Jeden Tag ein Abenteuer

Halb Arbeit, halb Urlaub

Radlführer Alex Orasch stürzt sich einen Abhang hinab. Foto: Claudia Hilmbauer

Eine Pressereise für die Augsburger Allgemeine klingt nach bezahltem Urlaub. Ein wenig Erholung ist für den Reporter der Günter Holland Journalistenschule tatsächlich drin. Doch damit die Geschichte etwas wird, braucht es journalistische Neugier und Reporterhandwerk. Es ist gar nicht so einfach daran zu denken, dass man im Dienst ist, wenn man vom Grubigstein auf die […]

Eine Pressereise für die Augsburger Allgemeine klingt nach bezahltem Urlaub. Ein wenig Erholung ist für den Reporter der Günter Holland Journalistenschule tatsächlich drin. Doch damit die Geschichte etwas wird, braucht es journalistische Neugier und Reporterhandwerk.

Es ist gar nicht so einfach daran zu denken, dass man im Dienst ist, wenn man vom Grubigstein auf die Zugspitze schaut. Deutschlands höchster Berg liegt in der Sonne, Wanderer hocken auf der Terrasse vor der Alm hier auf 2050 Metern Höhe, trinken Almdudler, essen Kaiserschmarren. Sie genießen ihre Freizeit. Wir tun das fast auch.

Wir, das sind Claudia, Martina und ich. Wir sind auf der Alm, um gemeinsam mit unserem Radlführer Alex auf unseren Mountainbikes die Trails vom Grubigstein ins Tal hinunterzufahren. Das klingt nach Spaß. Den haben wir auch. Aber im Urlaub sind wir nicht, hier im tirolerischen Lermoos auf der Südseite der Zugspitze. Claudia, Martina und ich werden später über unsere Mountainbike-Tour in den Alpen berichten.

Volontär auf Pressereise: Für die Augsburger Allgemeine an der Zugspitze

Auf der Talfahrt vor der Zuspitz-Kulisse Foto: Christof Paulus

Das heißt: Wir dürfen das Panorama auskosten. Wir dürfen den Fahrtwind durch unser Gesicht streichen lassen. Und wir dürfen unseren Blutdruck in die Höhe schnellen lassen, wenn wir wie im freien Fall einen Abhang hinunterfahren. Was wir nicht dürfen, ist die Geschichte dabei zu vergessen.

Und das heißt: Bei jeder Abfahrt müssen wir nicht nur auf unsere Radbeherrschung achten, wir brauchen auch den Blick für die schönsten Motive. Und natürlich hören wir in den Bergen nicht auf, Fragen zu stellen: Was sagt unser Radlführer dazu, dass Mountainbiker nicht immer gern gesehen sind, weil manche von ihnen die Wege verlassen und so dazu beitragen, die Natur in den Bergen zu zerstören? Sind E-Bikes ein Segen für Menschen, die sonst an vielen Bergstrecken schon im Anstieg scheitern würden – oder setzen sie diese unnötigen Gefahren auf der Talfahrt aus?

So verbringen wir ein ganzes Wochenende in den Bergen rund um Lermoos. Natürlich: Für leckeres Essen und ein Bier ist auch Zeit. Und die Gipfel sind sogar dann schön, wenn wie am letzten Tag die Sonne nicht mehr scheint und Nebel in den Tälern liegt. Als wir am Montag in unsere Redaktionen zurückkehren, wartet der zweite Abschnitt unserer Arbeit auf uns. Für mich heißt das: fast eine ganze Seite Reportage über eine Reise im Dienst

Jeden Tag ein Abenteuer

Aus dem schweißtreibenden Paparazzo-Leben eines Volontärs

Im Fotomonat lernen die Volontäre der Günter Holland Journalistenschule, wie fotografiert statt geknipst wird - wie bei der Kunst- und Klavieraktion "Play me, I'm yours" in Augsburg. Foto: Peter Fastl

Als Volontär bei einer Tageszeitung wie der Augsburger Allgemeinen steht – klar – primär das Recherchieren und Schreiben von Artikeln im Vordergrund. Doch nicht selten kommt es vor, dass neben Block und Kuli auch der Fotoapparat zum Ausrüstungs-Repertoire gehört, wenn es auf Termin geht. Um nicht mit lauter unscharfen, überbelichteten oder nichtssagenden Fotos zurück in die Redaktion zu kommen, lernen die Volontäre der Günter Holland Journalistenschule einen Monat lang, wie fotografiert statt geknipst wird. Ganz nebenbei gehen sie dabei noch auf Entdeckungstour durch Augsburg – was durchaus auch mal schweißtreibend werden kann.

Fotografieren hieß für mich immer: im Urlaub das Handy zücken, eine Sehenswürdigkeit ablichten, eventuell noch mit ein paar Leuten im Vordergrund darauf, von denen dann mindestens die Hälfte im entscheidenden Moment die Augen zu hat. Als Urlaubsfoto passt das dann schon. Für die Zeitung, sowohl in gedruckter Form als auch online, reicht das aber nicht. Wie gut, dass es neben zwei Tagen Fotokurs im siebenwöchigen Einführungskurs, noch einen Fotomonat für die Volontäre der Günter Holland Journalistenschule in der Stadtredaktion Augsburg gibt.

Aus Ermangelung einer eigenen Fotokamera bekam ich an meinem ersten Tag die Ersatzkamera von Fotograf Silvio Wyszengrad. Und nach meinem Geständnis, dass ich eigentlich nichts von Fotografieren verstehe und das eher ein Buch mit sieben Siegeln für mich ist, führte mich Silvio geduldig in eine Welt der ISOs, Blenden, Verschlusszeiten, Tiefenschärfen, Blitze und guten Motive ein. Die ersten Tage lief ich noch mit und bekam weiter Tipps und Kniffe vom Profi gezeigt und übte unter seiner Anleitung. Doch Probieren geht über Studieren, und so war ich schnell allein auf Fototerminen mit dem Fahrrad kreuz und quer in Augsburg unterwegs.
Eine schweißtreibende Rad-Rallye durch die Stadt wurde ein Tag mit vier Terminen, die eng getaktet waren. Unter anderem fotografierte ich Pfarrer Dietrich Tiggemann in Kriegshaber. Foto: Lea Binzer

So sieht das Leben eines Paparazzo-Volontärs bei der Augsburger Allgemeinen aus

Eine schweißtreibende Rad-Rallye durch die Stadt wurde ein Tag mit vier Terminen, die eng getaktet waren: Porträtfotos von neuen Schulleiterinnen im Hochfeld, in der Innenstadt und in Lechhausen sowie ein Porträtfoto von Pfarrer Dietrich Tiggemann in Kriegshaber machen. Neben bis dato für mich unbekannten Ecken entdeckte ich dabei auch, dass Augsburg zwar groß, aber mit dem Rad doch gut erfahrbar ist. Schweißtreibend war manchmal nicht nur die Fahrt hin zum Termin, sondern auch der Termin selbst: 20 Minuten in Klamotten plus Mund-Nasen-Maske im Hallenbad Spickelbad sind ein Sauna-Erlebnis der besonderen Art.
Schweißtreibend war wohl der Termin für meine Foto-Modelle der Physiotherapiepraxis im DAV Kletterzentrum vor dem Firmenlauf Augsburg. Von links: Annika Kahl (Praxisleitung), Andreas Leitenmeier, Silvana Pizzolato und Sabrina Zimmermann. Foto: Lea Binzer

Nicht für mich, aber wohl für meine Foto-Modelle der Physiotherapiepraxis im DAV Kletterzentrum am Rande des Siebentischwalds schweißtreibend, war der Termin vor dem Firmenlauf Augsburg. Ein paar Mal mussten die Vier auf mich zu-joggen, bis das perfekte Foto dabei war.

Im Fotomonat gibt es auch entspannte Momente

Nicht ganz so schweißtreibend, aber dennoch von der Treppenanzahl nicht zu unterschätzen, war der Rundgang durch das fast fertig umgebaute, ehemalige Postverwaltungsgebäude in der Grottenau. Gerade zunächst unscheinbar wirkende Details boten schöne Fotomotive.
Als ungeübte Fotografin waren die rotierenden Trommeln und schnellen Förderbänder der Müllsortieranlage des Unternehmens GEO am Münchner Flughafen eine echte Herausforderung. Foto: Fridtjof Atterdal

Einen weiteren Rundgang gab es sogar außerhalb Augsburgs am Flughafen München. Dort sortiert das Unternehmen GEO einen Teil des Augsburger Mülls aus den gelben Tonnen.
Als ungeübte Fotografin waren die rotierenden Trommeln und schnellen Förderbänder eine echte Herausforderung. Aber mit ein bisschen Probieren sind die Fotos letztlich doch noch scharf geworden.

Einen schönen, entspannten Volo-Job habe ich dann noch zum Ende des Fotomonats bekommen. Da der Stadtmarkt 90 Jahre alt wird, durfte ich circa 20 Händler mit ihren Ständen fotografieren und eine Bildergalerie dazu anlegen. Nicht selten gab es dabei die an den Ständen angebotenen Köstlichkeiten zum Probieren. So lässt sich auch das schweißtreibendste Paparazzo-Volo-Leben gut aushalten.

Fliegendes Klassenzimmer

Selbst Hand anlegen bei den Handwerkern

Beim Löten muss man sauber und konzentriert arbeiten - so macht es auch Volontär Philipp Schulte. Foto: Daniel Weber

Als Journalist muss man viel schreiben und lesen, reden und zuhören. Handwerkliche Anforderungen des Berufs beschränken sich dagegen in der Regel auf das Nachfüllen von Druckerpapier und das Einstecken von USB-Sticks. Umso spannender war es für uns Volontäre der Günter Holland Journalistenschule, als wir bei einem Besuch der Handwerkskammer für Schwaben mit Lötkolben und Abkantbank hantieren durften.

Volotage sind immer eine spannende Angelegenheit: Wir besuchen eine Einrichtung und bekommen aus nächster Nähe mit, wie sie funktioniert. Bei unserem Volotag bei der Handwerkskammer für Schwaben erhielten wir wie gewohnt zunächst einen Überblick über die Funktionsweise der Institution und die Gewerbe, die sie abdeckt. Das ist für uns sehr hilfreich, weil wir nun bei der Recherche für die Augsburger Allgemeine genau wissen, welche Informationen wir von dieser Seite bekommen können und welche Ansprechpartner uns die Handwerkskammer vermitteln kann.

Außerdem ist es nützlich, aus erster Hand etwas über die Lehrlings- und Meisterausbildung zu erfahren, denn die meisten Journalisten haben nur eigene Erfahrungen mit der universitären Laufbahn gemacht. Ich bin da keine Ausnahme. Wenn es um Karriere- und Wirtschaftsthemen geht, schreiben wir aber nicht nur über Studenten und Berufe, die ein Studium voraussetzen.

Grundwissen und Kontakte: Ein Volotag hat viele Vorteile

Je mehr wir schon vor der Recherche über Handwerksberufe, Meisterprüfungen und die Aussichten auf eine Lehrstelle Bescheid wissen, desto besser also. Und es schadet auch nicht, die Dame von der Pressestelle persönlich kennenzulernen, statt immer nur am Telefon mit ihr zu sprechen. So tun sich künftig beide Seiten mit der Kommunikation etwas leichter.

Noch ein paar Handgriffe und die Smartphone-Halterung von Lea Binzer ist fertig. Foto: Daniel Weber In den Stunden bei der Handwerkskammer lernten wir viel über Schreiner, Elektriker, Zerspanungs-Mechaniker, Kerzendreher und Fotografen – ja, auch die Fotografie ist ein Handwerk! Und damit wir wenigstens einen kleinen Eindruck davon bekommen, wie sich Handwerken anfühlt, durften wir schließlich selbst Hand anlegen.

Mit einer Abkantbank bogen wir uns unter fachkundiger Anleitung aus Metallstücken die Bauteile für eine Smartphone-Halterung zurecht. Außerdem verlöteten wir einen Elektronik-Bausatz zu einem Männchen mit leuchtendem Kopf und abwechselnd blinkenden Händen. Zumindest in der Theorie. In der Praxis wollten manche Hände partout nicht blinken, sondern entschieden sich, dauerhaft zu leuchten. Und auch nicht jedem Kopf ging ein Licht auf.

Zum Glück hat niemand dokumentiert, wie die ersten Lötstellen meines Lebens aussahen. Eines sei verraten: Auch Personen mit erheblicher Sehschwäche konnten die „möglichst kleinen Punkte“ gut erkennen. Neben all den nützlichen Informationen über die Handwerkskammer habe ich noch eine Erkenntnis aus diesem Volotag mitgenommen: Schuster, bleib bei deinen Leisten. Und Volo, bleib bei der Schreiberei. Aber schreibe auch gerne etwas über Schuster. Oder Elektroniker.