Archiv: 2018

Alles, was uns bewegt

Ein Monat Artikeltetris und Themenschach

Am Regiodesk werden die Lokalteile der Augsburger Allgemeinen in Aichach, Friedberg, Schwabmünchen und Gersthofen gelayoutet. Bild: Fabian Kluge

Am Regiodesk werden die Lokalteile der Augsburger Allgemeinen in Aichach, Friedberg, Schwabmünchen und Gersthofen „gebaut“. Reger Kontakt mit den Außenredaktionen und ein sicheres Händchen im Layouten von Zeitungsseiten sind dabei gefragt.

Am Augsburger Rathausplatz befindet sich bekanntermaßen der Ticketservice der Augsburger Allgemeinen. Im Unterbau gibt es eine kleine Redaktion, die für die Fertigstellung der vier Landkreisausgaben der Augsburger Allgemeinen, angrenzend an das Stadtgebiet zuständig ist: der Regiodesk.

Hier nehmen leere Zeitungsseiten Gestalt an. Hier basteln Journalisten und Mediengestalter die Lokalteile zusammen. Also: den Landboten im Norden, die Schwabmünchener Allgemeine im Süden und im Osten die Lokalzeitungen Friedberger Allgemeine und die Aichacher Nachrichten.

Konferenz am Desk

12 Uhr: Der Tag beginnt mit einer Telefonkonferenz. Hier werden die wichtigsten Themenschwerpunkte für die aktuelle Ausgabe festgelegt. Stefan Bürzle, diensthabender Planungschef der Lokalredaktion Augsburg (rechts) und Markus Schwer, Redaktionsleiter des Regiodesks, sprechen die Themenlage mit den vier Leitern der Lokalredaktionen ab.

In der morgendlichen Konferenz besprechen die Redakteure die aktuellen Themen mit den Außenredaktionen Aichach, Friedberg, Schwabmünchen und Gersthofen. Bild: Nina Emering

Die Aichacher Nachrichten widmen die aktuelle Seite 1 einem Artikel über die Eröffnung des millionenschweren Bauprojekts Bundesstraße – „B300“. Der Landbote im Augsburger Land hat eine Geschichte über einen Besitzerwechsel im Lechpark.

Die Redaktion in Schwabmünchen plant im Zuge der Landtagswahl in Bayern ein Wahlporträt über den SPD-Politiker Florian Pronold, und die Friedberger Allgemeine befasst sich in der nächsten Ausgabe in einem Porträt mit dem Geschäftsführer des örtlichen Kreisjugendrings.

Die Seite „Rund um Augsburg“, kurz RUA

Jeden Tag erscheint eine Seite, die interessante Themen und Ereignisse aus der Augsburger Region bündelt. So erhält die Augsburgerin, die in Aichach arbeitet, oder der Leser aus dem Holzwinkel, der täglich nach Graben pendelt, auch Geschichten aus anderen Lokalredaktionen.

Seitenumfang und Andruckzeiten

Der Gesamtumfang der jeweiligen Ausgabe ist abhängig von Veranstaltungen, Terminen und Themen der Lokalredaktionen. Auch gewerbliche Anzeigen werden bei der Seitenbestellung der Redakteure berücksichtigt.

Wie viele Seiten ein Lokalteil umfasst, hängt von aktuellen Themen und Terminen ab. Auch die Andruckzeiten variieren von Außenredaktion zu Außenredaktion. Bild: Philipp Kiehl

Wann soll also welcher Artikel in welchem Umfang erscheinen? Aktualität geht immer vor. Fingerspitzengefühl und strategisches Geschick bei der Verteilung der Themen auf die Woche sind hierbei gefragt. Ein Beispiel: Montag bis 17 Uhr haben Redakteure der Lokalzeitungen Zeit, die Seitenbestellung für Mittwoch an die Regiodesk-Redaktion zu schicken.

Seitenbestellung

Die Aichacher Nachrichten planen 16 Seiten für das kommende Wochenende. Darunter ein Kollektiv, also drei Seiten Verlagsveröffentlichung mit PR-Texten über das Schwerpunktthema „Start in den Job“. Außerdem ist eine Sonderseite mit Vereinsbildern eingeplant.

Darüber hinaus: drei Lokalseiten, eine Seite mit Themen aus dem Landkreis, zwei Seiten Sport, eine Service-Seite mit Veranstaltungsterminen und eine Seite Nachbarschaft (NAC) mit Artikeln aus dem angrenzenden Landkreis (zum Beispiel aus Neuburg).

Seiten „bauen“ in der Praxis

Ich schnappe mir die Aichacher Sonderseite. Fotos von Vereinsaktivitäten, Senioren-Ausflügen, Kinderfesten oder Hobbyfotografen. Das Who’s Who des Landkreises. Die Texte stehen schon, müssen gegebenenfalls angepasst werden.

Ich baue die Bilder mit dem jeweiligen Text in einem Block, das heißt, ich versuche, Bild und Text auf gleiche Höhe zu trimmen. Das funktioniert wie im Baukastenprinzip und fühlt sich ein bisschen an wie Tetris mit Zeitungsartikeln.

Nächster Auftrag: Die Redaktion der Schwabmünchner Allgemeinen hat einen sogenannten Seitenzettel für die Lechfeld-Seite, genannt LEF, geschickt. Aufmacher, also interessantester Artikel oben auf der Seite, über den Untermeitinger Förderverein.

Drei Bilder sind eingeplant, sofern der Platz reicht. Das Bild mit Brezn? Ich kann keins finden. Erst beim Vergrößern des Bildes erkenne ich, dass die Kinder mit einer Breze wedeln. Also weiter. In die Randspalte ziehe ich den einzigen Polizeiartikel, der sich im Verzeichnis finden lässt und setze den Artikel über eine Kiesbank im Markt Kaufering darüber.

Überschriftenkonferenz

Redakteure werfen einen letzten kritischen Blick auf die fertigen Seiten. Hier werden Überschriften, Bildunterzeilen und das Seitenlayout zum letzten Mal unter die Lupe genommen, bevor die Zeitung anschließend in den Druck geht.

Bei der Überschriftenkonferent werfen die Redakteure einen letzten, kritischen Blick über die fertigen Seiten. Bild: Fabian Kluge

Jeden Tag ein Abenteuer

Doppelt gelohnt, zweifacher Spaß

Endspurt kurz vor dem Ziel in Mittelneufnach: Volontärin Maria Heinrich zusammen mit ihrer Hündin Emma.

GHJS-Volontärin hatte das Glück, auf zwei Recherche-Termine ihre Hündin Emma mitzunehmen.

Morgens, wenn ich aus der Tür gehe, dann blickt sie mir mit traurigen Kulleraugen hinterher. Am Abend, wenn ich aus der Redaktion nach Hause komme, wedelt der Schwanz vor Freude durch die Luft. Meine Hündin Emma hat sich mittlerweile vollkommen auf meinen Alltag als Volontärin an der GünterHollandJournalistenschule eingestellt und sich meinem Tagesrhythmus angepasst. Umso größer war für mich deshalb die Freude, als Emma mich auf zwei Redaktions-Termine begleiten durfte.

Ich volontiere derzeit in der Redaktion Augsburger Allgemeine Land in Gersthofen. Dort erscheinen immer wieder Serien. Jedes Jahr im Frühjahr testen die Redakteure zum Beispiel verschiedene Sportarten und berichten den Lesern von ihren Erfahrungen. „Fit wir ein Turnschuh“ nennt sich das Projekt. Weil Emma ein absolut energiegeladenes Hündchen ist, habe ich vorgeschlagen, mit ihr gemeinsam die Hundesportart Agility auszuprobieren. Dabei muss der Hund verschiedene Hürden überwinden, zum Beispiel über eine Wippe gehen oder durch einen Tunnel krabbeln. Der Mensch marschiert immer mit und gibt seinem Tier die Kommandos.

Fit wie ein Turnschuh: Volontärin Maria Heinrich beim Hundesport mit ihrer Hündin Emma.

Bei uns lief das ein wenig anders, als ich mir das vorher vorgestellt hatte: Emma ist im Affenzahn über die Hürden gehopst, über die Stäbe durch die Luft geflogen und durch den Hundetunnel gerast (siehe Bilder). Runde für Runde wurde sie schneller und kletterte mühelos über eine steile Wand und die Wippe.

Fit wie ein Turnschuh: Volontärin Maria Heinrich beim Hundesport mit ihrer Hündin Emma.

Ich dagegen bin kaum hinterhergekommen. Emma war mir immer ein Hindernis voraus, sodass das mit den Kommandos nicht ganz funktioniert hat. Nach fünf Minuten hatte ich bereits Seitenstechen und war am Keuchen. Doch es hat mir Freude bereitet, weil Emma beim Herumrasen so viel Energie zeigte. Ein lustiger Termin, der mit Emma doppelt  Spaß gemacht hat.

Sportlich ging es auch bei unserem zweiten gemeinsamen Termin zu. In der Redaktion betreuen die Redakteure die sogenannte Grenzgänger-Serie. Dabei läuft jeder Autor eine Strecke entlang der Landkreisgrenze, bis das Gebiet insgesamt einmal umrundet ist. Es geht vor allem darum, auf seinem Weg Geschichten aus der Umgebung zu finden und die Leute vor Ort kennenzulernen. Für meine sieben Kilometer lange Wanderung hat es sich natürlich angeboten, Emma auch dieses Mal mitzunehmen (siehe Video).

Es war ein richtig heißer Tag. Obwohl wir schon um halb acht in der Früh losgelaufen sind, hatte es bald über 30 Grad. Emma hat tapfer durchgehalten und wurde auf dem Weg von den Einheimischen ganz lieb mit viel Wasser und noch mehr Streicheleinheiten umsorgt. Sie war wie ein Türöffner zu den Leuten und den Geschichten. Da hat es sich doppelt gelohnt, sie auf meine Wanderung mitzunehmen. Denn zu zweit läuft es sich einfach viel schöner.

Im Augsburger Landkreis unterwegs: Maria Heinrich auf dem Weg von Walkertshofen nach Mittelneufnach – mit dabei Hündin Emma.

Jeden Tag ein Abenteuer

Ein Volo macht den Abflug

Links Flugbeobachter Siegfried Möst, der den Stützpunkt der Luftrettung in Illertissen leitet, und rechts Florian Dollinger, der ausgebildeter Flugbeobachter ist. Foto: Jonathan Mayer

Ein Volontär hebt ab und zwar buchstäblich. Jonathan Mayer war mit Flugbeobachtern vom Stützpunkt in Illertissen unterwegs. Was er dabei erlebte und wie Schwaben von oben aussieht.

Als Volontär der Augsburger Allgemeinen bin ich es gewohnt, mich in vielen verschiedenen Themengebieten auszuprobieren. Von Porträts über Punk-Rock-Bands bis zu Dorfläden auf vier Rädern war bisher vieles dabei. Dass ich einmal in einem Kleinflugzeug hoch oben über Schwaben nach Waldbränden Ausschau halten würde, hätte ich zu Beginn des Volontariats an der Günter Holland Journalistenschule aber nicht gedacht.

Auf dem Flugplatz in Illertissen ist es heiß. 32 Grad hat es heute. Ich stehe vor der Start- und Landebahn und warte. Wären da nicht der Windanzeiger und die kleinen Flugzeuge, könnte man die Strecke für eine gut gemähte Wiese halten. Langsam breitet sich in meinem Magen ein eher ungutes Gefühl aus. War das wirklich eine gute Idee?

Eigentlich freue  ich mich seit Tagen auf den Termin. Für die Illertisser Zeitung, meine Heimatausgabe der Augsburger Allgemeinen will ich eine Reportage über die Flugbeobachter am Stützpunkt in Illertissen schreiben. Die waren im Sommer regelmäßig in der Luft über Südschwaben unterwegs, um nach Waldbränden Ausschau zu halten. Warum ich mich so freue? Weil ich noch nie in einem Kleinflugzeug geflogen bin. Außerdem wird das hier meine erste Multi-Media-Reportage. Mit  Block, Kamera und Handy stehe ich also bereit. Doch unser Abflug verzögert sich. Und je länger ich hier in der Hitze warte, desto nervöser werde ich. Was erwartet mich in dem kleinen Flieger eigentlich? Nun, gleich werde ich es erfahren. Der Pilot gibt mir das Kommando, ich steige über den Flügel in die Maschine, quetsche mich auf die Rückbank und los geht’s.

Blick auf ein brennendes Landwirtschaftsgebäude bei Kaufbeuren. Foto: Philipp von Criegern

Nach dem Start dauert es knapp zehn Minuten – dann wird mir übel

Nach einem holprigen Start über die als Landebahn getarnte Wiese geht es hoch in die Luft. In gerade einmal 300 Metern Höhe fliegen wir über den Süden Schwabens. Die beiden Beobachter sitzen vor mir und suchen den Boden nach allem ab, was nach einer Rauchwolke aussehen könnte. Ich indes versuche, souverän zu wirken und bin eigentlich ganz froh, dass mich hier hinten niemand sieht. Schließlich sind meine zwei Begleiter mit Feuersuchen beschäftigt.  Das ständige Ruckeln und die Luftlöcher machen mir das Souverän-Wirken jedoch zunehmend schwer. Wie eine Achterbahnfahrt hatte ich mir das hier eigentlich nicht vorgestellt. Doch meine Bemühungen sind umsonst. Mir wird übel. Ich suche also eine Ablenkung. Denn schon als Kind habe ich bei langen Autofahrten gelernt: Wenn dir schlecht wird, beschäftige dich irgendwie. Baldriantropfen habe ich ja leider gerade nicht parat. Und dann fällt mir wieder ein, dass ich ja nicht  zum Spaß hier bin (zumindest nicht nur) und ich fange an, Fotos und Videos zu schießen. Und tatsächlich: Es hilft. Mein Magen beruhigt sich.

Einen Brand finden wir nicht, dafür gibt es aber wilde Flugmanöver

Wir fliegen von Illertissen nach Süden ins Allgäu und in den Norden bis zur Donau. Von dort oben lerne ich als Volontär in der Fremde die Gegend von ganz anderen Seiten kennen. Trotz meines anfänglichen Unbehagens genieße ich die Aussicht und fange an, selbst nach Rauchsäulen Ausschau zu halten. Sechs Augen sehen ja bekanntlich mehr als vier. Knapp 50 Minuten sind wir in der Luft. Immer wieder sehen wir am Boden kleine Staubwolken von Landmaschinen. Ein Feuer finden wir nicht. Trotzdem lässt es sich der Pilot nicht nehmen, mir einige Manöver zu zeigen, die er fliegen müsste, wenn er die Helfer der Feuerwehr zu einem Brand in einem Wald lotsen müsste. Er fliegt drei, vier sehr steile Kurven, sodass sich das Flugzeug senkrecht zum Boden neigt. Gleichzeitig breitet sich in meinem Magen wieder dieses ungute Gefühl aus. Aber ich habe Glück. Der Pilot zeigt Erbarmen und lenkt die Maschine wieder in Richtung Illertissen.

Nach der Landung fahre ich – immer noch leicht zitternd – zurück in die Redaktion und sichte die knapp 120 Bilder auf der Kamera plus Videos auf meinem Handy. Wie die geworden sind und was es mit den Luftbeobachtern auf sich hat, lest ihr hier.