es immer wieder zu Konflikten kommen.

Die Einblicke in das Leben der Asylbewerber haben bei mir eines bewirkt: „Die Flüchtlinge“ sind für mich keine anonymen Menschenmassen mehr, sondern haben nun Gesichter bekommen. Mit meinen Fotos habe ich dazu beigetragen, dass die Zeitung den Flüchtlingen ein Gesicht gegeben hat. So konnten sich auch die Leser ein Bild von der Situation machen.

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